Demolition Man Kritik: Stallone gegen Snipes in einer viel zu höflichen Zukunft
Manche Filme altern besser als ihre eigenen Stars, und Demolition Man ist genau so ein Fall. 1993 wirkte er wie ein lauter Actionkracher, heute eher wie eine grinsende Satire, die sich über die Zukunft lustig gemacht hat, bevor sie überhaupt da war. Stallones aufgetauter Cop und Snipes' durchgeknallter Verbrecher gehen in einer Welt aufeinander los, in der niemand mehr weiß, wie man sich prügelt.
Laut, witzig, klüger als erwartet und auch nach über dreißig Jahren genau der Film, den wir an ihm so lieben.
Filmdaten
| Kinostart in Deutschland | 2.12.1993 |
|---|---|
| Regie | Marco Brambilla |
| Besetzung | Sylvester Stallone, Wesley Snipes, Sandra Bullock, Nigel Hawthorne, Benjamin Bratt, Rob Schneider |
| Genre | Krimis, Actionfilme, Science-Fiction-Filme |
| Laufzeit | 115 Min. |
| FSK | 16 |
| Land | Amerikanische Filme |
Vom Kühlfach in die Zukunft: Worum geht es in Demolition Man?
Die Ausgangslage ist denkbar simpel, und gerade deshalb funktioniert sie. Simon Phoenix ist der skrupelloseste Verbrecher von Los Angeles, John Spartan der brutalste Cop aller Zeiten. Ihr Duell endet unentschieden, das Ergebnis ist für beide trotzdem dasselbe: Sie landen im kryogenischen Gefängnis Kaliforniens, wo sie ihre Strafe tiefgefroren absitzen.
Dann kommt das Jahr 2032. Die Gesellschaft ist inzwischen vollkommen gewaltfrei, so steril und höflich, dass man das Desinfektionsmittel förmlich riechen kann. In genau diese Welt bricht Phoenix aus, und natürlich ist sofort die Hölle los. Die Stadtoberen müssen eine peinliche Wahrheit einsehen: Eine gewaltfreie Polizei weiß mit einem gewalttätigen Menschen schlicht nichts anzufangen. Infrage kommt nur ein einziger Mann, der noch härter ist als Phoenix: der Demolition Man.
Mehr muss man nicht wissen. Der Film setzt nicht auf überraschende Wendungen, sondern auf den herrlichen Zusammenprall zweier Actionhelden aus den Neunzigern mit einer übertrieben netten Zukunft.
Stallone, Snipes und ein Bösewicht mit Riesenspaß
Sylvester Stallone liefert als John Spartan genau das, was man von ihm erwartet, doch man spürt, wie sehr er es genießt, diesmal auch über sein eigenes Image lachen zu dürfen. Nach Rocky und Rambo ist das die Rolle, in der der große, grimmige Muskelmann in einer Umgebung landet, in der jede seiner Bewegungen zu viel ist. Dieser Fisch-auf-dem-Trockenen-Humor bringt dem Film enorm viel.
Die Show stiehlt allerdings Wesley Snipes. Sein Simon Phoenix ist blondiertes, grinsendes, unberechenbares Chaos, und Snipes spielt ihn, als hätte er an jedem Drehtag Geburtstag gehabt. Kein klassisch bedrohlicher Schurke, eher eine entfesselte Comicfigur, und das passt perfekt zum Ton des Films. Wer Snipes nur als düsteren Blade kennt, lernt hier eine völlig andere Seite von ihm kennen.
Und dann ist da Sandra Bullock als Lieutenant Lenina Huxley, die so etwas wie die Geheimwaffe des Films ist. Die Polizistin aus dem Jahr 2032, die für die Action der alten Zeit schwärmt, aber keine Ahnung hat, wie die Realität funktioniert, bekommt die besten Pointen. Bullocks Charme strahlt hier schon in voller Pracht, und es ist kein Zufall, dass sie kurz darauf zum großen Star wurde.
Die Leute, die im Hintergrund die Zukunft am Laufen halten
Auch die Nebenfiguren sind mehr als Kulisse. Nigel Hawthorne ist als Dr. Raymond Cocteau das perfekte, lächelnde Gesicht des Systems, bei dem man die ganze Zeit spürt, dass hinter all der Ruhe etwas nicht ganz koscher ist. Seine Zurückhaltung ist ein wunderbarer Gegenpol zu Snipes' Lautstärke.
Benjamin Bratt als Alfredo Garcia, Rob Schneider als Erwin, Bob Gunton als Chief George Earle und Glenn Shadix als Bob tragen alle dazu bei, dass das Los Angeles von 2032 glaubwürdig lächerlich wirkt. Die Polizisten der Zukunft sind hilflos, freundlich und ein bisschen bemitleidenswert, und genau das ist eine der stärksten Ebenen des Humors.
Kleine Randnotiz zu den Namen: Lenina Huxley ist nicht gerade subtil, aber ein liebenswertes Augenzwinkern in Richtung Aldous Huxleys Schöne neue Welt. Der Film weiß also, in welche dystopische Tradition er sich einreiht, nur eben nicht mit ernster Miene, sondern mit breitem Grinsen.
Marco Brambillas Zukunft: Plastik, Hochglanz und verdächtig vertraut
Die Regie von Marco Brambilla will kein Meisterwerk sein, und sie ist es auch nicht. Sie weiß aber genau, was sie will: einen flotten, spektakulären Actionfilm, bei dem schon die Kulisse selbst ein Gag ist. Die Welt von 2032 ist glänzend, aufgeräumt und so freundlich, dass es fast schon bedrohlich wirkt. Die Actionszenen sind deftig, riechen nach Schießpulver und atmen echtes Neunziger-Feeling, und gerade deshalb knallen sie so schön, wenn sie in diese sterile Zukunft hineinplatzen.
Am spannendsten ist, wie die Satire mit der Zeit immer schärfer geworden ist. Was 1993 nach witziger Übertreibung klang, eine Gesellschaft, die alles regelt, jede Unannehmlichkeit ausmerzt und selbst die Sprache desinfiziert, hört sich heute ganz anders an. Ich behaupte nicht, dass der Film in die Zukunft blicken konnte. Aber dass er besser gealtert ist als viele seiner ernster genommenen Zeitgenossen, steht fest.
Die 115 Minuten Laufzeit sind größtenteils gut gefüllt. Es gibt Leerlauf, und der Mittelteil schlingert hin und wieder, doch der Film findet immer noch eine Pointe oder eine Explosion, mit der er einen zurückholt.
Wo rutscht der tiefgefrorene Held aus?
Ich will nicht so tun, als wäre Demolition Man fehlerlos. Über die Grundidee hinaus ist die Geschichte ziemlich vorhersehbar, und wer von den Science-Fiction-Elementen tiefe Gedanken erwartet, wird enttäuscht: Der Film wirft Fragen eher auf, als sie zu Ende zu denken. Die Kritik an der gewaltfreien Gesellschaft ist clever, macht es sich aber manchmal zu bequem auf der Seite, nach der eine ordentliche Prügelei alles löst.
Einem Teil der Effekte sieht man sein Alter an, manches wirkt heute eher charmant retro als beeindruckend. Für mich ist das allerdings eher ein Vorzug: Der Film ist ein Abdruck seiner Zeit und muss sich dafür nicht schämen.
- Was richtig gut funktioniert: Snipes' entfesselte Darbietung, Bullocks Humor, die Satire auf die Zukunft.
- Was weniger: die vorhersehbare Handlung und einige zu lang geratene Szenen.
- Was überrascht: wie unterhaltsam das Ganze heute noch ist.
Kultfilm oder nur Nostalgie?
Die Frage ist berechtigt, denn viele Actionfilme der Neunziger lassen sich heute nur noch aus Nostalgie anschauen. Demolition Man spielt aber in einer anderen Liga. Wir mögen ihn nicht, weil wir ihn früher mochten, sondern weil sein Humor und seine Satire tatsächlich zünden. Neben RoboCop und Total Recall gehört er zu jener Art Action-Sci-Fi, die hinter der Gewalt einen ironischen Kommentar versteckt, nur deutlich verspielter.
Wer ihn heute zum ersten Mal sieht, dürfte überrascht sein, wie selbstironisch das alles ist. Stallone und Snipes spielen nicht die heiligen Denkmäler des Genres, sie lachen über sie, und genau das macht den Film so sympathisch.
Für wen ist der Film?
- Für dich, wenn: Fans des Actionkinos der Neunziger, die zu den Explosionen gern eine ordentliche Portion Humor und eine Prise Satire bekommen. Pflichtprogramm für alle, die Snipes in seiner verrücktesten Form erleben wollen.
- Lieber auslassen, wenn: Wer ernsthafte, tiefgründig ausgearbeitete Science-Fiction sucht oder mit überdrehter, lauter Action nichts anfangen kann. Für kleinere Kinder ist der Film nichts.
Wenn er dir gefällt, schau auch: RoboCop (1987), Total Recall (1990), Die Klapperschlange (1981), Das fünfte Element (1997), Dredd (2012)
Häufige Fragen
Wann kam Demolition Man in die deutschen Kinos?
Demolition Man startete am 2. Dezember 1993 in den deutschen Kinos.
Worum geht es in Demolition Man?
Der berüchtigte Verbrecher Simon Phoenix und der brutale Cop John Spartan landen beide im kryogenischen Gefängnis. Im Jahr 2032 kommt Phoenix in einer gewaltfreien Gesellschaft frei, und nur Spartan kann ihn aufhalten.
Wie lang ist Demolition Man?
Der Film hat eine Laufzeit von 115 Minuten.
Wer spielt in Demolition Man mit?
Sylvester Stallone (John Spartan), Wesley Snipes (Simon Phoenix), Sandra Bullock (Lenina Huxley), Nigel Hawthorne (Dr. Raymond Cocteau) sowie Benjamin Bratt, Rob Schneider, Bob Gunton und Glenn Shadix.
Wer hat Demolition Man inszeniert?
Regie führte Marco Brambilla.
Lohnt es sich, Demolition Man auch 2026 noch aufzutauen?
Ja, und zwar unbedingt. Demolition Man ist einer dieser seltenen Actionfilme aus den Neunzigern, für die man sich nicht entschuldigen muss: laut, witzig, manchmal dumm, aber immer im Bewusstsein, was er da tut. Snipes' Wahnsinn, Stallones selbstironische Grimmigkeit und Bullocks Charme ergeben eine Mischung, die seitdem kaum jemand kopieren konnte. Für einen Freitagabend kann ich mir wenige bessere Begleiter vorstellen. Popcorn in die Schüssel, die Zukunft für eine Weile vergessen und anschauen, wie man sie sich 1993 vorgestellt hat. Du wirst mehr lachen, als du denkst.
