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Kritik · Kinostart: 15.9.2022

Ticket ins Paradies Kritik: Julia Roberts und George Clooney vereint, und es macht immer noch richtig Spaß, ihnen zuzusehen

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Manche Filme werden nicht vom Drehbuch getragen, sondern von zwei Menschen, die seit Jahrzehnten wissen, wie man eine Szene an sich reißt. Ticket ins Paradies ist genau so ein Fall: Julia Roberts und George Clooney zanken sich, als würden sie dafür bezahlt, und na ja, genau dafür werden sie bezahlt. Revolutionär ist das Ergebnis nicht, aber so angenehm wie ein gelungener Urlaub, den man hinterher auch gar nicht groß analysieren möchte.

6,5/10
Wertung
Nicht wegen der Geschichte, sondern wegen der Chemie der beiden Stars lohnt sich der Film, und diese Chemie reicht locker für einen gemütlichen Abend.
Story
5
Schauspiel
8
Regie
6
Optik
8
Musik und Ton
6
Emotionen
6

Die Gesamtwertung ist der Durchschnitt der sechs Kriterien.

Filmdaten

OriginalTicket to Paradise
Kinostart in Deutschland15.9.2022
RegieOl Parker
BesetzungJulia Roberts, George Clooney, Kaitlyn Dever, Billie Lourd, Maxime Bouttier, Lucas Bravo
GenreDramen, Komödien, Romantische Filme
Laufzeit104 Min.
FSK6
LandAmerikanische Filme, Britische Filme

Worum geht es? Zwei Exe, eine gemeinsame Mission

Die Ausgangslage ist denkbar simpel, und das ist auch gar nicht schlimm. David und Georgia Cotton sind längst geschieden und gehören, vorsichtig formuliert, nicht zu den Ex-Paaren, die sonntags zusammen Kaffee trinken. Dann kommt die Nachricht: Ihre Tochter Lily ist bis über beide Ohren verliebt und will heiraten. In genau einem Punkt sind sich die Eltern einig: Das muss verhindert werden, denn ihrer Meinung nach steht Lily kurz davor, denselben Fehler zu machen, den sie selbst einst begangen haben.

So beginnt ein Bündnis, das eher einem Waffenstillstand gleicht, bei dem beide Seiten das Messer hinter dem Rücken halten. Der Film macht kein Geheimnis daraus, wohin die Reise geht, und will auch gar nicht überraschen. Diese Art romantischer Komödie setzt darauf, dass man genau weiß, was passieren wird, und den Weg dorthin trotzdem genießt. Wer einen verschachtelten Plot sucht, ist hier falsch. Wer dagegen Lust auf das altbewährte Rezept der Sommer-Romcom hat, ist genau richtig.

Roberts und Clooney: Die alten Hasen haben es immer noch drauf

Reden wir nicht drumherum: Das ist ihr Film. Julia Roberts als Georgia und George Clooney als David spielen sich die Sticheleien mit einer so natürlichen Leichtigkeit zu, dass man fast vergisst, wie dünn die Vorlage eigentlich ist. Ihr Zusammenspiel kommt nicht aus dem Nichts, man hat die beiden schon in den Ocean's-Filmen gemeinsam gesehen, und man spürt, dass sie den Rhythmus des anderen kennen.

Roberts arbeitet mit demselben strahlenden Lächeln, mit dem sie in den Neunzigern die Welt erobert hat, bekommt hier aber eine etwas säuerlichere, bissigere Figur, und sie hat sichtlich Freude daran. Clooney spielt mit seinem gewohnt selbstironischen Charme einen Vater, der selbst weiß, dass er nicht immer der Klügste im Raum ist. Die besten Momente sind die, in denen die beiden Figuren gegeneinander arbeiten und der Film den Schauspielern erlaubt, ein bisschen zu übertreiben. Da muss man wirklich lachen.

Ehrlich gesagt: Würde man einen der beiden austauschen, wäre der Film nur halb so viel wert. Das ist zugleich seine größte Stärke und seine größte Schwäche.

Die jüngere Generation: sympathische Gesichter, wenig Spielraum

Kaitlyn Dever ist als Lily Cotton sympathisch und glaubwürdig, was nicht überrascht. Wer sie in Booksmart gesehen hat, weiß, wie sicher sie sich zwischen Komödie und Drama bewegt. Das Problem: Das Drehbuch nutzt sie eher als Antrieb für die Handlung denn als eigenständige Figur. Lily ist diejenige, für die die Eltern in den Kampf ziehen, ihre eigene Geschichte gerät dabei etwas in den Hintergrund.

Billie Lourd gibt als Wren Butler die lässige, vorlaute beste Freundin und bringt in jede ihrer Szenen eine Portion freche Energie. Maxime Bouttier ist als Gede liebenswert und ausgeglichen, ein gutes Gegengewicht zum Theater der Eltern. Lucas Bravo, vielen aus der Serie Emily in Paris bekannt, ist als Paul eine der witzigsten Nebenfiguren, und es ist schade, dass er nicht mehr Leinwandzeit bekommt. Ergänzt wird die Besetzung von Cintya Dharmayanti (Losi) und Geneviève Lemon (Beth-Ann).

Insgesamt ist das Ensemble gar nicht schlecht, nur steht eben jeder im Schatten der beiden großen Namen. Das ist natürlich kein Zufall: Wer für diesen Film ein Ticket löst, will in erster Linie Roberts und Clooney sehen.

Ol Parker und die Kunst des sonnigen Kinos

Regisseur Ol Parker ist im Genre kein Unbekannter: Er hat auch die Fortsetzung Mamma Mia! Here We Go Again inszeniert, und das merkt man. Parker versteht es, einen Film so zu fotografieren, dass man im Kinosessel die Wärme, die salzige Luft und diese Urlaubsleichtigkeit spürt, die man im Alltag so vermisst.

Visuell ist Ticket ins Paradies ausgesprochen angenehm. Die Bilder leuchten, die Schauplätze sind verführerisch, und es steckt etwas sehr Bewusstes darin, wie der Film die Fantasie vom Ausbrechen verkauft. Dieses Kino ist halb Tourismuswerbung, halb Romcom, und Parker schämt sich kein bisschen dafür. Ich würde es ihm auch nicht ankreiden.

Wo er allerdings danebengreift, ist das Tempo. 104 Minuten sind nicht lang, trotzdem hängt der Mittelteil etwas durch, wenn sich die Sabotageaktionen der Eltern zu wiederholen beginnen. Mit einem strafferen Schnitt hätte der Film noch mehr Schwung haben können.

Wo holpert der Weg ins Paradies?

Das größte Problem ist die Vorhersehbarkeit. Jeder Wendepunkt wirkt, als hätte man ihn aus einem Romcom-Handbuch abgeschrieben. Das allein ist keine Sünde, das Genre lebt ja vom Vertrauten, aber irgendwann fehlt ein wenig Risiko, ein unerwarteter Zug, eine Szene, die aus der Schablone fällt.

Auch die dramatischen Ebenen bleiben ziemlich an der Oberfläche. Scheidung, alte Wunden und elterliche Ängste wären durchaus ernste Themen, der Film streift sie aber nur kurz und flüchtet sich dann schnell zurück zu den Pointen. Bei einer leichten Komödie mag das in Ordnung sein, trotzdem hatte ich zwischendurch das Gefühl, dass mehr drin gewesen wäre.

Die Rückkehr der Romcom alter Schule

Dieser Film hat einen Wert, den man nicht in Punkten messen kann. Eine Zeit lang waren große, starbesetzte romantische Komödien für Erwachsene fast aus den Kinos verschwunden, und Ticket ins Paradies wirkt wie eine nostalgische Rückkehr zu diesem Genre. Schon der Name Julia Roberts reicht, um an die Zeit von Die Hochzeit meines besten Freundes oder Pretty Woman zu denken, und der Film spielt ganz bewusst mit dieser Erinnerung.

Er will nicht klüger sein als sein Publikum und keinen tiefgründigen Gesellschaftskommentar liefern. Er sagt einfach: Hier sind zwei Menschen, die du magst, setz dich hin, lach und vergiss deine Sorgen für eine Weile. In einer Zeit, in der Superhelden und Franchises die Kinos beherrschen, wirkt diese Bescheidenheit beinahe erfrischend.

Für wen ist der Film?

Wenn er dir gefällt, schau auch: Mamma Mia! Here We Go Again (2018), Die Hochzeit meines besten Freundes (1997), Vater der Braut (1991), Ocean's Eleven (2001), Schlaflos in Seattle (1993)

Häufige Fragen

Worum geht es in Ticket ins Paradies?

David und Georgia sind längst geschieden, müssen sich aber verbünden, um die Hochzeit ihrer frisch verliebten Tochter Lily zu verhindern, weil sie glauben, dass sie denselben Fehler macht wie sie damals.

Wann ist Ticket ins Paradies in Deutschland gestartet?

Der Film lief am 15. September 2022 in den deutschen Kinos an.

Wie lang ist Ticket ins Paradies?

Der Film hat eine Laufzeit von 104 Minuten.

Wer spielt mit und wer führte Regie?

Die Hauptrollen spielen Julia Roberts (Georgia Cotton) und George Clooney (David Cotton), daneben sind Kaitlyn Dever, Billie Lourd, Maxime Bouttier und Lucas Bravo zu sehen. Regie führte Ol Parker.

Wie lautet der Originaltitel des Films?

Der Originaltitel der US-britischen Produktion lautet Ticket to Paradise.

Lohnt sich der Ausflug ins Paradies?

Ja, wenn man weiß, worauf man sich einlässt. Ticket ins Paradies wird dein Leben nicht verändern, und an die Details erinnerst du dich in ein paar Wochen vermutlich kaum noch. Wohl aber daran, dass du eine gute Zeit hattest. Julia Roberts und George Clooney tragen den Film mit so selbstbewusster Lässigkeit, dass die Schwächen in der Sonne fast dahinschmelzen.

Vorhersehbar? Ja. Oberflächlich? Manchmal. Aber herzlich, unterhaltsam und schön anzusehen, und an manchen Abenden braucht man genau das. Mit einem Glas Wein am Ende einer anstrengenden Woche findet man kaum bessere Gesellschaft. Ich würde mit den beiden jedenfalls gern noch eine Runde drehen.

Wertung: 6,5/10 · Story 5 · Schauspiel 8 · Regie 6 · Optik 8 · Musik und Ton 6 · Emotionen 6