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Kritik

The Rip Kritik: Damon und Affleck wieder vereint, und in Miami kann man niemandem trauen

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Es gibt Geldsummen, bei denen selbst der beste Freund plötzlich verdächtig zu blinzeln beginnt. The Rip baut genau auf diesen Moment: ein Team aus Miami-Cops, ein heruntergekommenes Versteck, jede Menge Bargeld und die Frage, wer sauber bleibt, wenn keiner hinsieht. Joe Carnahan erfindet den Cop-Krimi nicht neu, aber er weiß genau, wie man die Saite spannt.

7,0/10
Wertung
Ein straffer, harter Cop-Thriller, den die alte Chemie zwischen Damon und Affleck mühelos trägt, auch wenn er die Regeln des Genres nur selten überschreitet.
Story
7
Schauspiel
8
Regie
7
Optik
7
Musik und Ton
7
Emotionen
6

Die Gesamtwertung ist der Durchschnitt der sechs Kriterien.

Filmdaten

RegieJoe Carnahan
BesetzungMatt Damon, Ben Affleck, Teyana Taylor, Steven Yeun, Catalina Sandino Moreno, Sasha Calle
GenreActionfilme, Thriller, Krimis
Laufzeit113 Min.
LandAmerikanische Filme

Wo kann man The Rip streamen?

Im AboNetflixNetflix Standard with Ads

Streaming-Daten: JustWatch · Stand: 13.10.2026

Worum geht es in The Rip, ohne Spoiler?

Die Ausgangslage ist simpel, und genau deshalb funktioniert sie. Eine Gruppe von Polizisten aus Miami stößt in einem verfallenen, abgelegenen Versteck auf Bargeld in Millionenhöhe. Mehr braucht es nicht. Keine galaktische Bedrohung, kein Weltuntergang, nur ein Raum voller Geld und ein paar Leute, deren Gehalt nicht einmal einen Bruchteil dessen ausmacht, was da vor ihnen liegt.

Ab diesem Punkt erzählt der Film vom langsamen, quälenden Zerfall des Vertrauens. Wer hat die Bündel gezählt? Wer war fünf Minuten weg? Wer hat wen angerufen? The Rip lebt von der alten, guten Krimi-Erkenntnis, dass die gefährlichste Waffe nicht die Pistole im Holster ist, sondern der Verdacht im Kopf. Alles und jeder wirkt zunehmend verdächtig, und der Film pumpt diese Paranoia bis zum Schluss weiter.

Zu Details der Handlung, zu den Wendungen und zum Finale schreibe ich bewusst nichts weiter. Das ist einer dieser Filme, die man am besten völlig unvorbereitet schaut, denn die Hälfte der Spannung entsteht dadurch, dass man selbst anfängt misstrauisch zu werden, und zwar gegenüber allen.

Damon und Affleck: eine Freundschaft, die auch auf der Leinwand sitzt

Fangen wir mit dem Offensichtlichen an: Matt Damon und Ben Affleck gemeinsam in einem Film sind schon für sich ein Ereignis. Seit Good Will Hunting wissen wir, dass die beiden mit einer Selbstverständlichkeit nebeneinander agieren, die man nicht lernen, sondern nur leben kann. Ihre gemeinsamen Arbeiten der letzten Jahre, etwa The Last Duel oder die Nike-Geschichte Air, haben das nur bestätigt.

Damon spielt hier Lieutenant Dane Dumars, Affleck Detective Sergeant J.D. Byrne. Und genau darin steckt für mich der größte Trumpf des Films: Wenn zwei so vertraute, sympathische Gesichter in einer Geschichte landen, in der man niemandem trauen kann, muss man als Zuschauer mit den eigenen Vorurteilen ringen. Damon glauben wir instinktiv, in Afflecks müdem, leicht gebrochenem Charisma steckt dagegen immer etwas, das uns mit einem Auge wachsam bleiben lässt. Der Film spielt dieses Spiel clever aus.

Beiden merkt man an, dass sie Spaß an der Arbeit haben. Sie spielen keine glänzenden Helden, sondern abgenutzte, erschöpfte Cops, denen die Jahre auf den Schultern lasten. Diese bodenständige Präsenz ist das Rückgrat des Films.

Nebenfiguren, die mehr sind als Kulisse

Ein Vertrauensthriller wie dieser ist nur so gut, wie glaubwürdig sein Team ist, und die Besetzung von The Rip ist überraschend stark. Teyana Taylor als Detective Numa Baptistie, Steven Yeun als Detective Mike Ro und Catalina Sandino Moreno als Detective Lolo Salazar vervollständigen den Kreis der Polizisten. Yeun ist eine besonders gute Wahl: Spätestens seit Minari und Beef wissen wir, dass kaum ein Schauspieler so fein zwischen sympathisch und unberechenbar balancieren kann.

Auch von außerhalb der Polizei kommt Druck. Kyle Chandler spielt DEA-Agent Mateo „Matty“ Nix, Scott Adkins FBI-Agent Del Byrne. Chandler gehört zu den Schauspielern, die Autorität fast von selbst ausstrahlen, und Adkins ist eine der verlässlichsten physischen Erscheinungen des Actionkinos. Seine bloße Anwesenheit signalisiert: Hier wird nicht nur geredet. Sasha Calle bringt als Desiree „Desi“ Lopez Molina frische Farbe in die Runde.

Was mir gefallen hat: Die Nebenfiguren sind nicht nur dazu da, dass die beiden Stars auf sie reagieren können. Jede von ihnen hat ihr eigenes Gewicht im Netz des Verdachts, und genau das macht den Film wirklich unberechenbar.

Joe Carnahan, der Mann für raue Cop-Filme

Wer das Genre mag, kennt den Namen Joe Carnahan. Nach dem rauen, düsteren Polizeidrama Narc, dem überdrehten Chaos von Smokin' Aces und dem eisigen Überlebensfilm The Grey überrascht es nicht, dass er wieder in männliches, hartes, moralisch trübes Terrain zurückkehrt. Carnahan ist dort am besten, wo seine Figuren in die Ecke gedrängt werden, und dieser Film liefert ihm genau so eine Situation.

Die Regie ist dynamisch, die Spannung gut dosiert, und zum Glück macht er nicht den Fehler, die Action über die Figuren zu stellen. Die Laufzeit von 113 Minuten ist nahezu ideal: nichts wird ausgewalzt, es gibt keine überflüssigen Abschweifungen, das Tempo hält einen durchgehend bei der Stange. Carnahans Stil wirkt hier disziplinierter als in seinen wildesten Arbeiten, was dieser Geschichte ausgesprochen guttut.

Miami zeigt dabei nicht seine Postkarten- und Neonseite. Das heruntergekommene Versteck, die feuchte, nach Schweiß riechende Atmosphäre passen viel besser zu einer Geschichte, in der das Geld schmutzig ist und die Hände auch nicht sauber sind.

Was funktioniert, und wo gerät die Waage ins Wanken?

Die größten Stärken des Films:

Und wo meiner Meinung nach mehr drin gewesen wäre:

Das sind keine fatalen Schwächen. Sie zeigen eher, dass The Rip ein sehr guter Genrefilm ist, aber kein Klassiker, der eine ganze Kategorie prägt.

Für wen ist der Film?

Wenn er dir gefällt, schau auch: Training Day (2001), The Departed (2006), Heat (1995), American Gangster (2007)

Häufige Fragen

Worum geht es in The Rip?

Eine Gruppe von Polizisten aus Miami findet in einem heruntergekommenen Versteck Bargeld in Millionenhöhe. Nach der Entdeckung bröckelt das Vertrauen untereinander, und jeder wirkt zunehmend verdächtig.

Wie lang ist The Rip?

Der Film dauert 113 Minuten.

Wer hat bei The Rip Regie geführt, und wer spielt die Hauptrollen?

Regie führte Joe Carnahan. Die Hauptrollen spielen Matt Damon und Ben Affleck, daneben sind Teyana Taylor, Steven Yeun, Catalina Sandino Moreno, Sasha Calle, Kyle Chandler und Scott Adkins zu sehen.

Lohnt es sich, sich vor den Geldberg in Miami zu setzen?

Ja, es lohnt sich. The Rip will das Regelbuch des Cop-Krimis nicht neu schreiben, aber was der Film sich vornimmt, liefert er souverän ab: einen spannenden, von Misstrauen durchzogenen Thriller, der auf gut geschriebenen Figurenkonflikten aufbaut, mit zwei Hauptdarstellern, die man einfach gern zusammen sieht. Joe Carnahan hat zu dem rauen, moralisch grauen Terrain zurückgefunden, in dem er sich am wohlsten fühlt, und das Ensemble trägt auch jene Momente, in denen das Drehbuch etwas vorhersehbar wird. Für einen ernsteren Filmabend eine hervorragende Wahl. Wundere dich nur nicht, wenn du während des Abspanns noch darüber grübelst, wem du an ihrer Stelle vertraut hättest.

Wertung: 7,0/10 · Story 7 · Schauspiel 8 · Regie 7 · Optik 7 · Musik und Ton 7 · Emotionen 6