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Kritik · Kinostart: 6.1.2022

The King's Man - The Beginning Kritik: Ralph Fiennes rettet die Welt, der Film sich selbst nur zur Hälfte

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Wer hätte gedacht, dass die Vorgeschichte der verrücktesten Agentenreihe der letzten Jahre plötzlich wie ein ernstes Drama über den Ersten Weltkrieg daherkommen will? The King's Man - The Beginning versucht, zwei Filme gleichzeitig zu verkaufen: eine bewegende Kriegsgeschichte und eine überdrehte, blutige Actionkomödie. Mal gewinnt das eine, mal das andere, und man selbst wird als Zuschauer ständig hin und her geworfen.

7,0/10
Wertung
Wegen Ralph Fiennes und Rhys Ifans ein Muss, doch der Film findet seinen eigenen Ton nie ganz.
Story
6
Schauspiel
8
Regie
7
Optik
8
Musik und Ton
7
Emotionen
6

Die Gesamtwertung ist der Durchschnitt der sechs Kriterien.

Filmdaten

OriginalThe King's Man
Kinostart in Deutschland6.1.2022
RegieMatthew Vaughn
BesetzungRalph Fiennes, Gemma Arterton, Rhys Ifans, Matthew Goode, Tom Hollander, Harris Dickinson
GenreActionfilme, Abenteuerfilme, Thriller
Laufzeit131 Min.
FSK16
LandBritische Filme, Amerikanische Filme

Worum geht es, ohne Spoiler?

Die Ausgangslage ist simpel, die Umsetzung weniger. Die schlimmsten Tyrannen und kriminellen Genies der Geschichte tun sich zusammen, um mit einem Krieg Millionen Menschen auszulöschen, und nur ein einziger Mann kann sie in einem Wettlauf gegen die Zeit aufhalten. Dieser Mann ist Orlando Oxford, gespielt von Ralph Fiennes, an seiner Seite sein Sohn Conrad, verkörpert von Harris Dickinson.

The King's Man - The Beginning folgt also nicht den Kingsman-Agenten der Gegenwart, sondern springt zurück in die Zeit, in der die Organisation überhaupt erst entstanden sein könnte. Mehr verrate ich nicht, denn die besten Momente des Films leben genau davon, dass man nie weiß, wohin die Geschichte in der nächsten Szene abbiegt.

Der Originaltitel lautet schlicht The King's Man, der deutsche Zusatz macht aber klar, worauf man sich einstellen sollte: Das hier ist eine Origin-Story, das Prequel der Reihe. Wer die ersten beiden Teile mochte, findet vertraute Elemente wieder, allerdings mit ganz anderer Gewichtung.

Matthew Vaughn auf dem Drahtseil zwischen den Tonlagen

Der Name Matthew Vaughn steht für eines: Langweilig wird es nicht. Seit Kick-Ass und den ersten beiden Kingsman-Filmen gilt er als Meister der stilisierten, überzeichneten, komischen Gewalt, und das hat er auch hier nicht verlernt. Das Problem: Diesmal wollte er auch etwas Ernsteres erzählen. Über weite Strecken benimmt sich der Film tatsächlich wie ein Kriegsdrama, mit Vater-Sohn-Geschichte und Gedanken über die Sinnlosigkeit des Krieges.

Diesen Ehrgeiz respektiere ich sehr. Wenn aber fünf Minuten nach einer erschütternden Szene eine comichaft durchgeknallte Actionsequenz folgt, heben sich beide Stimmungen gegenseitig auf. Nicht die Mischung an sich ist das Problem, sondern dass Vaughn die Nahtstellen nicht immer trifft. Handwerklich ist die Regie dagegen tadellos: Die Kamera weiß genau, wo sie hingehört, und die Kampfszenen sind übersichtlich und einfallsreich choreografiert.

Ralph Fiennes, der perfekte Gentleman-Killer

Wenn ich nur einen Grund nennen dürfte, warum man sich den Film ansehen sollte, dann wäre es Ralph Fiennes. Als Orlando Oxford ist er würdevoll, müde, ein liebender Vater und ein tödlicher Fechter zugleich. Fiennes gehört zu den Schauspielern, die mit einem Heben der Augenbraue mehr erzählen als andere mit einem ganzen Monolog, und hier bekommt er endlich auch Action. Elegant, trocken im Humor, und die Last der Vergangenheit nimmt man ihm jederzeit ab.

Harris Dickinson spielt Conrad als begeisterten jungen Mann, der sich unbedingt beweisen will, und die Dynamik zwischen den beiden ist das emotionale Rückgrat des Films. Gemma Arterton bekommt als Polly weniger Leinwandzeit, als sie verdient hätte, stiehlt aber jede ihrer Szenen. Djimon Hounsou ist als Shola eine starke, charismatische Präsenz, und auch bei ihm hätte ich gern mehr gesehen.

Rasputins Tanz und die Parade der Schurken

Und dann wäre da Rhys Ifans, an dem man einfach nicht vorbeikommt. Als Grigori Rasputin liefert er eine so hemmungslose, schamlose, herrlich widerliche Darbietung ab, dass die denkwürdigsten Minuten des Films eindeutig ihm gehören. Ifans wusste ganz offensichtlich, in was für einem Film er mitspielt, und hat noch eine Schippe draufgelegt. Genau diese Art Wahnsinn ist der Grund, warum man überhaupt einen Kingsman-Film schaut.

Herrlich ist auch die Idee, Tom Hollander gleichzeitig King George, Kaiser Wilhelm und Zar Nikolaus spielen zu lassen. Diese Dreifachrolle ist Gag und ironischer Kommentar in einem: Große Politik war damals eben eine Familienangelegenheit. Daniel Brühl als Erik Jan Hanussen und Matthew Goode als Morton sorgen zusätzlich für Farbe. Bei so einer Besetzung kann man kaum danebengreifen, und der Film tut es auch nicht.

Wo hakt es?

Die 131 Minuten spürt man. Die erste Hälfte kommt nur langsam in Gang, es gibt viel Vorgeplänkel und historische Erklärungen, und irgendwann habe ich mich gefragt: Wann kommt denn jetzt endlich Kingsman? The King's Man - The Beginning ist oft eher Kostüm-Abenteuer als Agentenfilm. Das ist nicht schlimm, nur eben etwas anderes, als Fans erwarten.

Die zweite Schwäche liegt im Aufbau des Drehbuchs. Die Verschwörung der Bösewichte ist mal zu verschachtelt, mal zu simpel, und die großen Enthüllungen treffen nicht so hart, wie sie sollten. Am stärksten ist der Film in einzelnen Szenen, einem Duell hier, einem Dialog dort, nicht im großen Ganzen.

Bilder, Musik, Atmosphäre

Optisch ist der Film ein Genuss. Die zeitgenössischen Interieurs, die Kostüme, die Landsitze und der Kontrast zum Schlachtfeld ergeben starke Bilder. Wenn Vaughn die Realität des Krieges zeigt, ist das wirklich beklemmend, und das gehört zu den mutigsten Entscheidungen des Films. Die Musik dient den Szenen gut: Bei der Action treibt sie an, im Drama drängt sie sich nicht auf. An die ikonischen Momente des ersten Teils reicht sie nicht heran, aber sie macht ihren Job.

Zartbesaitete sollten wissen: Der Film ist brutal, und die Kriegsszenen beschönigen nichts. Kein Kinderfilm, so verspielt einzelne Passagen auch wirken.

Für wen ist der Film?

Wenn er dir gefällt, schau auch: Kingsman: The Secret Service (2014), Kingsman: The Golden Circle (2017), Sherlock Holmes (2009), Inglourious Basterds (2009), 1917 (2019)

Häufige Fragen

Wann kam The King's Man - The Beginning in die deutschen Kinos?

Der Film startete am 6. Januar 2022 in Deutschland.

Wie lang ist The King's Man - The Beginning?

Der Film dauert 131 Minuten.

Wer hat The King's Man - The Beginning inszeniert?

Regie führte Matthew Vaughn, der auch die früheren Kingsman-Filme verantwortet hat.

Wer spielt in dem Film mit?

Ralph Fiennes spielt die Hauptrolle als Orlando Oxford, daneben sind Gemma Arterton, Rhys Ifans, Matthew Goode, Tom Hollander, Harris Dickinson, Daniel Brühl und Djimon Hounsou zu sehen.

Worum geht es in The King's Man - The Beginning?

Die Tyrannen und kriminellen Genies der Geschichte wollen einen Krieg entfesseln, um Millionen Menschen auszulöschen, und ein einziger Mann versucht, sie in einem Wettlauf gegen die Zeit aufzuhalten.

Lohnt sich die Reise zu den Wurzeln von Kingsman?

Ja, aber nicht mit den üblichen Erwartungen. The King's Man - The Beginning ist unausgewogen, zu lang und weiß nicht immer, ob er Komödie oder Tragödie sein will. Doch die würdevolle Präsenz von Ralph Fiennes, Rhys Ifans' entfesselter Rasputin und einige richtig starke Actionszenen sind locker einen Abend wert. Nicht der Höhepunkt der Reihe, aber ein mutigerer Film, als ich erwartet hatte, und deshalb verzeihe ich ihm gern seine Schwächen. Mit einem Glas Wein und offenem Herzen: eine Sieben, eher aufgerundet.

Wertung: 7,0/10 · Story 6 · Schauspiel 8 · Regie 7 · Optik 8 · Musik und Ton 7 · Emotionen 6