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Kritik · Kinostart: 1.12.2022

Violent Night Kritik: David Harbours Weihnachtsmann bringt keine Geschenke, sondern den Vorschlaghammer

Kanadische FilmeAmerikanische FilmeActionfilmeKomödienWeihnachtsfilme

Es gibt Weihnachtsfilme, die man mit der Familie auf dem Sofa schaut, und es gibt Violent Night, bei dem man das lieber lässt. Tommy Wirkola hat sich den Weihnachtsmann geschnappt, ihm einen richtig miesen Tag verpasst, eine Söldnertruppe vor die Nase gesetzt und ihm das Gesicht von David Harbour gegeben. Dann durfte der Heilige Abend in Blut versinken. Das Ergebnis ist weder subtil noch klug, aber verdammt unterhaltsam.

6,7/10
Wertung
Frecher, blutiger Weihnachts-Actionspaß zum lauten Lachen, der genau das liefert, was der Titel verspricht. Nicht mehr und nicht weniger.
Story
6
Schauspiel
8
Regie
7
Optik
7
Musik und Ton
6
Emotionen
6

Die Gesamtwertung ist der Durchschnitt der sechs Kriterien.

Filmdaten

Kinostart in Deutschland1.12.2022
RegieTommy Wirkola
BesetzungDavid Harbour, John Leguizamo, Beverly D'Angelo, Alex Hassell, Alexis Louder, Edi Patterson
GenreActionfilme, Komödien
Laufzeit112 Min.
FSK16
LandKanadische Filme, Amerikanische Filme

Worum geht es? Einbrecher unterm Tannenbaum

Die Ausgangslage ist simpel, und genau darin liegt ihre Stärke. An Heiligabend dringt eine Söldnertruppe in das Anwesen einer reichen Familie ein und nimmt alle als Geiseln. Klingt nach einem durchdachten Plan: Profis, Waffen, eingeschüchterte Millionäre. Nur auf eine Sache ist die Bande nicht vorbereitet. Der Weihnachtsmann ist gerade vor Ort.

Und dieser Santa ist nicht der rotbackige, Kekse mampfende Opa aus der Werbung. Der Film verspricht ganz unverblümt, dass hinter diesem Namen kein Heiliger steckt. Mehr muss man über die Handlung nicht wissen, und ehrlich gesagt will der Film auch gar nicht viel komplizierter sein. Hier hängt das Vergnügen nicht an Wendungen. Die eigentliche Frage lautet: wie genau, und wie viele Teile der Festtagsdeko werden unterwegs zur Waffe?

Ganz neu ist die Idee natürlich nicht. Wer Stirb langsam gesehen hat, erkennt das Gerüst sofort: ein abgeschlossener Schauplatz, Geiseln, ein einsamer, ramponierter Held, der sich die Bösewichte einen nach dem anderen vorknöpft. Der Unterschied: Dieser einsame Held trägt Rauschebart und roten Mantel und führt eine Liste darüber, wer dieses Jahr unartig war.

David Harbour, der perfekte Weihnachtsmuffel

Wenn es einen einzigen Grund gibt, Violent Night zu schauen, dann heißt er David Harbour. Spätestens seit Sheriff Hopper in Stranger Things wissen wir, wie gut ihm müde, grummelige Typen mit weichem Kern stehen, und hier treibt er diese Figur auf die Spitze. Sein Weihnachtsmann ist ausgebrannt, zynisch und sichtlich unmotiviert. Doch wenn es darauf ankommt, liegt ihm der Hammer genauso selbstverständlich in der Hand wie der Geschenkesack.

Harbours größte Leistung: Er nimmt den Blödsinn ernst. Er zwinkert nicht ständig in die Kamera und spielt keine Parodie. In den Actionszenen wirkt er glaubhaft wuchtig und gefährlich, in den ruhigeren Momenten steckt erstaunlich viel Menschlichkeit in ihm. Genau deshalb funktioniert der Film. Würde er seiner Figur nicht glauben, würden wir es auch nicht tun.

Der Rest: Scrooge, die Matriarchin und das kleine Mädchen

John Leguizamo spielt den Anführer der Söldner, der den vielsagenden Namen Scrooge trägt. Leguizamo weiß, wie man einen Bösewicht zugleich bedrohlich und ein bisschen lächerlich anlegt, und er kostet das hier genüsslich aus. Ein vielschichtiger Oberschurke ist er nicht, muss er aber auch nicht sein. Seine Aufgabe ist, dass wir uns sehnlichst wünschen, Santa möge ihn erwischen.

An der Spitze der reichen Familie steht Beverly D'Angelo als Gertrude, und schon die Besetzung ist ein netter Seitenhieb: D'Angelo kennt man aus Schöne Bescherung, weihnachtliches Chaos ist für sie also kein Neuland. Die zahlreiche Verwandtschaft geben Alex Hassell (Jason), Alexis Louder (Linda), Edi Patterson (Alva) und Cam Gigandet (Morgan Steel). Sie dienen vor allem als Zielscheibe der Satire: eine reiche Sippe, mit der man nicht unbedingt Mitleid hat, wenn es ungemütlich wird.

Der emotionale Anker des Films ist allerdings Trudy, gespielt von der jungen Leah Brady. Sie bringt das weihnachtliche Herz mit, ohne das Violent Night nur ein langes Blutbad wäre. Der Kontrast zwischen dem Glauben eines Kindes und einem desillusionierten Weihnachtsmann sorgt für den überraschendsten, halb ernst gemeinten Strang des Films.

Tommy Wirkola und das liebevolle Gemetzel

Dass der Norweger Tommy Wirkola dieses Projekt bekommen hat, ist kein Zufall. Nach den Nazi-Zombies aus Dead Snow und Hänsel und Gretel: Hexenjäger wissen wir genau, was sein Lieblingsgenre ist: die Ehe von Blut und Gelächter. Wirkola hat keine Angst davor, dass eine Szene übertrieben oder geschmacklos wirkt. Im Gegenteil, er sucht gezielt den Punkt, an dem man gleichzeitig das Gesicht verzieht und lacht.

Die Actionszenen sind einfallsreich und, das ist entscheidend, verspielt. Die Weihnachtsrequisiten sind nicht nur Kulisse, sondern Werkzeuge, und Wirkola hat sichtlich Spaß daran, jedes vertraute Festtagsmotiv umzudrehen. Arthouse ist das nicht, will es auch gar nicht sein, aber er hat ein gutes Gespür für Rhythmus, und die 112 Minuten Laufzeit ziehen über weite Strecken ordentlich an.

Die Härte ist dabei kein Beiwerk. Der Film meint es ernst mit dem blutigen Teil, mit abgetrennten Gliedmaßen und brutalen Pointen. Wer harmlose Weihnachtsaction erwartet, wird sich wundern.

Wo der Schlitten ins Rutschen gerät

Wie die meisten Genrespielereien dieser Art ist auch Violent Night dort am schwächsten, wo der Film etwas ernst nehmen will. Santas Vorgeschichte und das Familiendrama sind eher zweckmäßig als denkwürdig, und auch die Satire auf die reiche Verwandtschaft ist nicht besonders scharf: Die Figuren bleiben Karikaturen und überraschen selten.

Im Mittelteil gibt es etwas Leerlauf, wenn derselbe Witz mehrfach erzählt wird, und die Schurkentruppe ist ziemlich eindimensional. Außer Leguizamo bleibt kaum ein Gesicht hängen. Musik und Sounddesign erledigen ihren Job, der ironische Einsatz von Weihnachtshits ist witzig, aber nicht revolutionär.

Das sind allerdings Schwächen, die das Zielpublikum locker verzeiht. Violent Night will nicht in den Kanon der Weihnachtsklassiker, sondern der Höhepunkt eines Dezemberabends mit Kumpels und Bier sein. Und das gelingt ihm richtig gut.

Für wen ist der Film?

Wenn er dir gefällt, schau auch: Stirb langsam (1988), Bad Santa (2003), Dead Snow (2009), Mr. & Mrs. Smith (2005), Nobody (2021)

Häufige Fragen

Wann ist Violent Night in Deutschland gestartet?

Violent Night kam am 1. Dezember 2022 in die deutschen Kinos.

Worum geht es in Violent Night?

An Heiligabend dringt eine Söldnertruppe in das Haus einer reichen Familie ein und nimmt alle als Geiseln. Womit sie nicht rechnen: Der Weihnachtsmann ist ebenfalls vor Ort und greift auf alles andere als heilige Weise ein.

Wie lang ist Violent Night?

Der Film läuft 112 Minuten.

Kann man Violent Night mit Kindern schauen?

Nein. Der Film richtet sich klar an Erwachsene und enthält viel brutale, blutige Gewalt.

Wer spielt den Weihnachtsmann in Violent Night?

Den Weihnachtsmann spielt David Harbour, den Söldneranführer Scrooge John Leguizamo.

Wer hat Violent Night inszeniert?

Regie führte der Norweger Tommy Wirkola. Es handelt sich um eine kanadisch-amerikanische Produktion.

Gehört Violent Night auf deinen Weihnachtswunschzettel?

Wenn deinem Filmmarathon im Dezember noch etwas Blut, eine Portion Frechheit und ein David Harbour fehlen, der den Hammer schwingt, als hätte er sein Leben lang dafür trainiert: dann ja, unbedingt. Violent Night ist nicht klug, nicht tiefgründig und will es auch gar nicht sein. Aber der Film steht mutig zu seinem eigenen Wahnsinn, und das ist heute mehr wert als so mancher vorsichtige, lauwarme Festtagsfilm. Für Erwachsene, mit Freunden, einen Becher Glühwein in der Hand: Schöner kann man an Weihnachten kaum unartig sein. Nur die Kinder sollten vorher im Bett liegen.

Wertung: 6,7/10 · Story 6 · Schauspiel 8 · Regie 7 · Optik 7 · Musik und Ton 6 · Emotionen 6