Transporter 3 Kritik: Frank Martin gibt zum dritten Mal Gas, nur die Landkarte wird unübersichtlicher
Jason Statham im Anzug, hinter dem Steuer eines Audi, Glatze, versteinerte Miene: Viel klarere Popkultur-Formeln hat das Kino der 2000er kaum hervorgebracht. Transporter 3 holt dieses Rezept zum dritten Mal aus der Schublade, diesmal unter der Regie von Olivier Megaton und mit einer Entführungsgeschichte, die aus einem ukrainischen Müllskandal erwächst. Bleibt die Frage, ob die dritte Runde noch diesen frechen, lässigen Schwung hat, für den wir die ersten Teile so mochten.
Statham liefert, was er liefern muss, und die Fights sitzen. Trotzdem ist Transporter 3 der am wenigsten erinnerungswürdige Teil der Reihe: ordentliches Popcorn-Actionkino, nicht mehr und nicht weniger.
Transporter 3: Trailer
Filmdaten
| Kinostart in Deutschland | 7.1.2009 |
|---|---|
| Regie | Olivier Megaton |
| Besetzung | Jason Statham, Natalya Rudakova, François Berléand, Robert Knepper, Jeroen Krabbé, Alex Kobold |
| Genre | Actionfilme, Thriller, Krimis |
| Laufzeit | 104 Min. |
| FSK | 12 |
| Land | Französische Filme, Amerikanische Filme |
Giftmüll, ein Minister, eine entführte Tochter: Worum geht es, ganz ohne Spoiler?
Die Ausgangslage ist erstaunlich bodenständig für eine Reihe, in der Autos regelmäßig der Physik eine lange Nase drehen. Ein internationaler Entsorgungskonzern will in der Ukraine einen neuen Standort eröffnen, doch Umweltminister Leonid Vasilev stellt sich quer. Statt eines Lobbyisten heuert die Firma einen ehemaligen Elitesoldaten an: Jonas Johnson soll den Politiker mit allen Mitteln umstimmen.
Johnson wählt den kürzesten Weg und entführt die Tochter des Ministers, Valentina. Vasilev wendet sich an Frank Martin, der den Job aber nicht selbst übernimmt, sondern einen Freund empfiehlt. Die Befreiungsaktion geht nur halb gut, und ausgerechnet vor Franks Haus landen Malcolm und Valentina, Johnsons Leute dicht auf den Fersen. Ab da hat Frank keine Wahl mehr: Er muss einsteigen, ob ihm das passt oder nicht.
Mehr verrate ich nicht, und ehrlich gesagt gibt es auch nicht viel mehr zu verraten. Die Handlung ist hier eher Vorwand, eine Schiene, auf der der Film seine Actionszenen entlangrollen lässt.
Jason Statham, die kahle Konstante
Nur wenige Schauspieler sind so mit einer Figur verwachsen. Frank Martin ist der regeltreue, präzise, wortkarge Fahrer, der eigentlich nur liefert und keine Fragen stellt, in der Praxis aber jedes Mal in das hineingerät, was er transportiert. Statham spielt diese Rolle inzwischen im Schlaf, und genau das ist zugleich die größte Stärke und die größte Schwäche des Films.
Die Stärke: Stathams physische Präsenz funktioniert einfach. Wenn er kämpft, glaubt man es ihm. Wenn er jemanden wortlos ansieht, sagt das mehr als zwei Seiten Dialog. Nach Crank und den bisherigen Transporter-Filmen muss er niemandem mehr beweisen, dass er ein Actionstar ist, und diese Selbstsicherheit überträgt sich auf die Leinwand.
Die Schwäche: Im dritten Teil entwickelt sich Frank Martin um keinen Millimeter weiter. Kein Bogen, keine neue Facette, nichts, was in seinem Charakter wirklich auf dem Spiel stünde. Stathams Charisma trägt den Film auf seinen Schultern, aber man spürt, dass der Figur die Luft ausgegangen ist. Daran kann kein Darsteller etwas ändern, wenn das Drehbuch ihm nichts zum Festhalten gibt.
T-Bag im Anzug und eine eigenwillige Partnerin
Den Bösewicht Johnson spielt Robert Knepper, den die meisten als unheimlichen T-Bag aus Prison Break kennen. Dort hat er eine unvergessliche, schmierige Figur hingelegt, hier gibt er einen deutlich kontrollierteren, kälteren Gegenspieler. Schlecht ist das nicht, aber der Film lässt ihm zu wenig Raum, um wirklich im Gedächtnis zu bleiben. Ein Actionfilm ist nur so gut wie sein Schurke, und Johnson ist eher Funktion als Persönlichkeit.
Natalya Rudakova als Valentina ist das umstrittenste Element des Films. Die Figur ist launisch und unberechenbar, und die Chemie in den gemeinsamen Szenen mit Frank fand ich eher seltsam als anziehend. Manche werden genau diese rohe, ungewohnte Energie mögen. Ich hatte eher das Gefühl, dass der Film selbst nicht so recht weiß, was er aus ihr machen will.
Ein alter Bekannter ist François Berléand, der erneut als Inspektor Tarconi zurückkehrt, und seine Anwesenheit hat etwas Beruhigendes: Er ist die einzige wirklich liebenswerte, menschliche Figur der Reihe, und das Duo mit Frank bringt fast so etwas wie Herzlichkeit in die maschinenhafte Action. Jeroen Krabbé, vielen aus Auf der Flucht und Der Hauch des Todes bekannt, gibt den Minister Vasilev mit solider Routine als verzweifelten Vater und Politiker zugleich.
Olivier Megaton und die Diktatur der Schnittschere
Olivier Megaton (der später auch bei 96 Hours: Taken 2 Regie führte) setzt hier auf einen Stil, der um 2008 und 2009 schwer in Mode war: kurze Einstellungen, wackelnde Kamera, hektischer Schnitt. Das macht die Prügeleien manchmal richtig energiegeladen, an anderen Stellen zerfällt die Bildfolge aber so sehr, dass man kaum noch mitbekommt, wer gerade wen wohin schlägt.
Das tut weh, denn ein Reiz der Reihe waren immer die choreografierten, verspielten, fast schon ballettartigen Kämpfe. Statham bewegt sich hervorragend und hätte es verdient, in längeren, klareren Einstellungen zu zeigen, was er kann. Megaton geht lieber auf Tempo und Dynamik als auf Übersicht. Bei den Autoszenen stört das weniger, da funktionieren Geschwindigkeit und roher Schwung, und an Schauwerten spart der Film ohnehin nicht.
Die 104 Minuten Laufzeit sind übrigens gut dosiert: Der Film schindet keine Zeit, verliert sich nicht in Erklärungen und kommt schnell zu dem, wofür man die Kinokarte gekauft hat.
Was funktioniert, und wo stottert der Motor?
Was gut ist:
- Statham, der allein schon Grund genug für Fans ist einzuschalten.
- Die rohe Energie der Auto- und Körperaction, die in ihren besten Momenten wirklich Spaß macht.
- Die Rückkehr von Inspektor Tarconi, der die Seele der Reihe geblieben ist.
- Das Tempo: Der Film bleibt nie stehen, er zieht durch.
Was weniger gut ist:
- Die Geschichte ist dünn. Der Konflikt um Müllentsorgung ist als Idee interessant, aber der Film macht nichts Richtiges daraus.
- Der Schurke bleibt ohne Gewicht, obwohl in Knepper mehr gesteckt hätte.
- Die Liebesgeschichte wirkt bemüht.
- Der Schnitt zerhackt mitunter genau das, was das Beste an der Reihe sein könnte.
Der erste Transporter war 2002 eine frische, freche, stilvolle Überraschung. Teil zwei ging 2005 schon offen in Richtung Comic-Übertreibung, war aber wenigstens bekennend unterhaltsam. Der dritte Teil wirkt dagegen wie Routinearbeit: Nichts daran ist wirklich schlecht, aber auch nichts bleibt hängen.
Für wen ist der Film?
- Für dich, wenn: Für Fans von Jason Statham, für alle, die die bisherigen Teile der Reihe mochten, und für jeden, der sich an einem entspannten Abend einen temporeichen Actionfilm zum Abschalten wünscht.
- Lieber auslassen, wenn: Wer eine starke Geschichte, einen denkwürdigen Bösewicht oder übersichtliche, sorgfältig choreografierte Action erwartet, wird enttäuscht. Und wer von hektischem, zerstückeltem Schnitt Kopfschmerzen bekommt, sollte ebenfalls lieber einen Bogen um den Film machen.
Wenn er dir gefällt, schau auch: The Transporter (2002), Transporter 2 (2005), Crank (2006), 96 Hours (2008), Ronin (1998)
Häufige Fragen
Worum geht es in Transporter 3?
Ein internationaler Entsorgungskonzern will in der Ukraine einen Standort eröffnen, doch Umweltminister Leonid Vasilev ist dagegen. Die Firma heuert Jonas Johnson an, der die Tochter des Ministers, Valentina, entführt. Die Spur führt schließlich zu Frank Martin, der handeln muss.
Wie lang ist Transporter 3?
Der Film dauert 104 Minuten.
Wann kam Transporter 3 in die deutschen Kinos?
Transporter 3 startete am 7. Januar 2009 in Deutschland.
Wer hat Transporter 3 inszeniert?
Regie führte Olivier Megaton. Der Film ist eine französisch-amerikanische Koproduktion.
Wer spielt den Bösewicht in Transporter 3?
Den Schurken Johnson spielt Robert Knepper, Frank Martin wird wieder von Jason Statham verkörpert.
Sollte man sich ein drittes Mal neben Frank Martin setzen?
Wer Statham mag: ja, aber bitte keine Wunder erwarten. Transporter 3 ist genau die Sorte Film, die am Sonntagnachmittag im Fernsehen perfekte Gesellschaft leistet: Es geht flott zur Sache, es wird geprügelt, die Reifen quietschen, und nachdenken muss man dabei nicht. Die Frische und Frechheit der früheren Teile erreicht er allerdings nicht mehr, und wegen der dünnen Story, des blassen Schurken und des chaotischen Schnitts ist er schnell wieder vergessen. Für Statham und Berléand lohnt sich eine Runde trotzdem noch, aber hier kommt die Lieferung eher aus Routine an als mit Schwung. Für mich gutes Mittelmaß, für Fans eine Stufe mehr.
