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Kritik · Kinostart: 9.12.2004

Die Unglaublichen Kritik: Der Superheldenfilm, der das Genre verstanden hat, bevor das Genre sich selbst verstand

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Es gibt diesen Moment, in dem ein ehemaliger Superheld auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums merkt, dass seine Hose nicht mehr nur vor lauter Heldentum spannt. Genau um diesen Moment geht es in Die Unglaublichen: um das Leben nach dem Ruhm, ums Ausbrennen und um die Frage, was man mit seinem Talent anfängt, wenn die Welt es nicht mehr haben will. Und Brad Birds Film schafft das Kunststück, vor Action zu strotzen und dabei schmerzhaft menschlich zu sein.

9,2/10
Wertung
Einer der besten Superheldenfilme, die je gedreht wurden, und ganz nebenbei auch einer der besten Familienfilme.
Story
9
Schauspiel
9
Regie
10
Optik
9
Musik und Ton
9
Emotionen
9

Die Gesamtwertung ist der Durchschnitt der sechs Kriterien.

Die Unglaublichen: Trailer

Filmdaten

OriginalThe Incredibles
Kinostart in Deutschland9.12.2004
RegieBrad Bird
BesetzungCraig T. Nelson, Holly Hunter, Sarah Vowell, Spencer Fox, Jason Lee, Samuel L. Jackson
GenreActionfilme, Abenteuerfilme, Animationsfilme, Familienfilme
Laufzeit115 Min.
FSK6
LandAmerikanische Filme

Worum geht es? Ein Held, dem man den Job verboten hat

Mr. Incredible war einmal genau die Sorte Superheld, die alle geliebt haben. Doch dann wird eine Rettungsaktion wegen eines übereifrigen Fans beinahe zur Katastrophe, die Presse heizt die Stimmung an, und die Regierung greift durch: Superhelden dürfen nicht mehr eingreifen, sie sollen sich gefälligst in die normale Gesellschaft einfügen.

So wird aus Mr. Incredible Bob Parr, der mit seiner ebenfalls superbegabten Frau und den Kindern in einer friedlichen Vorstadt lebt. Sein größter Gegner ist kein genialer Schurke mehr, sondern die Langeweile und das Polster, das sich langsam um seine Hüften legt. Bis sich eines Tages ein mysteriöser Auftraggeber meldet. Bob, so ausgehungert nach Action, dass er fast zittert, macht sich auf den Weg zu einer abgelegenen Insel, für eine streng geheime Mission.

Mehr verrate ich nicht, denn eine der größten Freuden des Films ist es, wie er aus dieser Ausgangslage seine Geschichte entfaltet. Nur so viel: Das Ganze reicht deutlich tiefer, als es beim ersten Hören klingt.

Midlife-Crisis mit Cape

Was Brad Bird hier gelingt, schaffen die meisten Superheldenfilme mit echten Schauspielern bis heute nicht: Er behandelt die Kräfte nicht bloß als Schauwert, sondern als Charakterzug. Bobs Stärke ist rohe Kraft, und genau so ist er auch als Vater: einer, der alles allein schultern will und nicht damit klarkommt, dass er nicht mehr der wichtigste Mensch im Raum ist. Helen alias Elastigirl ist die dehnbare Mutter, die sich buchstäblich in alle Richtungen streckt, um die Familie zusammenzuhalten.

Bei den Kindern funktioniert das genauso. Violet kann sich unsichtbar machen, und eine treffendere Metapher für ein Mädchen in der Pubertät gibt es kaum. Dash, der blitzschnelle Junge, wächst in einer Welt auf, in der er nicht zeigen darf, wie besonders er ist. Genau das ist eine der Kernfragen des Films: Was passiert, wenn eine Gesellschaft das Außergewöhnliche durch Mittelmaß ersetzen will?

Deshalb ist der Film für Erwachsene mindestens so sehr gemacht wie für Kinder. Die Kinder sehen die Superkräfte und die Gags, die Erwachsenen sehen einen Mann, der im Büro langsam erstickt, eine Ehe unter Spannung und eine Familie, die herausfinden muss, wer sie eigentlich ist.

Die Stimmen, die den Figuren Leben einhauchen

Craig T. Nelson ist als Bob Parr die perfekte Wahl: In seiner Stimme stecken zugleich das Selbstbewusstsein des alten Helden und die Resignation des müden Büroangestellten. Holly Hunter ist als Helen das Herz des Films, entschlossen, witzig, und man spürt die ganze Zeit, wie viel auf ihren Schultern lastet.

Sarah Vowell trifft als Violet die verschlossene Teenagerhaltung großartig, und Spencer Fox legt als Dash genau so viel Energie an den Tag, wie ein kaum zu bändigender kleiner Junge braucht. Jason Lee ist als Buddy Pine, also Syndrome, gleichzeitig herrlich nervig und bedrohlich, und das ist keine kleine Leistung.

Und dann ist da noch Samuel L. Jackson als Frozone. Er bekommt weniger Zeit, als man sich wünschen würde, aber jede seiner Szenen sitzt. Elizabeth Peña ist als Mirage rätselhaft und kühl, genau so, wie die Gesandte eines geheimnisvollen Auftraggebers sein muss. Als Stimme des kleinen Jack-Jack steht auch Eli Fucile im Abspann, und obwohl der jüngste Parr nicht gerade für seine Dialoge berühmt ist, muss man ihn einfach mögen.

Brad Bird, der einen Actionfilm drehen wollte und keinen Zeichentrickfilm

Die größte Stärke des Films ist die Regie. Brad Bird behandelt Animation nicht als Medium für Kinder, sondern als Werkzeug, mit dem sich alles zeigen lässt. Der Rhythmus der Actionszenen, die Schnitte, das Gespür für Raum erinnern an einen klassischen Agentenfilm, und das ist kein Zufall: Der ganze Film ist ein Liebesbrief an die Spionagefilme der Sechziger und ihren Retro-Futurismus.

Mit 115 Minuten ist er für einen Animationsfilm ungewöhnlich lang, trotzdem gibt es keinen Leerlauf. Bird lässt den Familienszenen Luft zum Atmen, und der Streit am Abendbrottisch ist mindestens so spannend wie jede Explosion. Dieser Mut, auch den stillen Momenten Raum zu geben, trennt diesen Film von austauschbaren animierten Actionfilmen.

Optik, Musik und Retro-Zauber

Seit 2004 ist viel Wasser den Rhein hinuntergeflossen, die Animationstechnik hat riesige Sprünge gemacht, und doch ist der Film erstaunlich gut gealtert. Das liegt am stilisierten Design: Die Figuren wollen gar nicht fotorealistisch sein, sie sind karikaturhaft und veralten deshalb nicht so wie Versuche, die Wirklichkeit nachzuahmen. Bobs gewaltiger Oberkörper auf dünnen Beinen, Helens Silhouette, die Vorstadthäuser und die geheimen Basen ergeben eine geschlossene, selbstbewusste Bildwelt.

Musik und Sound gehören zum selben Retro-Gefühl. Der treibende, blechbläserlastige Agentensound zieht die Handlung durchgehend voran und weiß genau, wann er sich zurücknehmen und wann er aufdrehen muss. Selten ist die Musik so untrennbar mit der Identität eines Animationsfilms verbunden.

Wo könnten Schwächen liegen?

Wenn ich unbedingt einen Haken suchen muss: Der Anfang, also der Vorstadtteil, kann für die Kleinsten etwas zäh sein. Wer sofort Laser und Explosionen erwartet, braucht ein wenig Geduld, bis die Handlung richtig Fahrt aufnimmt. Gerade dieses ruhigere Tempo verleiht allem, was danach kommt, aber erst sein Gewicht.

Außerdem sollte man wissen: Der Film ist stellenweise überraschend düster und ernst. Er ist nicht kindisch, nicht zuckersüß, und die Gefahr fühlt sich echt an. Wer einen leichten Familienfilm zum Durchlachen erwartet, könnte überrascht sein. Ich halte das für eine Stärke, aber bei sehr kleinen Kindern sollte man es einplanen.

Für wen ist der Film?

Wenn er dir gefällt, schau auch: Der Gigant aus dem All (1999), Spider-Man: A New Universe (2018), Megamind (2010), Toy Story (1995), Die Unglaublichen 2 (2018)

Häufige Fragen

Worum geht es in Die Unglaublichen?

Um den ehemaligen Superhelden Mr. Incredible, der nach dem Verbot aller Superhelden als Bob Parr mit seiner Familie in einer Vorstadt lebt, bis ihn ein mysteriöser Auftraggeber für eine geheime Mission auf eine abgelegene Insel holt.

Wie lang ist Die Unglaublichen?

Der Film dauert 115 Minuten.

Wann kam Die Unglaublichen in die deutschen Kinos?

In Deutschland startete der Film am 9. Dezember 2004.

Wer hat Die Unglaublichen inszeniert?

Regie führte Brad Bird.

Wer spricht die Figuren in der Originalfassung?

Craig T. Nelson (Bob Parr), Holly Hunter (Helen Parr), Sarah Vowell (Violet), Spencer Fox (Dash), Jason Lee (Syndrome), Samuel L. Jackson (Frozone) und Elizabeth Peña (Mirage).

Wie lautet der Originaltitel von Die Unglaublichen?

Der Originaltitel lautet The Incredibles.

Lohnt es sich, die Parrs heute noch einmal hervorzuholen?

Unbedingt. Die Unglaublichen war nicht nur zu seiner Zeit herausragend, im heutigen Zeitalter der Superhelden-Übersättigung strahlt der Film vielleicht sogar noch heller. Brad Bird erinnert daran, dass eine Superkraft für sich allein nichts wert ist, wenn dahinter kein echter Mensch steht, keine echte Angst und keine echte Liebe. Schau ihn dir noch einmal an, schau ihn mit deinen Kindern, und achte darauf, wie oft du dich in Bob wiedererkennst, der nur noch ein kleines bisschen Held sein will.

Wertung: 9,2/10 · Story 9 · Schauspiel 9 · Regie 10 · Optik 9 · Musik und Ton 9 · Emotionen 9