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Kritik · Kinostart: 10.9.2026

Oasis: Don't Look Back in Anger Kritik: Das Ende eines Bruderkriegs, das auf die Leinwand gehört

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Hätte uns 2009 jemand erzählt, dass die Gallagher-Brüder irgendwann gemeinsam vor einer Kamera sitzen und ein Interview geben, wir hätten ihn wohl ausgelacht. Oasis: Don't Look Back in Anger dokumentiert genau dieses Unmögliche, und dazu die ausverkaufte Tour Oasis Live '25. Ein makelloser Film ist das nicht, aber für Fans fühlt er sich ungefähr so an, als stünde man wieder mit siebzehn mitten im Stadion.

8,3/10
Wertung
Ein feierlicher Tourfilm, der das Wesentliche auf der Bühne und in den Gesichtern des Publikums findet und allein wegen des gemeinsamen Gallagher-Interviews schon ein historisches Dokument ist.
Story
7
Schauspiel
8
Regie
8
Optik
8
Musik und Ton
10
Emotionen
9

Die Gesamtwertung ist der Durchschnitt der sechs Kriterien.

Oasis: Don't Look Back in Anger: Trailer

Filmdaten

Kinostart in Deutschland10.9.2026
RegieWill Lovelace, Dylan Southern
GenreDokumentarfilme, Musikfilme
LandBritische Filme, Amerikanische Filme

Worum geht es: ein Comeback, auf das niemand zu wetten wagte

Die Ausgangslage des Films ist simpel, und gerade deshalb funktioniert sie. Liam und Noel Gallagher sind zurück, und Oasis gehen 2025 auf die Oasis Live '25 Tour, die zu einem der wichtigsten Rockereignisse unserer Zeit geworden ist. Die Doku begleitet diesen Triumphzug in globalem Maßstab und kommt dabei immer wieder auf die Frage zurück, die sich jeder insgeheim stellt: Was bedeutet diese Band den Menschen, und warum haben sie sie nie losgelassen?

Eine klassische Geschichte mit dramatischem Bogen sollte man nicht erwarten. Das hier ist eher Porträt und Momentaufnahme: die prägenden Musikmomente des Jahres 2025, ausverkaufte Konzerte, Proben und Minuten hinter den Kulissen, nebeneinander montiert. Wer auf eine angespannte Enthüllungsdoku über alte Kränkungen hofft, wird vielleicht zu kurz kommen. Wer dagegen spüren will, wie es war, dabei zu sein, ist hier genau richtig.

Liam und Noel in einem Bild: das eigentliche Goldstück des Films

So gewaltig ein Stadionkonzert auch sein mag, die stärkste Karte des Films ist ein leiser Moment: das erste gemeinsame Interview der Gallagher-Brüder seit über 25 Jahren. Das kann man gar nicht hoch genug hängen. Die beiden sind für eine ganze Generation zum Synonym für Geschwisterrivalität geworden, ihre Sprüche sind legendär, und ihr Verhältnis war jahrzehntelang eher ein Thema für die Klatschpresse als für Musikmagazine.

Worüber genau sie sprechen, verrate ich nicht. Nur so viel: Schon der Anblick, wie sie nebeneinander sitzen, trifft härter als jede Songeinlage. Da steckt etwas Unbeholfenes und Ehrliches drin, das ein Film, der im Grunde auf Feiern angelegt ist, dringend braucht. Wenn ich aus nur einem Grund ein Ticket kaufen würde, dann wäre es dieser.

Regisseure, die wissen, wie man eine Band filmt

Auf dem Regiestuhl sitzen Will Lovelace und Dylan Southern, und die beiden kommen nicht aus dem Nichts. Von ihnen stammt Shut Up and Play the Hits über das Abschiedskonzert von LCD Soundsystem, sie wissen also, wie aus einem Konzert ein emotionales Ereignis auf der Leinwand wird. Ihre Handschrift ist auch hier zu spüren: Der Schnitt hetzt nicht, lässt den Songs Luft zum Atmen und scheut sich nicht, die Kamera aufs Publikum zu richten.

Gerade das halte ich für eine der besten Entscheidungen des Films. Die Gesichter der Fans, die im Chor gebrüllten Refrains, Väter mit ihren Kindern: Diese Bilder erzählen am meisten über die tiefe emotionale und kulturelle Wirkung, die Oasis seit Generationen auf Menschen haben. Der Film erklärt das nicht tot, er zeigt es einfach.

Sound, Bild, Stadion: wenn die Kinoanlage richtig arbeitet

Die Musik ist natürlich der Höhepunkt, und das nicht nur, weil Wonderwall oder der titelgebende Song Don't Look Back in Anger aus Zehntausenden Kehlen immer noch Gänsehaut machen. Die Tonmischung transportiert gleichzeitig die Wucht der Band und das Brausen der Menge, und im Kino ist das weit mehr wert als zu Hause über Laptoplautsprecher. Wenn möglich: großer Saal, gute Anlage.

Visuell bedient sich der Film beim bewährten Werkzeugkasten des Tourfilms: Panoramen der Menge, Nahaufnahmen, Bühnenlicht, Halbdunkel in der Garderobe. Revolutionär ist das nicht, aber sauber und geschmackvoll gemacht, und die Aufnahmen von den Proben geben dem Ganzen eine intimere, rauere Ebene, die dem Rhythmus guttut.

Wo es hakt: zu viel Feier, zu wenig Reibung

Jetzt die schlechte Nachricht. Der Film will das Comeback so sehr feiern, dass er manchmal vergisst, nachzufragen. Hinter dieser Geschichte stehen Jahrzehnte voller Spannungen, Kränkungen und unausgesprochener Sätze, und davon kommt nur wenig an die Oberfläche. Die Grundhaltung ist eher erhebend als unbequem, was aus Fansicht verständlich, aus Kritikersicht aber eine vergebene Chance ist.

Das zweite Problem: Wer keine Bindung an die Band hat, dem verschwimmen die Konzertpassagen irgendwann. Dieser Film will niemanden bekehren, er ist eine Messe für die längst Bekehrten. Das werfe ich ihm nicht als Sünde vor, ich sage es nur, damit jeder weiß, worauf er sich einlässt.

Für wen ist der Film?

Wenn er dir gefällt, schau auch: Shut Up and Play the Hits (2012), Supersonic (2016), Oasis Knebworth 1996 (2021), The Beatles: Get Back (2021), Stop Making Sense (1984)

Häufige Fragen

Wann startet Oasis: Don't Look Back in Anger in Deutschland?

Der Film ist am 10. September 2026 in den deutschen Kinos gestartet.

Worum geht es in Oasis: Don't Look Back in Anger?

Um das Comeback von Liam und Noel Gallagher und die Welttournee Oasis Live '25, mit Proben, Momenten hinter den Kulissen und den Erlebnissen der Fans.

Wer hat den Film inszeniert?

Regie führten Will Lovelace und Dylan Southern.

Gibt es ein gemeinsames Interview der Gallagher-Brüder?

Ja, zum ersten Mal seit über 25 Jahren sind Liam und Noel gemeinsam in einem Interview zu sehen.

Lohnt es sich, im Kino noch einmal zu einem Oasis-Konzert zu gehen?

Wenn bei einem Oasis-Refrain schon mal die halbe Bushaltestelle mitgesungen hat, dann ja, und am besten im größten Saal, den ihr finden könnt. Oasis: Don't Look Back in Anger ist nicht die mutigste Musikdoku, die ich gesehen habe, aber eine der herzlichsten. Und wegen des gemeinsamen Gallagher-Interviews ist sie ein historisches Zeugnis, das sich kein Fan entgehen lassen sollte. Wer nur halb interessiert ist, hat trotzdem einen schönen Abend. Wer aber in den Neunzigern mit diesen Songs groß geworden ist, bleibt vermutlich noch während des Abspanns sitzen und summt leise mit.

Wertung: 8,3/10 · Story 7 · Schauspiel 8 · Regie 8 · Optik 8 · Musik und Ton 10 · Emotionen 9