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Vorab-Kritik

Ha-Chan, Shake Your Booty! Vorab-Kritik: Rinko Kikuchi kehrt aufs Parkett zurück, und plötzlich gelten andere Regeln

Amerikanische FilmeJapanische FilmeKomödien

Komödien, die mit einer Tragödie beginnen und ihren Höhepunkt im moralischen Minenfeld einer offenen Beziehung finden, sieht man nicht alle Tage. Ha-Chan, Shake Your Booty! verspricht genau das: eine amerikanisch-japanische Koproduktion mit Rinko Kikuchi in der Hauptrolle, mit Standardtanz, einem mexikanischen Ehemann und einem allzu charismatischen Tanzlehrer. Auf dem Papier kann so etwas entweder großartig funktionieren oder spektakulär auseinanderfallen. Ich setze auf Ersteres.

7,5/10
Erwartete Wertung
Das klingt nach einer mutigen Tanzkomödie für Erwachsene, und Rinko Kikuchi allein ist schon Grund genug für den Kinobesuch.
Story
7
Schauspiel
8
Regie
7
Optik
8
Musik und Ton
8
Emotionen
7

Die Gesamtwertung ist der Durchschnitt der sechs Kriterien.

Ha-Chan, Shake Your Booty!: Trailer

Filmdaten

RegieJosef Kubota Wladyka
BesetzungRinko Kikuchi, Alberto Guerra, Alejandro Edda, You, Yoh Yoshida, Damián Alcázar
GenreKomödien
Laufzeit122 Min.
LandAmerikanische Filme, Japanische Filme

Worum geht es? Trauer, Parkett und ein gefährlicher Walzer

Die Ausgangslage ist schnell erzählt, ihre Folgen sind es weniger. Haru (Rinko Kikuchi) lebt in Tokio mit ihrem aus Mexiko stammenden Mann Luis (Alejandro Edda). Die beiden verbindet eine Leidenschaft für den Standardtanz, und zwar nicht nur als Hobby: Sie treten gemeinsam bei Turnieren an. Dann geschieht eine Tragödie, und Haru kehrt allem, was mit Tanzen zu tun hat, von heute auf morgen den Rücken.

Ihre Freunde lassen sie allerdings nicht in Ruhe und locken sie schließlich zurück in den Tanzsaal. Dort wartet der neue Lehrer Fedir (Alberto Guerra), laut offizieller Beschreibung charismatisch. Ein Wort, das Drehbuchautoren selten unschuldig meinen. Fedir verführt die eigenwillige Frau schnell, und Haru findet sich unversehens in der widersprüchlichen Welt offener Beziehungen wieder.

Was genau die Tragödie war, was Luis zu alldem sagt und wohin die Geschichte führt, verraten die bisherigen Materialien nicht, und ich werde auch nicht spekulieren. Eines spüre ich aber schon jetzt: Das wird kein gewöhnlicher Wohlfühlfilm nach dem Muster „durch den Tanz zurück ins Leben“.

Rinko Kikuchi, das leise Erdbeben

Die meisten haben Rinko Kikuchi als gehörlose Teenagerin in Babel kennengelernt, und wer diese Leistung gesehen hat, weiß: Diese Schauspielerin kann ihr Publikum auch ohne Worte völlig auseinandernehmen. Später zeigte sie sich als Jaeger-Pilotin in Pacific Rim auch im Blockbuster-Kino, doch richtig zu Hause ist sie im Charakterdrama.

Haru, die trauernde, eigenwillige Frau, die sich von ihrem eigenen Körper und ihrer Leidenschaft entfremdet hat, scheint ihr auf den Leib geschrieben. Dazu kommt, dass im Standardtanz der Körper alles erzählt, was eine Figur sich nicht auszusprechen traut. Kikuchi gehört in Bewegung wie in der Stille zu den ausdrucksstärksten Darstellerinnen unserer Zeit. Hier sehe ich den sichersten Trumpf des Films.

An ihrer Seite spielen Alejandro Edda den Ehemann und Alberto Guerra den verführerischen Tanzlehrer, außerdem sind You, Yoh Yoshida und der mexikanische Altmeister Damián Alcázar dabei. Wen Letztere verkörpern, ist noch nicht bekannt, aber schon die Mischung aus japanischen und mexikanischen Schauspielern macht neugierig: zwei Kulturen, zwei Temperamente, ein Parkett.

Zwei Kontinente, ein Tanzsaal: Regie und Konzept

Regie führt Josef Kubota Wladyka, produziert wurde der Film als amerikanisch-japanische Koproduktion. Genau an solchen kulturellen Schnittstellen entstehen entweder sehr reiche Filme oder Reiseprospekte. Tokio als Schauplatz ist verlockend, doch Neonlichter und überfüllte U-Bahnen haben wir schon tausendmal gesehen. Die enge, verschwitzte, verspiegelte Welt einer kleinen Tanzschule verspricht ein viel intimeres Terrain.

Das Paar aus mexikanischem Mann und japanischer Frau könnte der heimliche Schlüssel des Films sein. Japanische Zurückhaltung trifft auf lateinamerikanische Gefühlsoffenheit, ein wunderbarer Stoff für Komödie wie Drama. Und der Paartanz, bei dem zwei Menschen in perfektem Einklang sein müssen, ist dafür eine schöne Metapher. Wenn der Regisseur das wirklich ausarbeitet und nicht bloß als Kulisse benutzt, könnte hier etwas Besonderes entstehen.

Komödie für Erwachsene: Was spricht für den Film?

Der Film läuft als Komödie, richtet sich aber klar an ein erwachsenes Publikum, und diese Kombination sagt einiges. Das ist kein Tanzfilm für die ganze Familie, sondern vermutlich eine ziemlich unverblümte Geschichte über Sexualität, Treue und die Grenzen einer Beziehung.

Was dafür spricht:

Wo könnte der Schritt danebengehen?

Ehrlicherweise muss ich auch die Risiken benennen. 122 Minuten sind für eine Komödie ausgesprochen lang, und wenn der Rhythmus durchhängt, retten auch die Tanzszenen nichts mehr. Eine Geschichte, die mit einer Tragödie beginnt und dann in eine Verführung kippt, kann leicht zwischen den Tonlagen schwanken: zu ernst zum Lachen, zu leicht zum Weinen.

Die zweite Gefahr ist das Klischee vom charismatischen Fremden, der die gebrochene Frau verführt. Bleibt Fedir ein eindimensionaler Latin Lover und die offene Beziehung bloß pikante Dekoration, könnte der Film peinlich oberflächlich werden. Die Formulierung von der „widersprüchlichen Welt“ in der Beschreibung lässt aber vermuten, dass die Macher wissen: Einfache Antworten gibt es hier nicht. Ich hoffe, der Film liefert auch keine.

Für wen ist der Film?

Wenn er dir gefällt, schau auch: Darf ich bitten? (2004), Lost in Translation (2003), Strictly Ballroom (1992), Babel (2006), Dirty Dancing (1987)

Häufige Fragen

Worum geht es in Ha-Chan, Shake Your Booty!?

Haru lebt in Tokio und teilt mit ihrem mexikanischen Mann Luis die Leidenschaft für den Standardtanz. Nach einer Tragödie gibt sie das Tanzen auf, doch ihre Freunde locken sie zurück. Der neue Lehrer Fedir verführt sie, und Haru landet in der widersprüchlichen Welt offener Beziehungen.

Wie lang ist Ha-Chan, Shake Your Booty!?

Der Film dauert 122 Minuten.

Ist der Film für Kinder geeignet?

Eher nicht. Der Film richtet sich mit Themen wie Sexualität, Treue und offenen Beziehungen klar an ein erwachsenes Publikum.

Wer spielt in Ha-Chan, Shake Your Booty! mit?

Rinko Kikuchi spielt die Hauptrolle Haru, dazu kommen Alejandro Edda (Luis), Alberto Guerra (Fedir) sowie You, Yoh Yoshida und Damián Alcázar.

Wer hat bei dem Film Regie geführt?

Regie führte Josef Kubota Wladyka. Der Film ist eine amerikanisch-japanische Koproduktion.

Darf ich um diesen Tanz bitten?

Ich sage jedenfalls Ja. Ha-Chan, Shake Your Booty! gehört zu den seltenen Filmen, die schon in ihrer Inhaltsangabe etwas riskieren: Trauer, Leidenschaft und eine ziemlich heikle Beziehungsfrage, verpackt in eine Tanzkomödie und angesiedelt dort, wo zwei sehr unterschiedliche Kulturen aufeinandertreffen. Die 122 Minuten und die Wechsel der Tonlage sind das größte Risiko, aber dank Rinko Kikuchi und dem frischen Thema fällt meine Erwartung klar positiv aus. Wer es mag, wenn ein Film keine fertigen Antworten liefert, sondern einen aufs Parkett schubst und die Schritte selbst finden lässt, sollte sich diesen Titel vormerken.

Erwartete Wertung: 7,5/10 · Story 7 · Schauspiel 8 · Regie 7 · Optik 8 · Musik und Ton 8 · Emotionen 7