Die nackte Kanone Kritik: Frank Drebin, die selbstsicherste Katastrophe der Welt
Es gibt Komödien, die schaut man nicht, die übersteht man, weil man vor Lachen schlicht keine Luft mehr bekommt. Die nackte Kanone ist genau so eine: 81 Minuten geballter Blödsinn, vorgetragen mit tödlichem Ernst. Hier wurde Leslie Nielsen endgültig zum König der Parodie, und diesen Thron hat ihm seither niemand streitig gemacht.
Einer der Höhepunkte des Parodiefilms, mit einer Gagdichte, die man kaum mitverfolgen kann, und einem Leslie Nielsen, der mit regungsloser Miene aus allem Wahnsinn macht.
Filmdaten
| Original | The Naked Gun: From the Files of Police Squad! |
|---|---|
| Kinostart in Deutschland | 27.4.1989 |
| Regie | David Zucker |
| Besetzung | Leslie Nielsen, Priscilla Presley, Ricardo Montalban, George Kennedy, O. J. Simpson, Susan Beaubian |
| Genre | Komödien, Krimis |
| Laufzeit | 81 Min. |
| FSK | 12 |
| Land | Amerikanische Filme |
Wo kann man Die nackte Kanone streamen?
| Im Abo | |
|---|---|
| Leihen | |
| Kaufen |
Ein Attentat auf die Queen und ein Polizist mit zwei linken Händen
Auf dem Papier ist die Geschichte das Gerüst eines klassischen Krimis: Frank Drebin, der unbestechliche Cop mit dem Kinn aus Granit, will ein Attentat auf die britische Königin verhindern. Das war's. Und ehrlich gesagt? Mehr braucht es auch nicht. Die Handlung ist hier nur ein Kleiderständer, an den die Macher ihre Gags hängen, und davon gibt es reichlich.
In dem Fall tauchen ein durchlöcherter, ansonsten aber erstaunlich gut aussehender Agent auf, eine blonde Sexbombe, zwei Baseballteams und so viele schräge Gestalten, dass man irgendwann gar nicht mehr mitzählt. Drebins eigentliche Gegner sind allerdings nicht die Verbrecher. Seine wahren Feinde sind seine eigenen zwei Hände, die die Ereignisse bei jeder Gelegenheit in die absurdeste Richtung lenken.
Wer hier wendungsreiche Ermittlungen erwartet, ist falsch. Wer dagegen sehen will, wie sämtliche Klischees des Polizeikrimis in ihre Einzelteile zerlegt und anschließend falsch wieder zusammengesetzt werden, hat sein Paradies gefunden.
Leslie Nielsen, der Mann, der nie über die eigenen Witze lacht
Das Geheimnis des Films hat einen Namen: Leslie Nielsen. Sein Frank Drebin funktioniert, weil Nielsen dem Publikum nie, nicht einen einzigen Moment lang zuzwinkert. Er spielt selbst die absurdesten Szenen so, als stünde er in einem bitterernsten Polizeidrama vor der Kamera. Dieses Pokerface gehört zu den stärksten Waffen der Komödie, und Nielsen beherrscht sie meisterhaft.
Nielsen war lange Zeit in ernsten Rollen zu sehen, und genau dieser Hintergrund macht den Reiz aus: Er strahlt eine Autorität aus, die es umso komischer macht, wenn er in einer Szene das totale Chaos anrichtet. Drebin ist selbstbewusst, hart und vollkommen unfähig, und diese Mischung ist schlicht unwiderstehlich.
An seiner Seite ist Priscilla Presley als Jane Spencer eine überraschend gute Partnerin, weil auch sie das Lächerliche ernst nimmt. Die Romanze der beiden gehört zu den witzigsten Strängen des Films. George Kennedy gibt als Ed Hocken den unerschütterlichen Kollegen, und Ricardo Montalban liefert als Vincent Ludwig einen eleganten, kühlen Schurken, der sich genau so ernst nimmt, wie es nötig ist. Unter den Nebenfiguren findet sich außerdem O. J. Simpson als Nordberg, dessen Rolle im Film vor allem eine wandelnde Pannenserie ist.
David Zucker und das Gag-Maschinengewehr
Bei David Zucker geht es nicht um Schauwerte, sondern um Timing und Dichte. Das ist eine dieser Komödien, in denen auch im Hintergrund etwas passiert, selbst Schilder und Einblendungen einen Witz enthalten, und wenn ein Gag nicht zündet, kommt drei Sekunden später der nächste. Der Kern von Zuckers Stil: Er lässt dem Publikum keine Verschnaufpause, und das funktioniert hier perfekt.
An dieser Stelle lohnt es sich, kurz innezuhalten, denn diese Art von Humor kann sehr schnell verflachen. Die nackte Kanone hat aber Disziplin: Wortspiele, visuelle Gags und wörtlich genommene Redewendungen greifen ineinander wie in einem gut geölten Getriebe. Und die Laufzeit von 81 Minuten ist ein Segen, denn der Film endet genau dann, wenn man noch nicht müde geworden ist.
Was zündet heute noch?
Erstaunlich viel. Der Humor von Die nackte Kanone lebt größtenteils nicht von zeitgebundenen Popkultur-Anspielungen, sondern von Genreklischees, sprachlichen Missverständnissen und Slapstick. Und das altert nicht. Ein Cop, der selbst die einfachste Sache mit voller Überzeugung vermasselt, ist heute genauso komisch wie damals.
- Die Gagdichte: Auch beim wiederholten Anschauen entdeckt man noch Dinge, die einem vorher entgangen sind.
- Der Ernst: Niemand spielt Komödie, alle spielen Krimi, und genau das macht es genial.
- Das Tempo: kein Leerlauf, keine überflüssige Szene.
- Die Romanzen-Parodie: Die Beziehung zwischen Drebin und Jane nimmt sämtlichen Kitsch des Liebesfilms aufs Korn.
Wo die Kanone ins Wackeln gerät
Seien wir ehrlich: Das ist kein Humor für jeden. Wer feinere, aus den Figuren heraus entwickelte Komödien mag, dem wird Die nackte Kanone irgendwann zu laut und zu aufdringlich. Die Geschichte ist bewusst dünn, und wenn einen die Gags nicht packen, bleibt nichts übrig, was einen hält.
Manche Gags wirken heute etwas fremder, und es gibt Momente, in denen der Humor eher an seine Entstehungszeit gebunden ist. Optisch wird einen der Film ebenfalls nicht umhauen, er ist zweckmäßig inszeniert, die Bildsprache steht nicht im Mittelpunkt. Aber das sind kleine Schönheitsfehler bei einem Werk, das genau das liefert, was es verspricht.
Wenn ich einen Tipp geben darf: Am besten in Gesellschaft schauen. Gemeinsames Lachen macht diesen Film noch besser, weil immer jemand einen Gag bemerkt, den man selbst verpasst hat.
Für wen ist der Film?
- Für dich, wenn: Für alle, die absurde, rasante Parodien, Wortspiele und mit unbewegter Miene vorgetragenen Blödsinn lieben. Für Komödienfans absolute Pflicht.
- Lieber auslassen, wenn: Für alle, die einen ernsten Krimi, eine ausgefeilte Geschichte oder leisen, feinen Humor suchen. Wer Dauerbeschuss mit Gags nicht verträgt, ist schnell erschöpft.
Wenn er dir gefällt, schau auch: Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug (1980), Die nackte Kanone 2½ (1991), Die nackte Kanone 33⅓ (1994), Hot Shots! (1991), Top Secret! (1984)
Häufige Fragen
Wann lief Die nackte Kanone in den deutschen Kinos an?
Der Film startete am 27. April 1989 in Deutschland.
Worum geht es in Die nackte Kanone?
Frank Drebin, ein tollpatschiger, aber unbestechlicher Cop, versucht ein Attentat auf die britische Königin zu verhindern und gerät dabei in immer absurdere Situationen.
Wie lang ist Die nackte Kanone?
Der Film dauert 81 Minuten.
Wer hat Die nackte Kanone inszeniert?
Regie führte David Zucker.
Wer spielt Frank Drebin?
Frank Drebin wird von Leslie Nielsen gespielt, als Jane Spencer ist Priscilla Presley zu sehen.
Zündet Die nackte Kanone nach all den Jahren noch?
Ja, und zwar gewaltig. Die nackte Kanone ist einer der Grundpfeiler des Parodiefilms und zeigt bis heute, wie man eine Komödie in gnadenlosem Tempo und mit tödlichem Ernst serviert. Leslie Nielsens Auftritt ist reif fürs Lehrbuch, David Zuckers Regie sitzt auf die Sekunde. Perfekt ist der Film nicht, will er aber auch gar nicht sein: Er ist eine 81 Minuten lange Lachmaschine, die man jederzeit wieder hervorholen kann. Wer ihn noch nicht kennt, sollte das nachholen, und wer ihn kennt, sollte ihn noch einmal schauen. Einen neuen Gag findet man garantiert.
