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Kritik · Kinostart: 30.10.2025

Dracula - Die Auferstehung Kritik: Luc Bessons blutgetränkter Liebesbrief, der sich manchmal in den eigenen Kerzenleuchtern verheddert

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Dracula wurde schon so oft aus seiner Gruft gezerrt, dass er vor dem Friedhof inzwischen einen eigenen Parkplatz haben müsste. Luc Besson findet trotzdem, dass über das Herz des Grafen noch nicht alles gesagt ist, und er meint damit nicht die Stelle, an der man den Pflock ansetzt. Herausgekommen ist ein 129 Minuten langer, lauter, romantischer Horrorfilm, der zugleich wunderschön, maßlos und stellenweise erstaunlich bewegend ist.

7,2/10
Wertung
Bessons Dracula ist eher eine gotische Liebesballade als ein Schockerfilm. Wegen Caleb Landry Jones und Christoph Waltz lohnt sich der Besuch im Schloss trotzdem, auch wenn sich der Film manchmal zu lange an sich selbst berauscht.
Story
6
Schauspiel
8
Regie
7
Optik
8
Musik und Ton
7
Emotionen
7

Die Gesamtwertung ist der Durchschnitt der sechs Kriterien.

Dracula - Die Auferstehung: Trailer

Filmdaten

OriginalDracula
Kinostart in Deutschland30.10.2025
RegieLuc Besson
BesetzungCaleb Landry Jones, Christoph Waltz, Zoë Bleu, Guillaume De Tonquedec, Matilda De Angelis
GenreHorrorfilme
Laufzeit129 Min.
FSK16
LandFranzösische Filme

Worum geht es, ohne zu viel zu verraten?

Die Vorlage ist Bram Stokers Klassiker, doch Besson beginnt nicht im vertrauten Londoner Nebel. Die Geschichte setzt im 15. Jahrhundert ein, bei einem Prinzen, der seine Frau verliert und in seiner Trauer etwas tut, das sich kaum jemand trauen würde: Er sagt sich von Gott los. Das hat seinen Preis, nämlich einen ewigen Fluch, und so wird Dracula geboren.

Von da an erzählt der Film von einer Wanderung durch die Jahrhunderte. Der blutsaugende Untote trotzt dem Schicksal und dem Tod, angetrieben von einem einzigen Wunsch: seine verlorene Liebe wiederzufinden. Dieses Motiv ist das Rückgrat des Films und macht diesen Dracula eher zum tragischen Liebenden als zum bloßen Monster. Sein Gegenspieler ist ein Priester, der erkennt, was er wirklich ist, und sich ihm entgegenstellt, um ihn zu vernichten.

Mehr möchte ich gar nicht verraten. Wer die Dracula Tradition kennt, ahnt die Spielregeln, aber die Gewichte liegen hier woanders als bei einer klassischen Vampirjagd.

Caleb Landry Jones, ein Graf mit Herz

Caleb Landry Jones ist einer dieser Schauspieler, bei denen man nie weiß, was man bekommt, und genau das macht ihn so spannend. Er kann auffallend seltsame, nervös flirrende Figuren spielen, und Besson hat schon in DogMan mit ihm gearbeitet. Dort hat sich gezeigt, dass der Regisseur ihm das Gewicht eines ganzen Films anvertrauen kann.

Genau das passiert auch hier. Sein Dracula ist nicht der kühle, aristokratische Raubtiertyp, den wir seit Bela Lugosi reflexhaft erwarten. Eher ein verwundetes, besessenes, fast kindlich verzweifeltes Wesen, dessen Grauen aus seiner Trauer wächst. Manchmal ist dieses Spiel am Rand der Übertreibung etwas zu viel, doch in seinen besten Szenen ist er schlicht überwältigend. Selbst wer mit dem Film insgesamt nichts anfangen kann, wird über diese Leistung kaum die Schultern zucken.

Christoph Waltz und ein Priester, der sich nicht fürchtet

Der Name Christoph Waltz steht für etwas ganz Bestimmtes: Jeder seiner Sätze klingt, als würde er die Gefahr ein bisschen genießen. Seit Inglourious Basterds und Django Unchained wissen wir, dass redselige, kontrollierte, intellektuelle Figuren sein Heimspiel sind, und der Priester in Dracula wirkt wie genau so eine Rolle.

Die stärkste Dynamik des Films entsteht aus diesem Duo. Jones brennt, Waltz beobachtet kühl, und die Spannung zwischen beiden liefert ein Drama, das keine noch so prächtige Schauwerte ersetzen können. In den Nebenrollen füllen Zoë Bleu, Guillaume De Tonquedec und Matilda De Angelis diese Welt, und auch wenn ihnen weniger Zeit bleibt, wirkt keiner von ihnen fehl am Platz.

Luc Besson, der sich nie für große Gesten geschämt hat

Bessons Filmografie gleicht einer Achterbahnfahrt: Neben Höhepunkten wie Léon, Das fünfte Element und Nikita stehen auch eher verzichtbare Abstecher. Gemeinsam ist ihnen, dass der französische Regisseur nie zurückhaltend inszeniert. Wenn es bunter, lauter und gefühlvoller geht, dann macht er es so.

Dracula ist die gotische Spielart dieses Stils. Kulissen, Kostüme und Licht sollen das Gefühl vermitteln, einer Legende zuzusehen, die Jahrhunderte überspannt. Die 129 Minuten spürt man allerdings: Es gibt Passagen, in denen der Film eher zur Ausstellung als zur Erzählung wird. Im romantischen Horror ist das keine seltene Sünde, aber hier hätte man stellenweise wirklich kürzen können.

Lobenswert ist dagegen, dass Besson nicht Coppolas Version von 1992 kopieren will, obwohl sich der Vergleich wegen des Liebesmotivs aufdrängt. Er erzählt mit eigener Stimme, und dieser Ton ist, ob man ihn mag oder nicht, sofort wiederzuerkennen.

Gruselig oder eher schön? Wo der Film ins Stocken gerät

Die entscheidende Frage bei diesem Film lautet: Was erwartet man von einem Horrorfilm? Wer auf Jumpscares, Klauen aus dunklen Ecken und Dauerspannung hofft, wird vermutlich enttäuscht. Dieser Dracula ist viel eher melancholisch als furchteinflößend. Blut und Finsternis gibt es reichlich, doch im Mittelpunkt stehen Schmerz und Sehnsucht, nicht der Schockeffekt.

Die Schwachstellen:

Und doch funktioniert in den besten Momenten genau dieser Mut zur Romantik. In einer Zeit, in der Horror meist zynisch daherkommt, wirkt ein so aufrichtig leidenschaftlicher Vampirfilm fast erfrischend.

Wie passt der Film in die lange Reihe der Vampirfilme?

Dracula gehört zu den am häufigsten verfilmten Figuren der Literatur, und jede Epoche hat ihre eigene Version hervorgebracht. Murnaus Nosferatu baute auf Schatten, Coppola setzte auf große Opernromantik, und Robert Eggers suchte in seinem jüngsten Nosferatu das bedrückende Dunkel der Folklore. Besson reiht sich irgendwo neben Coppola ein: Auch ihn interessieren die unsterbliche Liebe und das Innenleben des Monsters.

Das ist Stärke und Falle zugleich. Eine Stärke, weil ein Held mit ausgearbeiteter, emotionaler Motivation viel stärker im Gedächtnis bleiben kann. Eine Falle, weil der Vergleich unvermeidlich ist und Coppolas Film einen sehr langen Schatten wirft. Bessons Dracula wird ihm den Kultstatus nicht streitig machen, will das aber auch gar nicht: Er ist die persönliche, überhitzte Variation eines französischen Regisseurs über ein ewiges Thema.

Für wen ist der Film?

Wenn er dir gefällt, schau auch: Bram Stoker's Dracula (1992), Nosferatu (2024), Interview mit einem Vampir (1994), Only Lovers Left Alive (2013), Crimson Peak (2015)

Häufige Fragen

Wann ist Dracula - Die Auferstehung in Deutschland gestartet?

Luc Bessons Dracula ist am 30. Oktober 2025 in den deutschen Kinos gestartet.

Worum geht es in Luc Bessons Dracula?

Um einen Prinzen im 15. Jahrhundert, der sich nach dem Tod seiner Frau von Gott lossagt, deshalb mit einem ewigen Fluch belegt wird und zu Dracula wird. Jahrhundertelang sucht er seine verlorene Liebe, während ein Priester ihn erkennt und vernichten will.

Wie lang ist Dracula - Die Auferstehung?

Der Film dauert 129 Minuten.

Wer spielt in Dracula - Die Auferstehung mit?

Die Hauptrolle spielt Caleb Landry Jones, an seiner Seite sind Christoph Waltz, Zoë Bleu, Guillaume De Tonquedec und Matilda De Angelis zu sehen.

Auf welchem Buch basiert der Film?

Der Film ist eine Adaption von Bram Stokers klassischem Roman Dracula.

Sollte man Bessons Grafen über die Schwelle bitten?

Ich finde: ja, aber man sollte wissen, worauf man sich einlässt. Dieser Dracula ist weder der gruseligste noch der straffste Vampirfilm, den man sehen kann. Dafür ist er leidenschaftlich, prachtvoll und hat zwei Darsteller, die im Duell miteinander ganz besondere Momente erzeugen. Für Caleb Landry Jones' besessenen, verwundeten Grafen und Christoph Waltz' unerschütterlichen Priester nehme ich die gedehnten Szenen und das gelegentlich kitschige Pathos gern in Kauf.

Wer an einem trüben Herbstabend Lust auf etwas Dunkles und trotzdem Romantisches hat, liegt hier richtig. Wer vom Horror vor allem Herzrasen erwartet und keinen Herzschmerz, sollte lieber zu Eggers' Nosferatu greifen. Von mir gibt es eine starke Sieben: nicht perfekt, aber selten bleibt nach einem Dracula vor allem seine Liebe im Kopf und nicht nur seine Eckzähne.

Wertung: 7,2/10 · Story 6 · Schauspiel 8 · Regie 7 · Optik 8 · Musik und Ton 7 · Emotionen 7