The Menu Kritik: Ralph Fiennes serviert das grausamste Degustationsmenü, das du je gesehen hast
Es gibt Abendessen, bei denen die Rechnung das kleinste Problem ist. The Menu ist eine mit schwarzem Humor übergossene, mit Horror flambierte Gesellschaftssatire, die sich die überkandidelte Feinschmeckerkultur vorknöpft und das Publikum ganz nebenbei zu unbehaglich lächelnden Gästen macht. Ralph Fiennes ist als Küchenchef so kalt und furchteinflößend, dass du die kunstvoll auf den Teller gezogenen Saucenstreifen danach eine Weile mit anderen Augen sehen wirst.
Elegant angerichtete, scharf gewürzte Satire, die nicht immer in die Tiefe geht, aber mit jedem Gang im Gedächtnis bleibt. Und Ralph Fiennes ist der Hauptgang.
The Menu: Trailer
Filmdaten
| Kinostart in Deutschland | 17.11.2022 |
|---|---|
| Regie | Mark Mylod |
| Besetzung | Anya Taylor-Joy, Ralph Fiennes, Nicholas Hoult, Janet McTeer, Paul Adelstein, Rob Yang |
| Genre | Komödien, Horrorfilme |
| Laufzeit | 107 Min. |
| FSK | 16 |
| Land | Amerikanische Filme |
Tischreservierung auf einer abgelegenen Insel
Die Ausgangslage ist so simpel wie genial. Chefkoch Julian Slowik betreibt sein Luxusrestaurant auf einer abgeschiedenen Insel, das Degustationsmenü kostet ein kleines Vermögen, und trotzdem muss man Monate im Voraus buchen, weil das Erlebnis angeblich einzigartig ist. Hierher kommen der junge Tyler und Margot, zusammen mit einer Handvoll steinreicher Gäste, und dämmern ganz allmählich, dass sie für ihr Geld deutlich mehr zu verdauen bekommen, als sie bestellt haben.
Mehr sollte man vorab gar nicht wissen. Die Stärke des Films liegt darin, wie er Gang für Gang die Schraube anzieht und wie die anfangs verkrampft ironische Stimmung immer bedrohlicher wird. Der abgeschiedene Schauplatz ist ein klassisches Horrorelement: Es gibt keinen Ausweg, niemanden, den man anrufen könnte, nur den Tisch, den Teller und den Koch, der stets den nächsten Gang ankündigt.
Ralph Fiennes, der Herr der Küche
An kalten, beängstigenden Figuren mangelt es in Ralph Fiennes' Karriere wahrlich nicht, man denke nur an den Lagerkommandanten in Schindlers Liste oder an Voldemort aus den Harry-Potter-Filmen. Chef Slowik ist trotzdem anders: Bei ihm ist die Bedrohung diszipliniert, leise und höflich. Ein Klatschen, und der Saal verstummt. Ein Blick, und das Personal steht stramm. Aus dieser Zurückhaltung baut Fiennes eine Figur, vor der man sich fürchtet und die man zugleich ein kleines bisschen versteht.
Genau darin liegt der größte Kniff dieser Rolle. Slowik ist keine Karikatur, sondern ein Künstler, den etwas ganz tief innen zermürbt hat. Fiennes serviert jeden Satz wie eine präzise abgemessene Portion: keine überflüssige Geste, kein Overacting. Wenn es eine Darbietung gibt, für die sich der Film schon allein lohnt, dann diese.
Anya Taylor-Joy, die nicht an diesen Tisch passt
Anya Taylor-Joys Margot ist der Gegenpol des Films und genau der Gast, den das Publikum braucht. Sie lässt sich von aufgeschäumtem Nichts nicht beeindrucken, beobachtet das Zeremoniell mit Argwohn, und in ihrem Gesicht sehen wir dieselben Zweifel, die auch wir haben. Von Das Damengambit bis Furiosa hat Taylor-Joy bewiesen, dass sie eine seltene Leinwandpräsenz besitzt, und auch hier genügt ihr ein kurzes Funkeln in den Augen, um den Schwerpunkt einer Szene zu verschieben.
Das Duell zwischen Fiennes und Taylor-Joy ist das Rückgrat des Films. Zwei Menschen, die auf den ersten Blick ganz unterschiedliche Dinge von diesem Abend zu wollen scheinen, und ein Großteil der Spannung entsteht daraus, wie sie einander taxieren.
Die Gästeschar: Reiche, Snobs und Tellerlecker
Nicholas Houlds Tyler ist eine hervorragend geschriebene, peinlich vertraute Figur: der Foodie, der jeden Gang fotografieren möchte, jede Technik kennt und dessen Begeisterung irgendwo zwischen Ehrfurcht und Lächerlichkeit pendelt. Hoult hat sichtlich Spaß daran, einen derart nervtötenden Typen zu spielen, und genau das liefert die witzigsten Momente des Films.
Auch das Ensemble ist exzellent. Janet McTeer spielt Lillian, Paul Adelstein Ted, Rob Yang Bryce, Aimee Carrero Felicity, und John Leguizamo eine Figur, die im Abspann schlicht als Filmstar geführt wird, was schon für sich viel über den Humor des Films verrät. Jede dieser Figuren verkörpert einen Typus aus der Welt, die hier aufs Korn genommen wird: Geld, Eitelkeit, Status und jener leere Konsum, bei dem das Erlebnis nur noch zum Angeben existiert.
Mark Mylods Anrichtung: Komödie und Horror auf einem Teller
Mark Mylod kommt als Regisseur aus einer Welt, in der die peinliche Fehlbarkeit der Reichen bereits ausgiebig erprobt wurde, und das merkt man. Die größte Stärke von The Menu ist, dass der Film genau weiß, wann das Publikum lachen soll und wann ihm das Lächeln gefrieren muss. Die Genremischung aus Komödie und Horror fällt bei vielen Filmen auseinander, hier verstärken sich die beiden Tonlagen gegenseitig: Je absurder die Situation, desto beängstigender wird sie, und je beängstigender sie wird, desto mehr lachen wir aus purer Verlegenheit.
Die Bilder sind kühl, steril und wunderschön. Die Gerichte werden fotografiert wie in einem Luxus-Gourmetmagazin, und die eingeblendeten Ankündigungen liefern einen herrlich ironischen Rahmen. Die 107 Minuten Laufzeit sind straff, Leerlauf gibt es keinen, der Rhythmus gleicht einer gut komponierten Menüfolge: Jeder Gang ist eine weitere Stufe auf der Spannungstreppe.
Wo die Sauce etwas dünn gerät
Fehlerlos ist der Film nicht. Die Ziele der Satire liegen manchmal zu offen auf der Hand: Der Reiche ist leer, die Kritikerin snobistisch, der Fan lächerlich. Wer tiefere Gesellschaftskritik erwartet, könnte manches oberflächlich finden, und einige Nebenfiguren bleiben eher Andeutungen als echte Charaktere. Horrorfans bekommen womöglich weniger klassische Schockmomente als erhofft, denn dieser Film arbeitet vor allem mit Beklemmung und bedrückender Atmosphäre.
Das sind allerdings Kleinigkeiten bei einem Werk, das so selbstbewusst weiß, was es will. The Menu will nicht auf alles eine Antwort geben, sondern stellt lieber Fragen: Was konsumieren wir eigentlich, wenn wir für ein Erlebnis bezahlen, und wer bedient hier in Wahrheit wen?
Für wen ist der Film?
- Für dich, wenn: Für alle, die schwarzen Humor, bissige Gesellschaftssatire und großartige Schauspielduelle lieben. Pflichtprogramm für jeden, der sich schon einmal in einem überteuerten Restaurant unwohl gefühlt hat.
- Lieber auslassen, wenn: Für alle, die blutigen, klassischen Horror erwarten oder es nicht aushalten, wenn ein Film sie absichtlich in Unbehagen versetzt. Für Kinder ist der Film ohnehin nichts.
Wenn er dir gefällt, schau auch: Knives Out (2019), Triangle of Sadness (2022), Get Out (2017), Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber (1989), Parasite (2019)
Häufige Fragen
Wann kam The Menu in die deutschen Kinos?
The Menu startete am 17. November 2022 in den deutschen Kinos.
Worum geht es in The Menu?
Ein junges Paar, Tyler und Margot, reist zusammen mit einigen steinreichen Gästen in ein Luxusrestaurant auf einer abgelegenen Insel, wo das Degustationsmenü von Chefkoch Julian Slowik weit mehr Überraschungen bereithält als erwartet.
Wie lang ist The Menu?
Der Film hat eine Laufzeit von 107 Minuten.
Wer spielt in The Menu mit?
Die Hauptrollen spielen Ralph Fiennes (Chef Slowik), Anya Taylor-Joy (Margot) und Nicholas Hoult (Tyler), daneben sind Janet McTeer, Paul Adelstein, Rob Yang, Aimee Carrero und John Leguizamo zu sehen.
Wer hat bei The Menu Regie geführt?
Regie führte Mark Mylod.
Lohnt sich eine Reservierung bei Chef Slowik?
Ja, und Monate im Voraus anmelden muss man sich dafür nicht einmal. The Menu ist eine dieser seltenen Genremischungen, die gleichzeitig unterhalten, nerven und zum Nachdenken bringen, während die beiden großartigen Hauptdarsteller Ralph Fiennes und Anya Taylor-Joy regelrecht Funken schlagen. Es ist nicht die tiefgründigste Satire, die man sehen kann, aber eine der genussvollsten. Nur ein guter Rat: Geh danach nicht in ein schickes Restaurant essen. Ein einfacher Cheeseburger schmeckt jetzt irgendwie besser.
