Thor: Love and Thunder Kritik: Wenn der Blitz zu oft an derselben Stelle einschlägt
Irgendwann ist der Witz keine Waffe mehr, sondern nur noch eine Krücke. Thor: Love and Thunder balanciert genau auf dieser Grenze, als zweistündige kosmische Party: bunt, laut, manchmal genial, manchmal anstrengend. Jane Foster kehrt zurück, ein wirklich unheimlicher Bösewicht betritt die Bühne, und Taika Waititi dreht wieder alles bis zum Anschlag auf.
Christian Bale liefert einen Schurken, der in einen düstereren, besseren Film gehört, während sich die Thor-Reihe um ihn herum in eine Komödie auflöst, die mal unterhält und mal nervt.
Filmdaten
| Kinostart in Deutschland | 7.7.2022 |
|---|---|
| Regie | Taika Waititi |
| Besetzung | Chris Hemsworth, Natalie Portman, Christian Bale, Tessa Thompson, Taika Waititi, Russell Crowe |
| Genre | Fantasyfilme, Actionfilme, Komödien |
| Laufzeit | 119 Min. |
| FSK | 12 |
| Land | Amerikanische Filme |
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Worum geht es? Ein Götterschlächter am Horizont
Die Ausgangslage ist simpel, und das ist kein Fehler. Thor bekommt es diesmal mit einem Gegner zu tun, der weder die Weltherrschaft noch grenzenlose Macht will, sondern etwas viel Persönlicheres: Gorr, der Götterschlächter, will die Götter auslöschen. Alle. Für Thor ist das also nicht bloß der nächste kosmische Notfall, denn er steht selbst auf der Liste.
Allein zieht er natürlich nicht los. Mit dabei sind König Valkyrie, der steinerne Gemütsmensch Korg und, hier kommt der Clou, den schon die Trailer verraten haben, seine Ex Jane Foster, die zur allgemeinen Überraschung Mjölnir schwingen kann. Gemeinsam bricht das Team zu einem kosmischen Abenteuer auf, um herauszufinden, was hinter Gorrs Rachefeldzug steckt, und ihn aufzuhalten, bevor es zu spät ist.
Mehr muss man vorab auch nicht wissen. Die Stärke des Films liegt ohnehin nicht in seinen Wendungen, sondern darin, wie diese Figuren aneinandergeraten, sich gegenseitig aufziehen und im Hintergrund langsam, aber sicher der Einsatz steigt.
Christian Bale: der Schurke, der allen die Show stiehlt
Fangen wir mit dem Besten an, denn das ist hier eindeutig. Christian Bale macht seinen Gorr zu einem der eindrücklichsten Bösewichte, die Marvel in letzter Zeit auf die Leinwand gebracht hat. Wer ihn aus der Batman-Trilogie oder aus American Psycho kennt, weiß, wie vollständig Bale in einer Rolle verschwinden kann. Genau das tut er auch hier: Seine leise, beklemmende, fast gespenstische Präsenz lässt in jeder Szene die Luft gefrieren.
Das Problem ist nur, dass Bale wirkt, als spiele er in einem ganz anderen Film. Während er eine tragische Rächerfigur aufbaut, die eher in einen Horrorfilm passen würde, liefern alle um ihn herum Stand-up-Comedy ab. Dieser Kontrast funktioniert manchmal, in ein, zwei Szenen sogar richtig gut. Oft hatte ich aber das Gefühl, dass der Film sich nicht traut, seinen eigenen Schurken ernst zu nehmen. Dabei hätte er es verdient.
Hemsworth, Portman und die große Truppe
Chris Hemsworth spielt Thor seit Jahren, und das merkt man: Er bewegt sich völlig entspannt in der Rolle, sein komisches Timing ist seit Tag der Entscheidung nur noch besser geworden. Hier macht ihn das Drehbuch allerdings oft zum bloßen Clown. Hemsworths Charisma trägt auch das, trotzdem fehlte mir stellenweise das Gewicht, das die Figur früher hatte.
Natalie Portmans Rückkehr als Jane Foster ist einer der größten Trümpfe des Films. Schön zu sehen, dass sie endlich nicht mehr nur Nebenfigur in ihrer eigenen Geschichte ist: Als The Mighty Thor darf sie eine neue Seite zeigen, und Portman genießt den Moment sichtlich. Tessa Thompson ist als König Valkyrie lässig und selbstbewusst, bekommt aber weniger zu tun, als sie verdient hätte.
Unter den Nebenrollen sticht Russell Crowe als Zeus heraus, mit einer völlig entfesselten, selbstironischen Darbietung. Entweder man liebt sie, oder man schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. Außerdem tauchen Jaimie Alexander als Sif und Idris Elba als Heimdall auf, und Korg sowie einem alten Kronaner-Gott leiht Regisseur Taika Waititi höchstpersönlich die Stimme.
Taika Waititi: wenn der Stil den Inhalt verschluckt
Waititis eigene Handschrift steht außer Frage. Er hat Farbe, Humor und Selbstironie in die Thor-Reihe gebracht und die Figur nach Meinung vieler vor der Langeweile gerettet. In diesem Film sind ihm allerdings die Pferde durchgegangen. Die Gagdichte ist so hoch, dass dramatische Momente kaum Luft zum Atmen haben, und sobald der Film ernst werden will, steht schon der nächste Witz bereit, um die Stimmung platzen zu lassen.
Das heißt nicht, dass es keine großartigen Ideen gäbe. Es gibt visuell mutige, wirklich einprägsame Szenen, und die Energie des Films ist unbestreitbar. Die Frage ist nur, wohin diese Energie führt. Hier oft nirgendwohin: im Kreis, dafür sehr bunt.
Was funktioniert, und wo hakt es?
Kurz und in Stichpunkten, schließlich mag der Film selbst das hohe Tempo:
- Funktioniert: jede einzelne Minute mit Christian Bale, Natalie Portmans Rückkehr, die spektakulären Actionszenen mit Rock-Flair, einige wirklich witzige Momente.
- Funktioniert: Die 119 Minuten Laufzeit sind flott, das Tempo sackt selten ab.
- Funktioniert nicht: das Hin und Her zwischen den Tonlagen, wodurch die emotionalen Höhepunkte nie richtig sitzen.
- Funktioniert nicht: der überdrehte Humor, der in der zweiten Hälfte regelrecht ermüdet.
- Funktioniert nicht: Ein Teil der Nebenfiguren taucht nur kurz auf, ohne eine echte Entwicklung zu bekommen.
Übrigens: Die düstereren Momente, vor allem Gorrs Szenen, sind nichts für die ganz Kleinen, auch wenn die Verpackung regenbogenbunt daherkommt.
Für wen ist der Film?
- Für dich, wenn: Für alle, die den hemmungslosen Humor von Thor: Tag der Entscheidung geliebt haben und noch eine Portion bunten, rockigen, temporeichen Marvel-Spaß wollen. Und für jeden, der sich wegen Christian Bale ohnehin alles ansieht.
- Lieber auslassen, wenn: Wer von Thor-Filmen Drama, echte Fallhöhe und Gewicht erwartet oder schon das Gagfeuerwerk von Tag der Entscheidung zu viel fand, dürfte hier eher erschöpft als zufrieden aus dem Kino kommen.
Wenn er dir gefällt, schau auch: Thor: Tag der Entscheidung (2017), Guardians of the Galaxy (2014), Thor (2011), Thor: The Dark World (2013), Avengers: Endgame (2019)
Häufige Fragen
Wann ist Thor: Love and Thunder in Deutschland erschienen?
Der Film startete am 7. Juli 2022 in den deutschen Kinos.
Worum geht es in Thor: Love and Thunder?
Mit Hilfe von König Valkyrie, Korg und seiner Ex Jane Foster stellt sich Thor Gorr, dem Götterschlächter, entgegen, der alle Götter auslöschen will. Jane kann überraschenderweise Mjölnir führen.
Wie lang ist der Film?
Thor: Love and Thunder dauert 119 Minuten.
Wer führt Regie, und wer spielt die Hauptrollen?
Regie führt Taika Waititi. In den Hauptrollen sind Chris Hemsworth (Thor), Natalie Portman (Jane Foster / The Mighty Thor), Christian Bale (Gorr) und Tessa Thompson (König Valkyrie) zu sehen.
Wer spielt Zeus?
Zeus wird von Russell Crowe gespielt.
Lohnt es sich, den Hammer noch einmal in die Hand zu nehmen?
Thor: Love and Thunder ist kein schlechter Film, nur einer, der zu laut über seine eigenen Witze lacht. Er hat einen hervorragenden Schurken, eine herzerwärmende Rückkehr und etliche spektakuläre Momente, doch weil er ständig zwischen den Tonlagen hin und her springt, fügt sich das Ganze nie zu einer Einheit. Wer einen lockeren, bunten Abend sucht und kein Problem damit hat, dass das Drama regelmäßig der Pointe geopfert wird, wird gut unterhalten. Wer dagegen den Thor sucht, dessen Schicksal wirklich zählt, greift besser noch einmal zu Tag der Entscheidung. Von mir gibt es eine mittelmäßige, aber dank Christian Bale durchaus vertretbare Empfehlung.
