Hangover 2 Kritik: In Bangkok steigt dieselbe Party, nur schwitzt man mehr
Irgendwann ist ein Kater nicht mehr lustig, sondern eine Diagnose. Todd Phillips hat 2011 das Wolfsrudel noch einmal zusammengetrommelt, es von Las Vegas nach Bangkok verfrachtet und im Grunde denselben Albtraum ein zweites Mal durchspielen lassen. Bleibt nur die Frage, ob ein bewährtes Rezept besser schmeckt, wenn man einfach mehr Chili draufkippt.
Eine unterhaltsame, laute und stellenweise wirklich zum Brüllen komische Fortsetzung, die sich allerdings so eng an das Schema des ersten Teils klammert, dass die Kraft der Überraschung fast vollständig verdampft.
Filmdaten
| Original | The Hangover Part II |
|---|---|
| Kinostart in Deutschland | 1.6.2011 |
| Regie | Todd Phillips |
| Besetzung | Bradley Cooper, Ed Helms, Zach Galifianakis, Justin Bartha, Mason Lee, Ken Jeong |
| Genre | Komödien |
| Laufzeit | 102 Min. |
| FSK | 12 |
| Land | Amerikanische Filme |
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Hochzeit in Thailand, was soll schon schiefgehen?
Die Ausgangslage kennt man: Diesmal schickt sich Stu Price (Ed Helms) selbst an die Front, denn er ist es, der Ja sagt, und zwar in Thailand. Der Zahnarzt hat aus der Vergangenheit gelernt, oder will es zumindest glauben. Kein Junggesellenabschied, keine Sauftour, nur ein vorsichtiges, absolut sicheres Beisammensein im Garten, bei dem höchstens mal eine Cocktailtomate vom Teller kullert.
Seine Kumpels Phil (Bradley Cooper), Alan (Zach Galifianakis) und Doug (Justin Bartha) nehmen so viel Anstand verständlicherweise eher enttäuscht zur Kenntnis. Und natürlich gilt die alte Weisheit, die auch der Film gern bemüht: Der Mensch denkt, und dann machen andere mit ihm, was sie wollen. Was genau in dieser Nacht passiert, verrate ich nicht. Nur so viel: Der Morgen beginnt wieder mit dröhnendem Schädel, Filmriss und einem Haufen offener Fragen. Las Vegas wirkt dagegen wie ein Sonntagsspaziergang.
Dasselbe Lied, nur neu arrangiert
Fangen wir mit dem Offensichtlichen an, denn um dieses Thema kommt keine Besprechung des Films herum. Hangover 2 ist nicht einfach eine Fortsetzung, sondern beinahe ein Remake. Aufbau, Rhythmus, die Detektivstruktur, das ganze Spiel nach dem Motto "Puzzeln wir zusammen, was gestern passiert ist" folgen Schritt für Schritt dem ersten Teil. Das ist zugleich das größte Sicherheitsnetz des Films und seine größte Schwäche.
Ein Sicherheitsnetz, weil der erste Teil funktioniert hat. Der Film von 2009 gewann einen Golden Globe, wurde zur großen Kinosensation des Sommers und hat bis heute Kultstatus. Ein Studio geht da kein Risiko ein, und ehrlich gesagt will ein Großteil des Publikums auch nichts anderes als noch eine Portion von dem, worüber es sich schon einmal am Boden gekugelt hat. Eine Schwäche ist es trotzdem, weil die Überraschung eine der wichtigsten Waffen jeder Komödie ist. Wenn ich weiß, dass die Wendung kommt, ist sie keine Wendung mehr, sondern ein Fahrplan.
Mich hat das stellenweise richtig gestört. Bei manchen Szenen wusste ich eine halbe Sekunde vor der Pointe genau, was passieren wird, und statt eines Lachers kam nur ein müdes Nicken. An anderen Stellen steht der Film dann aber so frech zu seiner eigenen Wiederholung, dass genau das schon wieder komisch ist.
Das Wolfsrudel hält den Laden immer noch zusammen
Wenn etwas diesen Film rettet, dann die Chemie im Ensemble. Diese Jungs wirken tatsächlich wie Leute, die sich kennen, sich gegenseitig auf die Nerven gehen und trotzdem nirgendwo ohne einander hinwollen.
- Bradley Cooper ist als Phil weiterhin der lässig arrogante Anführer, dem das Selbstbewusstsein sogar noch hinter der Sonnenbrille hervorstrahlt. Er hält den Film am Boden, wenn die anderen abheben.
- Ed Helms gibt mit Stu das eigentliche Opfer des Films und spielt die Dauerpanikattacke hervorragend. Der verkrampfte Musterknabe, den das Schicksal immer wieder zerlegt, ist eine der besten Figuren der Reihe.
- Zach Galifianakis spaltet als Alan die Gemüter, und hier noch mehr als zuvor. Für die einen ist er die Seele des Films, für die anderen sein nervigster Teil. Ich stehe irgendwo dazwischen: Wenn er trifft, ist das genial, aber manchmal lässt man ihn einfach zu lange weiterdrehen.
- Ken Jeong ist als Mr. Chow erneut diese unberechenbare Variable, der man alles zutraut. In kleinen Dosen wirkt er stark, und zum Glück weiß der Film das auch.
- Justin Bartha ist als Doug wieder eher Präsenz als Hauptfigur, was zum Konzept gehört.
In Nebenrollen tauchen Mason Lee als Teddy, Jeffrey Tambor als Alans Vater Sid Garner und ein echter Überraschungsgast auf: Paul Giamatti als Kingsley. Giamatti gehört zu den Schauspielern, die selbst dem Vorlesen eines Telefonbuchs Gewicht verleihen könnten, und es macht großen Spaß, ihn in diesem Chaos zu erleben.
Todd Phillips und Bangkok, die perfekte Kulisse fürs Durcheinander
Todd Phillips weiß als Regisseur, wie man eine Komödie auch optisch spannend macht. Las Vegas war im ersten Teil glitzernd und künstlich, Bangkok dagegen ist roh, überfüllt und schwül und verleiht dem ganzen Film einen düstereren, schmutzigeren Ton. Für mich ist das eine der besten Entscheidungen dieser Fortsetzung: Der Schauplatz bringt wirklich etwas mit und ist nicht bloß Hintergrund.
Auch mit dem Tempo geht Phillips gut um. Die 102 Minuten fühlen sich nicht lang an, der Film kommt voran, die Szenen sitzen, und man ertappt sich nicht beim Blick auf die Uhr. Trotzdem spürt man, dass der Regisseur hier weniger experimentiert und eher eine bewährte Maschine ölt. Der dunklere Ton treibt den Humor manchmal in eine Richtung, in der es eher peinlich und derb als witzig wird, und das wird nicht jedem gefallen.
Wo die Pointe schlappmacht
Ich will nicht ungerecht sein: Ich habe über diesen Film gelacht, teilweise sogar laut. Das größte Problem von Hangover 2 ist aber, dass er Derbheit oft als Ersatz für Einfallsreichtum benutzt. Kam der Humor im ersten Teil aus absurden Situationen, geht es hier häufig eher um den Schockeffekt. Mehr nackte Haut, mehr Extreme, mehr Momente der Sorte "Haben die das gerade wirklich gezeigt?".
Ab einem gewissen Punkt ermüdet das. Eine Komödie wird nicht besser, nur weil sie lauter ist, und einige Szenen scheinen vor allem dafür da zu sein, dass man empört aufstöhnen kann. Auch die Figuren entwickeln sich kaum weiter: Alle bleiben, wer sie waren. Bei einer Filmreihe kann das eine Stärke sein, hier fühlt es sich eher nach Stillstand an.
Für wen ist der Film?
- Für dich, wenn: Für alle, die den ersten Teil geliebt haben und sich eine weitere Portion desselben lupenreinen Chaos wünschen. Für einen Bierabend mit Freunden eine ausgesprochen gute Wahl.
- Lieber auslassen, wenn: Für alle, die von einer Fortsetzung Originalität erwarten oder mit derbem, manchmal peinlichem Humor wenig anfangen können. Für Kinder ist der Film ohnehin nichts.
Wenn er dir gefällt, schau auch: Hangover (2009), Hangover 3 (2013), Stichtag (2010), Brautalarm (2011)
Häufige Fragen
Wann ist Hangover 2 in Deutschland gestartet?
Der Film kam am 1. Juni 2011 in die deutschen Kinos.
Worum geht es in Hangover 2?
Stu heiratet in Thailand und plant eine vorsichtige Feier im Garten, doch er und seine Freunde wachen erneut nach einer vergessenen Nacht auf und müssen in Bangkok herausfinden, was passiert ist.
Wie lang ist Hangover 2?
Der Film dauert 102 Minuten.
Wer hat Hangover 2 inszeniert?
Regie führte Todd Phillips, der auch schon den ersten Teil gedreht hat.
Wer spielt in Hangover 2 mit?
Bradley Cooper, Ed Helms, Zach Galifianakis, Justin Bartha, Ken Jeong, Mason Lee, Paul Giamatti und Jeffrey Tambor.
Lohnt es sich, mit dem Wolfsrudel noch einmal in Bangkok aufzuwachen?
Wenn dir der erste Teil am Herzen liegt, dann ja, aber mit gedämpften Erwartungen. Hangover 2 ist wie die Wiederholung einer gelungenen Party mit denselben Leuten: Es wird lustig, es gibt denkwürdige Momente, aber so wie beim ersten Mal wird es irgendwie nie. Die Darsteller geben alles, Bangkok ist eine großartige Kulisse und Paul Giamatti ein echter Bonus. Nur überraschen lassen solltest du dich nicht erwarten. Als lockeres, leicht schuldbewusstes Vergnügen taugt der Film bestens, für einen Klassiker reicht es nicht. Bei mir landet er im soliden Mittelfeld, mit einem Bier und guter Gesellschaft einen halben Punkt höher.
