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Vorab-Kritik · Im Kino ab 12.11.2026

Le città di pianura Vorab-Kritik: Eine italienische Kneipentour durch die venezianische Ebene, bei der niemand die letzte Runde auslässt

Italienische FilmeDeutsche FilmeKomödienRoadmovies

Manche Filme haben ein Motto, das man sich direkt an die Wand einer Kneipe malen könnte: Lass nie den letzten Drink aus. Francesco Sossais Komödie, die in Cannes ihre Premiere feierte, verspricht genau so ein Film zu werden. Mit zwei abgehalfterten, aber lebensklugen Fünfzigern und einem jungen Kerl, der zur falschen Zeit am falschen Ort in die falsche Gesellschaft gerät. Wir können es kaum erwarten zu sehen, was dabei herauskommt.

7,3/10
Erwartete Wertung
Le città di pianura verspricht ein charmantes, melancholisches und vermutlich ordentlich verkatertes italienisches Roadmovie zu werden, das den Geist der großen italienischen Komödien heraufbeschwören könnte.
Story
7
Schauspiel
8
Regie
7
Optik
7
Musik und Ton
7
Emotionen
8

Die Gesamtwertung ist der Durchschnitt der sechs Kriterien.

Filmdaten

Kinostart in Deutschland12.11.2026
RegieFrancesco Sossai
BesetzungFilippo Scotti, Sergio Romano, Pierpaolo Capovilla, Roberto Citran, Andrea Pennacchi
GenreKomödien
Laufzeit100 Min.
LandItalienische Filme, Deutsche Filme

Worum geht es? Zwei alte Füchse und ein Lamm zwischen den Theken

Die Ausgangslage ist so simpel, dass sie fast schon verdächtig wirkt. Aber solche Geschichten leben ohnehin nicht von raffinierten Plotwendungen. Da sind zwei klamme Typen Mitte fünfzig, Carlobianchi und Doriano, die genau eine Lebensphilosophie kennen: Lass nie den letzten Drink aus. Dieser eine Satz verrät mehr über die beiden als eine ganze Seite Figurenbeschreibung. Das sind die Kerle, die immer am Tresen sitzen, die zu allem eine Anekdote parat haben und die ihrem eigenen Leben irgendwie stets ein Stück hinterherlaufen.

Ihnen begegnet Giulio, ein schüchterner Architekturstudent, der ganz offensichtlich eigene Pläne hat, auch in Liebesdingen. Laut Inhaltsangabe wird aus dieser Begegnung ein chaotisches Abenteuer in der venezianischen Ebene, und schlechte Ratschläge, Kater und eine unerwartete Freundschaft wirbeln die Vorstellungen des Jungen gehörig durcheinander. Wohin die Geschichte genau abbiegt, wissen wir nicht, und ehrlich gesagt wollen wir es auch gar nicht vorher wissen. Die halbe Freude an solchen Filmen besteht darin, sich zusammen mit den Figuren treiben zu lassen.

Die venezianische Ebene: Hier schaukelt keine Gondel

Was mich besonders neugierig macht, ist der Schauplatz. Es geht nicht um das Postkartengesicht Venedigs, sondern um die Ebene im Hinterland, um jenes ländliche, kleinstädtische, dörfliche Italien, das man im Kino eher selten zu sehen bekommt. Keine Panoramen vom Markusplatz, dafür Landstraßen, Dorfbars, neblige Felder und Menschen, die in keinen Werbespot passen würden.

Nach eigenem Bekunden ist der Film eine Hommage an die Vielfalt Italiens, und das spürt man schon an der Wahl des Schauplatzes. Wenn Sossai klug mit der Landschaft umgeht, kann die Ebene selbst zur Figur werden: ein Ort, an dem die Zeit langsamer vergeht und an dem sich eine nächtliche Kneipentour wie ein ganzes Leben anfühlen kann. Ich hoffe sehr, dass der Film den Mut hat, langsam zu sein, wo es nötig ist.

Francesco Sossai im Schatten großer Vorbilder

Der Name Francesco Sossai dürfte hierzulande den wenigsten etwas sagen, doch die Eckdaten des Films sprechen für sich: Premiere bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes, für eine italienisch-deutsche Koproduktion im Komödienfach eine beachtliche Empfehlung. Cannes lädt keine reinen Gagparaden ein, also dürfen wir vermutlich mit einem feineren, bittersüßen Humor rechnen.

Der größte Anspruch liegt allerdings darin, dass sich der Film ausdrücklich als Verbeugung vor den Größten des italienischen Kinos versteht. Das ist eine mutige Ansage. Die italienische Komödie hat eine unglaubliche Tradition, von der Commedia all'italiana bis zu einer ganzen Galerie von Herumtreibern und Lebenskünstlern, die zugleich lächerlich und herzzerreißend menschlich sind. Schöpft Sossai aus dieser Quelle, startet er an der richtigen Stelle. Das Risiko besteht natürlich darin, dass Nostalgie schnell in bloßes Zitieren abrutscht. Ich bin zuversichtlich, dass das hier nicht passiert.

Die Besetzung: Unbekannte Gesichter, die man im Blick behalten sollte

Im Ensemble ist Filippo Scotti für das internationale Publikum der bekannteste Name: In Paolo Sorrentinos Die Hand Gottes spielte er die Hauptrolle und brachte die Unsicherheit und Empfindsamkeit eines Teenagers sehr fein auf die Leinwand. Damit wirkt er wie die perfekte Wahl für den schüchternen Giulio, der sich von den Ereignissen mitreißen lässt.

Daneben stehen Sergio Romano, Pierpaolo Capovilla, Roberto Citran und Andrea Pennacchi auf der Besetzungsliste. Dem deutschen Publikum sind sie weniger vertraut, doch genau das könnte ein Trumpf des Films sein: In solchen Geschichten ist es viel glaubwürdiger, wenn keine Stars als Stammgäste Mitte fünfzig verkleidet auftreten, sondern Gesichter, denen man ihre Rollen abnimmt. Die Seele einer Buddy-Komödie ist immer die Chemie, und wenn das Duo Carlobianchi und Doriano funktioniert, ist der Film schon zur Hälfte gewonnen.

Was ihn richtig gut machen könnte und wo er ins Straucheln geraten kann

Was spricht dafür?

Und wo liegen die Risiken?

Für wen ist der Film?

Wenn er dir gefällt, schau auch: Il sorpasso (1962), Die Hand Gottes (2021), Sideways (2004), Der Rausch (2020)

Häufige Fragen

Wann startet Le città di pianura in den deutschen Kinos?

Der Film kommt am 12. November 2026 in die deutschen Kinos.

Worum geht es in Le città di pianura?

Zwei klamme Fünfziger, Carlobianchi und Doriano, lernen den schüchternen Architekturstudenten Giulio kennen. Daraus entwickelt sich ein chaotisches Abenteuer in der venezianischen Ebene, das auch Giulios Liebespläne gründlich durcheinanderbringt.

Wie lang ist der Film?

Le città di pianura hat eine Laufzeit von 100 Minuten.

Wer hat Le città di pianura inszeniert?

Regie führte Francesco Sossai. Der Film feierte seine Premiere bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes.

Wer spielt mit?

In den Hauptrollen sind Filippo Scotti, Sergio Romano, Pierpaolo Capovilla, Roberto Citran und Andrea Pennacchi zu sehen.

Setzt du dich im November auf noch eine Runde zu ihnen?

Ich auf jeden Fall. Le città di pianura gehört nicht zu den großen, spektakulären Blockbustern, und genau das macht ihn spannend. Er verspricht eine kleine, menschlich dimensionierte italienische Komödie zu werden, die nach der Premiere in Cannes und ihrer mutigen Hommage mehr will, als nur zum Lachen zu bringen. Trifft Sossai den Ton zwischen Witz und Melancholie, könnte das eine der angenehmsten Überraschungen dieses Herbstes werden. Meine erwartete Wertung: eine starke Sieben, ein Film, nach dem man Lust bekommt, einen alten Kumpel anzurufen. Nur mit dem letzten Drink sollte man danach vorsichtig sein.

Erwartete Wertung: 7,3/10 · Story 7 · Schauspiel 8 · Regie 7 · Optik 7 · Musik und Ton 7 · Emotionen 8