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Vorab-Kritik · Im Kino ab 19.11.2026

Wiener Blues (The Loneliest Man in Town) Vorab-Kritik: Blues in einem Wiener Abrisshaus

Österreichische FilmeBiografische FilmeMusikfilme

Es gibt eine Einsamkeit, die nicht weint, sondern leise eine Schallplatte auflegt. Genau davon erzählt Wiener Blues: von einem alten Bluesmusiker, der als Letzter an einem todgeweihten Wiener Mietshaus festhält. Am 19. November kommt der Film in die deutschen Kinos, und ich gebe es gleich zu: Bei meiner Schwäche für leise Filme im menschlichen Maßstab freue ich mich schon jetzt sehr darauf.

7,8/10
Erwartete Wertung
Auf dem Papier ist alles da für einen kleinen, aber tief treffenden, melancholischen Film über Trauer und die Chance auf einen Neuanfang. Hoffentlich verliert er sich nicht in seiner eigenen Stille.
Story
7
Schauspiel
8
Regie
8
Optik
7
Musik und Ton
9
Emotionen
8

Die Gesamtwertung ist der Durchschnitt der sechs Kriterien.

Wiener Blues – The Loneliest Man in Town: Trailer

Filmdaten

OriginalThe Loneliest Man in Town
Kinostart in Deutschland19.11.2026
RegieTizza Covi, Rainer Frimmel
BesetzungAlfred Blechinger, Al Cook, Brigitte Meduna
GenreBiografische Filme
Laufzeit86 Min.
FSK6
LandÖsterreichische Filme

Ein Mann, ein Haus, ein Stapel Platten: Worum geht es?

Die Ausgangslage ist schlicht, und gerade darin liegt ihre Kraft. Der Bluesmusiker Al Cook lebt als letzter Mieter in einem Wiener Zinshaus, das abgerissen werden soll, umgeben von alten Erinnerungen und Vinylplatten. Draußen dreht sich die Welt in ihrem eigenen Tempo weiter, drinnen scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Dann taucht ein Immobilienentwickler auf, der das Gebäude abreißen lassen will, und Als einziger Rückzugsort ist plötzlich in Gefahr.

Hier beginnt der eigentliche Einsatz des Films, und der heißt nicht Haus, sondern Mensch. Al muss sich dem Ende einer Ära stellen, der Trauer um seine verstorbene Frau Silvia und, vielleicht am schwersten, einem möglichen Neuanfang. Was dieser Neuanfang bedeutet und wohin er führt, verrät die offizielle Inhaltsangabe nicht, und das ist auch gut so. Das ist eine Geschichte, die man sich nicht wegen ihrer Wendungen ansieht, sondern um eine Weile mit dem Helden im halbdunklen Zimmer zu sitzen.

Die Laufzeit von 86 Minuten sagt übrigens einiges. Hier erwartet uns kein ausgewalztes, zweistündiges Trauerdrama, sondern ein knappes, dichtes Kammerspiel. Eine gute Nachricht, denn solche Themen ermüden meist an zu viel Text.

Al Cook spielt Al Cook

Schon die Besetzung spricht Bände. Der Hauptdarsteller heißt Al Cook, und die Figur ist ein Bluesmusiker namens Al Cook. Eine solche Überschneidung von realer Person und Filmfigur zeigt meist, dass ein Film sehr nah an die Wirklichkeit herangeht, und die Einordnung als biografischer Film weist in dieselbe Richtung. Wie viel davon Realität und wie viel Fiktion ist, wird sich nach dem Start zeigen, aber schon diese Konstellation ist spannend.

Daneben stehen Alfred Blechinger und Brigitte Meduna auf der Besetzungsliste. Das sind keine Namen, für die man sich im Multiplex in die Schlange stellt, und das finde ich überhaupt nicht schlimm. In solchen Filmen ist die Glaubwürdigkeit der Gesichter mehr wert als jeder Starname. Wenn sich in das Gesicht eines alten Musikers dreißig Jahre verrauchter Kneipen und verlorener Liebe eingegraben haben, lässt sich das weder mit Maske noch mit Method Acting ersetzen.

Für mich ist das das größte Versprechen des Films: dass hier kein Schauspieler einen einsamen Bluesman spielt, sondern die Kamera ihn einfach zeigt.

Tizza Covi und Rainer Frimmel: ein Duo auf der Grenze zur Wirklichkeit

Regie führten Tizza Covi und Rainer Frimmel, die seit langem als Duo arbeiten und dem Festivalpublikum bestens bekannt sind. Ihr Stil lebt davon, die Grenze zwischen Dokumentar- und Spielfilm verschwimmen zu lassen: Oft drehen sie mit Menschen, die eine Version ihres eigenen Lebens auf die Leinwand bringen. Man muss nur an La Pivellina oder den vor ein paar Jahren erschienenen Vera denken, um zu ahnen, was uns erwartet.

Diese Methode passt hervorragend zum Thema. Ein Abrisshaus, ein alter Musiker und die Trauer: Das ist Material, das schnell in den Kitsch kippen könnte, wenn man es mit großem Musikteppich und tränenreichen Monologen verkaufen wollte. Nach allem, was Covi und Frimmel bisher gemacht haben, dürften sie eher auf Beobachtung, Geduld und leisen Humor setzen. Ich würde jedenfalls darauf wetten.

Dass es sich um einen österreichischen Film handelt, sagt ebenfalls viel. Das österreichische Kino ist nicht gerade für gemütliche Auflösungen bekannt, und Wien zeigt sich in diesen Filmen regelmäßig von seiner weniger touristenfreundlichen Seite. Ich bin gespannt, wie sehr die Stadt hier Kulisse und wie sehr sie Mitspielerin sein wird.

Warum klingt das so gut?

Ehrlich gesagt: Schon beim Lesen der Inhaltsangabe lief in meinem Kopf ein langsamer Zwölftakter. Und genau darin liegt wohl die Geheimwaffe des Films, in der Musik. Ein Film über einen Bluesmusiker, der zwischen Vinylplatten lebt, kommt ohne starke Klangwelt nicht aus, deshalb traue ich der Musik schon im Voraus so viel zu.

Wo könnte es schiefgehen?

Wo so viel versprochen wird, ist auch das Risiko real. Solche kleinen, figurengetriebenen Filme haben zwei typische Fallen. Die erste: Stille und Langsamkeit werden zum Selbstzweck, und irgendwann fühlt man nicht mehr mit dem Helden, sondern schaut auf die Uhr. Die zweite: Der Konflikt bleibt zu schematisch, böser Investor gegen sensible Künstlerseele. Das haben wir oft genug gesehen, und es funktioniert nur, wenn der Film differenzierter ist.

Das dritte Fragezeichen ist das Publikum. Das ist kein Film für die Freitagabend-Clique mit Popcorn, und wer mit falschen Erwartungen hineingeht, wird enttäuscht sein. Der Film will nicht laut sein, und wer Action, Twists oder einen klassischen Dramabogen erwartet, wird ihn leicht langweilig finden.

Trotzdem bin ich zuversichtlich, denn nach der bisherigen Laufbahn des Duos ist eher zu wenig als zu viel das Problem. Und das ist in meinen Augen die verzeihlichere Sünde.

Für wen ist der Film?

Wenn er dir gefällt, schau auch: Inside Llewyn Davis (2013), Perfect Days (2023), Oben (2009), Umberto D. (1952), Vera (2022)

Häufige Fragen

Wann startet Wiener Blues in Deutschland?

Der Film startet am 19. November 2026 in den deutschen Kinos.

Worum geht es in Wiener Blues?

Der Bluesmusiker Al Cook lebt als letzter Mieter in einem Wiener Zinshaus, das abgerissen werden soll. Als ein Immobilienentwickler den Abriss betreibt, muss er sich dem Ende einer Ära, der Trauer um seine verstorbene Frau Silvia und einem möglichen Neuanfang stellen.

Wie lang ist der Film?

Wiener Blues hat eine Laufzeit von 86 Minuten.

Wer hat den Film inszeniert?

Regie führten Tizza Covi und Rainer Frimmel.

Aus welchem Land stammt der Film?

Wiener Blues ist ein österreichischer Film.

Würdest du dich mit einem Bluesman in ein leeres Mietshaus setzen?

Ich auf jeden Fall. Wiener Blues ist ein Film, der nicht von Plakatwänden schreien und keine Kassencharts anführen wird, aber gut einer der menschlichsten Kinofilme des Jahres werden könnte. Ein alter Musiker, ein sterbendes Haus, die Erinnerung an eine verlorene Frau und ein schwacher Hoffnungsschimmer: Das reicht für einen großen Treffer, wenn die Regie den richtigen Ton findet. Nach den bisherigen Arbeiten von Covi und Frimmel stehen die Chancen dafür sehr gut. Im November, wenn es ohnehin früh dunkel wird, kann man sich kaum ein besseres Kinoprogramm wünschen. Meine erwartete Wertung: 8/10, und ich hoffe ehrlich, dass ich sie nach dem Start nicht nach unten korrigieren muss.

Erwartete Wertung: 7,8/10 · Story 7 · Schauspiel 8 · Regie 8 · Optik 7 · Musik und Ton 9 · Emotionen 8