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Kritik

Raya und der letzte Drache Kritik: Wenn Disney von Vertrauen erzählt statt von Prinzessinnen

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Es gibt Disney-Filme, die Kinder lieben und Eltern einfach irgendwie überstehen. Und es gibt solche, bei denen man sich als Erwachsener plötzlich dabei ertappt, wie man auf dem Sofa nach vorne rutscht. Raya und der letzte Drache gehört eindeutig zur zweiten Sorte, auch wenn er nicht makellos ist. Selbst Jahre nach dem Start im Jahr 2021 bleibt beim erneuten Anschauen der Eindruck: Das ist eines der mutigsten und thematisch erwachsensten Abenteuer, die das Studio je gewagt hat.

8,2/10
Wertung
Ein bildgewaltiges, herzliches Fantasy-Abenteuer darüber, wie schwer Vertrauen fällt. Zum Klassiker reicht es nicht ganz, weil überdrehter Humor und ein vollgestopftes Tempo bremsen.
Story
7
Schauspiel
8
Regie
8
Optik
10
Musik und Ton
8
Emotionen
8

Die Gesamtwertung ist der Durchschnitt der sechs Kriterien.

Filmdaten

OriginalRaya and the Last Dragon
RegieDon Hall, Carlos López Estrada
BesetzungKelly Marie Tran, Awkwafina, Gemma Chan, Alan Tudyk, Izaac Wang, Benedict Wong
GenreAnimationsfilme, Actionfilme, Abenteuerfilme, Fantasyfilme, Familienfilme
Laufzeit107 Min.
LandAmerikanische Filme

Kumandra, wo einst alles eins war

Die Ausgangslage ist märchenhaft, aber nicht kindisch. Im Land Kumandra lebten Menschen und Drachen einst friedlich Seite an Seite. Dann tauchte eine böse Macht auf, und die Drachen opferten sich, um die Menschheit zu retten. Eine schöne Geste, nur folgte auf die Dankbarkeit kein Zusammenhalt: Das Land zerfiel, die Völker gingen getrennte Wege.

Fünfhundert Jahre später kehrt das Böse zurück, und ausgerechnet die einsame Kämpferin Raya muss sich auf die Suche nach dem legendären letzten Drachen machen. Mehr muss man vorab nicht wissen, den Rest sollte man dem Film überlassen. Wichtig ist nur: Hier läuft nicht das klassische Schema "Mädchen findet zu sich selbst und zur großen Liebe". Es geht um nichts Geringeres als die Wiedervereinigung einer ganzen Welt, und spannender noch: Die entscheidende Frage lautet nicht, wer am stärksten ist, sondern wem man trauen kann.

Für mich liegt genau hier die größte Stärke des Films. Disney baut oft auf den klaren Gegensatz von Gut und Böse, hier aber sind Zwietracht, Misstrauen und gekränkter Stolz die eigentlichen Gegner. Für einen Familienfilm ist das ein erstaunlich reifer Gedanke, und er kommt so an, dass auch Kinder ihn verstehen.

Raya ist keine Prinzessin, und das tut ihr gut

Raya ist eine Kriegerin. Sie singt nicht den Mond an und sehnt sich nicht hinter die Palastmauern, sie erledigt einfach ihren Job: mit Schwert, staubig, mit zusammengebissenen Zähnen. Kelly Marie Tran trifft mit ihrer Stimme genau diese Härte, und darunter spürt man die Müdigkeit und die Wunde, die Raya so verschlossen machen. Viele kennen Tran aus der jüngsten Star-Wars-Trilogie, hier bekommt sie endlich eine Rolle, in der sie sich wirklich entfalten kann.

Die beste Idee des Films: Das Misstrauen der Heldin ist kein liebenswerter kleiner Makel, sondern ein echtes Hindernis. Raya ist oft nicht sympathisch, und das ist völlig in Ordnung. Eine Figur, die erst lernen muss zu vertrauen, wirkt nur dann glaubwürdig, wenn wir sehen, wie schwer ihr das fällt.

Awkwafina und Co.: eine laute, bunte Truppe

Awkwafina ist als Sisu der Motor des Films. Ihre rauchige, schnelle, leicht chaotische Komik ist unverwechselbar ihre eigene, und genau daran werden sich die Geister scheiden: Die einen sind hin und weg, anderen wird es irgendwann zu viel. Ich stehe irgendwo dazwischen. In ihren besten Momenten bringt Sisu Wärme in Rayas Härte, in den schwächeren wirkt es, als hätte sich eine Stand-up-Nummer in ein Epos verirrt.

Gemma Chan bildet als Namaari den Gegenpol, und die Besetzung passt: kühl, kontrolliert, und trotzdem spürt man, dass auch sie mehr als eine Seite hat. Daniel Dae Kim hinterlässt als Rayas Vater Benja in wenig Zeit einen starken Eindruck. Unter den Nebenfiguren finden sich außerdem Benedict Wong (Tong), Izaac Wang (Boun) und Thalia Tran (Little Noi), die der Truppe, die sich unterwegs zusammenfindet, ihre Farbe geben.

Eine eigene Erwähnung verdient Alan Tudyk, der Tuk Tuk seine Stimme leiht. Tudyk ist Stammgast in Disneys Animationsfilmen und zeigt auch hier, dass man mit minimalen Mitteln eine Figur bauen kann. Tuk Tuk wird garantiert zum Liebling der Kinder.

Don Hall und Carlos López Estrada: Bilder, bei denen einem die Kinnlade runterfällt

Das Regieduo Don Hall und Carlos López Estrada hat eine unglaublich reiche Welt erschaffen. Hall war zuvor schon an Big Hero 6 und Vaiana beteiligt, und das merkt man: Er weiß, wie man einen Abenteuerfilm so aufbaut, dass jeder Schauplatz eine neue Note mitbringt.

Meine Höchstwertung für die Optik kommt nicht von ungefähr. Wasser, Licht, Texturen und die ganz eigene Farbwelt der verschiedenen Regionen sind erstklassig. Die Choreografie der Kämpfe ist für einen Animationsfilm überraschend dynamisch und erinnert eher an den Rhythmus von Martial-Arts-Kino als an das übliche Disney-Gerangel. Für die Allerkleinsten können ein, zwei Momente allerdings spannender sein als gedacht.

Auch die Musik ist stark, episch und passt zum Abenteuer. Was fehlt, ist der eine Ohrwurm, den Kinder wochenlang vor sich hin summen. Das ist kein Fehler, eher eine bewusste Entscheidung, schließlich ist das hier kein Musical. Wer aber ein Erlebnis à la Die Eiskönigin erwartet, könnte sich wundern.

Wo der Drache ins Straucheln gerät

107 Minuten Laufzeit klingen zunächst angemessen, doch der Film will verdammt viel unterbringen. Mehrere Schauplätze, etliche Nebenfiguren, eine ernsthafte Mythologie und ein emotionaler Bogen, und das alles in einem Tempo, das sich manchmal eher nach Hetzen als nach Reisen anfühlt. Manche Figur, die interessanter hätte sein können, bleibt bloß eine abgehakte Station.

Das zweite Problem ist der Tonfall. Die besten Momente des Films sind die leisen, gewichtigen, in denen es um Vertrauen und Verlust geht. Genau die werden aber oft von einem Gag voller moderner Slang-Sprüche unterbrochen, der einen aus der Welt reißt. Klar, auch Kinder wollen unterhalten werden, aber etwas mehr Mut zum Ernst hätte gutgetan.

Für wen ist der Film?

Wenn er dir gefällt, schau auch: Vaiana (2016), Drachenzähmen leicht gemacht (2010), Mulan (1998), Kubo and the Two Strings (2016), Big Hero 6 (2014)

Häufige Fragen

Wann ist Raya und der letzte Drache erschienen?

Der Film kam 2021 heraus.

Wie lang ist Raya und der letzte Drache?

Der Film dauert 107 Minuten.

Worum geht es in Raya und der letzte Drache?

In Kumandra haben sich die Drachen einst für die Menschheit geopfert, doch 500 Jahre später kehrt das Böse zurück. Raya muss den letzten Drachen finden, der das zerfallene Land wieder vereinen könnte.

Wer spricht in Raya und der letzte Drache?

Zu den Originalstimmen gehören Kelly Marie Tran (Raya), Awkwafina (Sisu), Gemma Chan (Namaari), Alan Tudyk (Tuk Tuk) und Daniel Dae Kim (Benja).

Wer hat bei Raya und der letzte Drache Regie geführt?

Regie führten Don Hall und Carlos López Estrada.

Lohnt sich Rayas Abenteuer heute noch?

Ja, und zwar nicht nur wegen der Kinder. Raya und der letzte Drache ist nicht Disneys rundester Film, aber einer der mutigsten: Selten bekommt ein Familienfilm die Botschaft mit auf den Weg, dass unser größter Feind das eigene Misstrauen ist. Die Bilder beeindrucken bis heute, das Duo Kelly Marie Tran und Awkwafina funktioniert, und wer über den gelegentlich überdrehten Humor hinwegsieht, bekommt ein Abenteuer mit viel Herz, das hängen bleibt. Für den Familienfilmabend eine klare Empfehlung, und wer ihn bisher ausgelassen hat, weil er "nur ein weiterer Disney" schien, sollte ihm jetzt eine Chance geben.

Wertung: 8,2/10 · Story 7 · Schauspiel 8 · Regie 8 · Optik 10 · Musik und Ton 8 · Emotionen 8