Blitz Kritik: Jason Statham jagt einen Polizistenmörder durch Londons finsterste Straßen
Jason Statham ist diesmal weder Fahrer noch Auftragskiller, sondern ein Londoner Bulle, gegen den ein Disziplinarverfahren läuft und dem Vorschriften herzlich egal sind. Blitz ist ein roher, schmutziger, stellenweise richtig brutaler Krimi über einen Irren, der Polizisten umbringt. Revolutionär ist der Film nicht, aber er weiß genau, was er will: ordentlich zuschlagen.
Ein harter, schnörkelloser britischer Cop-Thriller, der von Stathams Charisma und einem überraschend starken Ensemble getragen wird, auch wenn das Drehbuch ab und zu ins Stolpern gerät.
Filmdaten
| Kinostart in Deutschland | 4.10.2011 |
|---|---|
| Regie | Elliott Lester |
| Besetzung | Jason Statham, Paddy Considine, Aidan Gillen, Zawe Ashton, Luke Evans, David Morrissey |
| Genre | Krimis, Actionfilme, Thriller |
| Laufzeit | 97 Min. |
| FSK | 18 |
| Land | Französische Filme, Britische Filme, Amerikanische Filme |
Worum geht es in Blitz, ohne Spoiler?
Um das Revier im Südosten Londons steht es, vorsichtig formuliert, nicht zum Besten. Gegen den besten Ermittler, Tom Brant, läuft ein Verfahren, weil er einen Psychiater angegriffen hat. Die Frau des Revierleiters ist vor Kurzem bei einem furchtbaren Autounfall ums Leben gekommen. Und Elizabeth Falls, schwarze Kollegin in der Abteilung, kämpft ständig mit dem Gefühl, wegen ihres Geschlechts und ihrer Hautfarbe nie ganz dazuzugehören.
In diese ohnehin angeschlagene Truppe platzt ein Serienkiller, den die Presse nur Blitz nennt. Und der sucht sich seine Opfer gezielt aus: Er tötet ausschließlich Polizisten, und zwar, um berühmt zu werden. Ab da wird alles nur schlimmer, und die Cops, die eh schon am Boden liegen, müssen gleichzeitig gegen ihre eigenen Dämonen und gegen einen Mörder kämpfen, der von Aufmerksamkeit lebt.
Mehr muss man vorab nicht wissen. Die Stärke des Films liegt nicht in einem großen Rätsel, sondern in Atmosphäre und Figuren. Den Rest entdeckt man besser selbst.
Statham, der Cop ohne Manieren
Jason Stathams Karriere begann mit Bube, Dame, König, grAS und Snatch, danach kamen The Transporter und Crank, und damit war die Schublade zu: der kahlköpfige harte Kerl, der erst zuschlägt und dann fragt. Blitz ändert an diesem Bild nichts Grundlegendes, gibt ihm aber eine interessante Note. Tom Brant ist Polizist, steht also eigentlich auf der Seite des Gesetzes, ist dabei aber genauso gewalttätig wie die Leute, die er jagt.
Statham bewegt sich hier endlich in englischem Umfeld, mit englischem Akzent, und man merkt, dass er sich zu Hause fühlt. Er bringt einen trockenen, grantigen Humor mit, der ihm gut steht. Dramatischen Tiefgang sollte niemand erwarten, aber die Wut der Figur nimmt man ihm ab. Er ist der Motor des Films, und solange er im Bild ist, funktioniert Blitz.
Die Nebendarsteller, die ihm die Show stehlen
Wenn es einen echten Grund gibt, Blitz anzuschauen, dann ist es die Besetzung. Paddy Considine spielt Porter Nash, und wer ihn in Dead Man's Shoes gesehen hat, weiß, wie intensiv dieser Schauspieler sein kann. Seine ruhige, nach innen gekehrte Präsenz ist ein wunderbarer Gegenpol zu Stathams Lautstärke, und das Zusammenspiel der beiden gehört zum Besten am ganzen Film.
Aidan Gillen, den die meisten als Kleinfinger aus Game of Thrones kennen, taucht als Barry Weiss auf, und Zawe Ashton bekommt mit Elizabeth Falls eine der spannendsten und verletzlichsten Figuren des Films. Außerdem dabei: Luke Evans (Craig Stokes), David Morrissey (Dunlop), Ron Donachie (Sergeant Cross) und Joe Dempsie (Theo Nelson). Um so ein britisches Ensemble würde manche deutlich teurere Produktion den Film beneiden.
Das Problem: Nicht alle bekommen genug Raum. Einige Handlungsstränge reißen genau dann ab, wenn sie gerade interessant werden.
Elliott Lesters Regie: dreckiges London, wenig Glanz
Regie führte Elliott Lester, und seine beste Entscheidung ist, London gar nicht erst aufzuhübschen. Das hier ist nicht die Stadt der Postkarten: graue Wohnblöcke, nasse Straßen, ein heruntergekommenes Revier, in dem alle müde und gereizt sind. Die Stimmung ist düster, karg, mitunter regelrecht bedrückend, und genau das passt zu einem Krimi über einen Polizistenmörder.
Die 97 Minuten sind straff erzählt, ohne überflüssigen Leerlauf. Allerdings spürt man immer wieder, dass der Film zwischen zwei Genres schwankt. Einerseits will er ein Charakterdrama über kaputte Cops sein, andererseits klassische Statham-Action. Beides greift nicht immer sauber ineinander, und der Ton kippt manchmal holprig zwischen bitterernst und fast comichaft.
Wo gerät Blitz ins Rutschen?
Die größte Schwäche ist das Drehbuch. Das Motiv des Mörders, die Jagd nach Ruhm, ist eine starke Grundidee, aus der sich etwas Bissiges über Medien und Promikult machen ließe. Der Film bleibt aber lieber an der Oberfläche. Die Traumata hinter den Figuren werden angedeutet und dann oft nicht weiterverfolgt.
Wer schon viele Serienkiller-Thriller gesehen hat, dem wird das Katz-und-Maus-Schema außerdem bekannt vorkommen. Die raffinierte, verkopfte Spannung, die die Spitzenwerke des Genres bieten, fehlt hier. Blitz ist eher schlagkräftig als schlau, und das sollte man vorher wissen.
- Was funktioniert: das Duo Statham und Considine, die raue Londoner Atmosphäre, das straffe Tempo.
- Was weniger funktioniert: grob skizzierte Nebenstränge, schwankender Ton, ein verschenktes Mordmotiv.
Für wen ist der Film?
- Für dich, wenn: Für Statham-Fans, Liebhaber roher britischer Krimis und alle, die an einem verregneten Abend Lust auf einen straffen, harten Cop-Film haben.
- Lieber auslassen, wenn: Wer einen raffinierten, psychologisch tiefgründigen Serienkiller-Thriller erwartet oder mit drastischer Gewalt und düsterer Stimmung nichts anfangen kann, sucht sich besser etwas anderes.
Wenn er dir gefällt, schau auch: Sieben (1995), Harry Brown (2009), The Bank Job (2008), Zodiac (2007), The Mechanic (2011)
Häufige Fragen
Wann kam Blitz in Deutschland heraus?
Blitz erschien in Deutschland am 4. Oktober 2011.
Worum geht es in Blitz?
Die angeschlagene Truppe eines Londoner Polizeireviers muss einen Serienkiller fassen, den die Presse Blitz nennt und der ausschließlich Polizisten tötet, um berühmt zu werden.
Wie lang ist Blitz?
Der Film dauert 97 Minuten.
Wer hat bei Blitz Regie geführt?
Regie führte Elliott Lester.
Wer spielt in Blitz mit?
Jason Statham (Tom Brant), Paddy Considine (Porter Nash), Aidan Gillen (Barry Weiss), Zawe Ashton (Elizabeth Falls), Luke Evans (Craig Stokes), David Morrissey (Dunlop), Ron Donachie (Sergeant Cross) und Joe Dempsie (Theo Nelson).
Aus welchen Ländern stammt Blitz?
Der Film ist eine französisch-britisch-amerikanische Koproduktion.
Lohnt sich Stathams dreckigster Cop-Film?
Ja, wenn man weiß, worauf man sich einlässt. Blitz ist kein Meisterwerk des Genres und will auch keins sein. Es ist ein harter, düsterer britischer Krimi von 97 Minuten, der mit einem starken Ensemble und einer guten Grundidee arbeitet, auch wenn das Drehbuch nicht das Maximum herausholt. Statham liefert ab, und Considine stiehlt ihm ganz leise die Szenen. Für einen verregneten Abend mit einem Bier in der Hand bekommt man genau das, was versprochen wird: Londoner Finsternis und jede Menge gut gezielte Schläge.
