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Kritik · Kinostart: 5.2.2015

The Interview Kritik: Wenn aus der Talkshow eine Diktatorenjagd wird

Amerikanische FilmeActionfilmeKomödien

Manche Komödienideen klingen an der Theke nach dem dritten Bier besser als auf der Leinwand. Und dann gibt es die, die tatsächlich jemand dreht. The Interview gehört zur zweiten Sorte: Seth Rogen und Evan Goldberg haben sich die absurdeste Idee geschnappt, die man sich vorstellen kann, und ziehen sie 112 Minuten lang ohne mit der Wimper zu zucken durch. Herausgekommen ist ein Film, der laut, dämlich, stellenweise genial und stellenweise anstrengend ist. Eines ist er aber nie: langweilig.

6,0/10
Wertung
Eine freche, überdrehte Buddy-Komödie mit ordentlich derbem Humor, die dank Randall Parks Diktator mehr hergibt, als ihre Prämisse verspricht.
Story
6
Schauspiel
7
Regie
6
Optik
6
Musik und Ton
6
Emotionen
5

Die Gesamtwertung ist der Durchschnitt der sechs Kriterien.

Filmdaten

Kinostart in Deutschland5.2.2015
RegieSeth Rogen, Evan Goldberg
BesetzungJames Franco, Seth Rogen, Lizzy Caplan, Randall Park, Diana Bang, Timothy Simons
GenreActionfilme, Komödien
Laufzeit112 Min.
FSK12
LandAmerikanische Filme

Worum geht es? Ein Moderator, ein Produzent und ein unmöglicher Auftrag

Dave Skylark ist das gefeierte Gesicht einer Talkshow, und seine große Klappe hat ihm bisher jede Tür geöffnet. An seiner Seite steht Produzent Aaron Rapaport, der im Hintergrund den ganzen Zirkus zusammenhält. Dann platzt CIA-Agentin Lacey in ihr Leben und will die beiden für nichts Geringeres gewinnen als die größte Operation in der Geschichte der Agency: Sie sollen den Machthaber Nordkoreas töten.

Natürlich sagen die zwei erst einmal Nein. Nur lässt sich die CIA, und vor allem diese Frau, ein Nein nicht so einfach gefallen. Damit beginnt ein Abenteuer, in dem das Showgeschäft zur wortwörtlich tödlichen Branche wird und Skylarks Geplapper vermutlich nicht mehr ausreicht. Mehr will ich gar nicht verraten, denn die besten Momente des Films entstehen genau daraus, wie zwei völlig ungeeignete Typen in eine internationale Spionageaktion stolpern.

Franco und Rogen: die Kumpelchemie, ohne die alles zerfallen würde

James Franco und Seth Rogen sind seit Jahren ein eingespieltes Team, und das merkt man. Franco lässt hier komplett los: Dave Skylark ist narzisstisch, kindisch und grenzenlos eitel, und Franco spielt ihn mit so einer grinsenden, überdrehten Energie, dass man mal über ihn lacht und ihm im nächsten Moment am liebsten eine scheuern würde. Das ist zugleich der Motor des Films und sein größtes Risiko. Wer Francos Grimassen nicht erträgt, für den werden 112 Minuten sehr lang.

Rogen ist dagegen der bodenständigere Part. Aaron Rapaport ist der Typ, der genau weiß, dass das alles Wahnsinn ist, und sich trotzdem mitreißen lässt. Rogens typisches, keuchendes Lachen und seine panischen Reaktionen bilden einen wunderbaren Kontrast zu Francos Hysterie. Die Dynamik zwischen den beiden folgt dem guten alten Buddy-Movie-Rezept, und das funktioniert auch hier.

Randall Park, die Geheimwaffe des Films

Wenn ich nur einen einzigen Grund nennen dürfte, warum man sich The Interview heute noch ansehen sollte, dann wäre es Randall Park. Sein Kim Jong-un ist die am besten geschriebene und am besten gespielte Figur des Films. Park liefert keinen Pappkameraden von Bösewicht, sondern einen unsicheren, nach Anerkennung lechzenden, zeitweise richtig sympathischen Menschen, bei dem dann immer wieder durchblitzt, dass er eben doch ein Diktator ist. Aus dieser Doppelbödigkeit entstehen die lustigsten und zugleich bizarrsten Szenen.

Bei den Nebenfiguren gibt Lizzy Caplan als Agentin Lacey die kühle, kokette Profi, die sichtlich Spaß daran hat, zwei Clowns an der kurzen Leine zu führen. Diana Bang hat als Sook eine überraschend starke Präsenz, und Timothy Simons bringt als Malcolm eine kleine, aber treffsichere Farbe ins TV-Milieu. Auch Reese Alexander und James Yi fügen sich gut ein, auch wenn sie weniger Raum bekommen.

Die Regie von Rogen und Goldberg: kein bisschen Zurückhaltung

Das Regieduo Seth Rogen und Evan Goldberg ist nicht gerade für Feingefühl bekannt, und auch hier fangen sie nicht plötzlich damit an. Der Humor ist großteils unter der Gürtellinie, vulgär und absichtlich prollig. Es gibt Gewalt, es gibt Blut, und es gibt jede Menge Gags, die man beim Familienabend nicht unbedingt der Oma erklären möchte.

Überraschend gut gelingt den beiden dagegen die Action. Die zweite Hälfte nimmt die Genreregeln ernst, und wenn die Hölle losbricht, ist das spektakulär, temporeich und auf seine überdrehte Art richtig unterhaltsam. Elegant ist die Inszenierung nicht, aber sie weiß, was sie will: Lacher und Schockmomente, am liebsten gleichzeitig.

Wo es hakt: Länge und Wiederholungen

112 Minuten sind für eine Komödie dieser Art zu viel. Manche Pointen feuert der Film gleich dreimal ab, weil sie beim ersten Mal gezündet haben, und manche Szenen dauern schlicht länger, als sie müssten. Vor allem im Mittelteil hängt es etwas durch, wenn der Film hauptsächlich damit beschäftigt ist, immer wieder zu zeigen, wie dämlich Dave Skylark ist.

Auch die Satire bleibt halbgar. Ab und zu blitzt auf, dass der Film durchaus scharf über TV-Promikultur, Propaganda und die Ähnlichkeit von Show und Politik sprechen könnte. Doch diesen Gedanken opfert er regelmäßig für den nächsten Gag unter der Gürtellinie. Schade, denn Randall Parks Figur zeigt, wie gut das hätte werden können, wäre das Drehbuch durchgehend so mutig geblieben.

Für wen ist der Film?

Wenn er dir gefällt, schau auch: Das ist das Ende (2013), Ananas Express (2008), Der Diktator (2012), Tropic Thunder (2008)

Häufige Fragen

Worum geht es in The Interview?

Talkshow-Star Dave Skylark und sein Produzent Aaron Rapaport reisen im Auftrag der CIA nach Nordkorea, um den Machthaber des Landes zu töten.

Wann kam The Interview in Deutschland heraus?

Der Film startete in Deutschland am 5. Februar 2015.

Wie lang ist The Interview?

Der Film dauert 112 Minuten.

Kann man The Interview mit Kindern schauen?

Nein, der Film richtet sich klar an Erwachsene, mit vulgärem Humor und gewalttätigen Szenen.

Wer hat bei The Interview Regie geführt?

Seth Rogen und Evan Goldberg haben Regie geführt, die Hauptrollen spielen James Franco und Seth Rogen.

Wer spielt Kim Jong-un in The Interview?

Randall Park, und für viele ist er das Beste am ganzen Film.

Lohnt sich The Interview heute noch?

Wenn du etwas für einen lockeren Abend mit Bier suchst, das nicht mehr sein will, als es ist: ja. The Interview ist nicht der Gipfel des Genres, er ist zu lang und erstickt manchmal an seinen eigenen Gags. Aber er hat Mut, ein starkes Duo aus Franco und Rogen und vor allem Randall Park, der allein schon das Ticket wert ist. Viel nachdenken wirst du nicht, lachen aber ganz sicher, und bei einer derart irren Idee reicht das völlig. Von mir gibt es eine mittelstarke, aber ausgesprochen unterhaltsame 6 von 10.

Wertung: 6,0/10 · Story 6 · Schauspiel 7 · Regie 6 · Optik 6 · Musik und Ton 6 · Emotionen 5