Killer's Bodyguard Kritik: Ryan Reynolds und Samuel L. Jackson fluchen sich quer durch Europa
Manche Filmrezepte lassen sich in einem Satz erklären, und man weiß sofort, dass der Abend gerettet ist: Man setze einen überkorrekten Bodyguard und einen großmäuligen Auftragskiller in ein Auto und jage um sie herum halb Europa in die Luft. Genau das macht Killer's Bodyguard. Der Film erfindet nichts neu, tritt aber mit so viel Begeisterung aufs Gaspedal, dass man ihm kaum böse sein kann. Das Gezänk zwischen Ryan Reynolds und Samuel L. Jackson ist der Motor dieses Films, und dieser Motor läuft fast durchgehend auf Hochtouren.
Nicht klug, nicht originell, aber dank der Chemie seiner beiden Stars eine der unterhaltsamsten Buddy-Actionkomödien der letzten Jahre.
Filmdaten
| Original | The Hitman's Bodyguard |
|---|---|
| Kinostart in Deutschland | 31.8.2017 |
| Regie | Patrick Hughes |
| Besetzung | Ryan Reynolds, Samuel L. Jackson, Gary Oldman, Salma Hayek Pinault, Élodie Yung, Richard E. Grant |
| Genre | Actionfilme, Komödien, Krimis, Thriller |
| Laufzeit | 118 Min. |
| FSK | 16 |
| Land | Bulgarische Filme, Kanadische Filme, Französische Filme, Hongkong-Filme, Amerikanische Filme, Britische Filme |
Worum geht es? Ein Bodyguard, ein Killer und eine sehr lange Fahrt nach Den Haag
Michael Bryce, gespielt von Ryan Reynolds, gehört zur absoluten Elite seines Fachs: ein Personenschützer, der seine Klienten lebend von A nach B bringt. Doch eines Tages landet ein Auftrag auf seinem Tisch, der ihm komplett gegen die Ehre geht. Ausgerechnet Darius Kincaid, einen der berüchtigtsten und meistgesuchten Auftragskiller der Welt, soll er beschützen. Samuel L. Jackson spielt ihn. Das Verhältnis der beiden ist, vorsichtig formuliert, belastet: Bisher standen sie an entgegengesetzten Enden der Waffe, und Freundschaft war dabei nicht im Spiel.
Ziel ist der Gerichtshof in Den Haag, wo Kincaid lebend ankommen muss. Das Problem: Außer den beiden will das so gut wie niemand. Die halbe Unterwelt ist ihnen auf den Fersen, der skrupellose osteuropäische Diktator Vladislav Dukhovich will ihre Köpfe, und als wäre das nicht genug, taucht auch noch Kincaids berüchtigte Ehefrau Sonia auf. Heraus kommt ein europäischer "Urlaub" voller Explosionen, Verfolgungsjagden und blutiger Abrechnungen, bei dem der größte Feind manchmal nicht die Kugel ist, sondern der nervtötende Typ auf dem Beifahrersitz.
Kompliziert will die Geschichte gar nicht sein, und das ist auch gut so. Wir haben es mit einem klassischen Zwangsgemeinschaft-Film zu tun, dessen Handlung vor allem dazu dient, die beiden Helden in möglichst viele Situationen zu bringen, in denen sie sich gegenseitig auf die Nerven gehen können.
Reynolds gegen Jackson: die eigentliche Waffe des Films
Wer wissen will, warum sich dieser Film lohnt, bekommt als Antwort zwei Namen. Ryan Reynolds ist seit Deadpool das Paradebeispiel für den sarkastischen, selbstironischen Actionhelden. Hier spielt er interessanterweise die steife, regeltreue und dauergereizte Hälfte des Duos. Bryce will alles unter Kontrolle haben, und Kincaid zerpflückt diese Kontrolle mit jedem einzelnen Satz. Reynolds spielt den langsam hochkochenden Nervenzusammenbruch ganz hervorragend.
Samuel L. Jackson wiederum macht das, was wir seit Pulp Fiction von ihm erwarten und was niemand so beherrscht wie er: Er flucht, grinst und hat jede Szene in aller Seelenruhe im Griff. Darius Kincaid ist ein Mörder, aber Jackson verleiht ihm so viel Charme, dass man ihm unweigerlich die Daumen drückt. Die Wortgefechte der beiden sind die besten Momente des Films und oft deutlich witziger als die Action selbst.
Wichtig dabei: Die Chemie besteht nicht nur aus Pointen. Wie die beiden Figuren zunehmend aufeinander angewiesen sind, hat etwas altmodisch Liebenswertes, das an die besten Buddy-Actionfilme der Achtziger erinnert.
Gary Oldman, Salma Hayek und der Rest der Truppe
Gary Oldman als osteuropäischer Diktator Vladislav Dukhovich wirkt auf den ersten Blick wie eine Luxusbesetzung für einen so leichtfüßigen Genrefilm. Oldman hat im Laufe seiner Karriere schon einige unvergessliche Bösewichte gespielt, und auch hier liefert er kalte, unberechenbare Bedrohung. Ehrlich gesagt gibt ihm das Drehbuch aber nicht annähernd so viel Raum, wie ein Schauspieler seines Kalibers verdient hätte. Der Schurke ist hier eher Funktion als Figur.
Salma Hayek als Sonia Kincaid ist dagegen schlicht umwerfend. Die berüchtigte Ehefrau des Killers bekommt nicht viele Szenen, aber sobald sie auftaucht, reißt sie die gesamte Energie des Films an sich. Hayek genießt sichtlich jede Minute, und die Figur ist so laut und überdreht, dass sie locker einen eigenen Film tragen könnte.
Élodie Yung steht als Amelia Roussel für die ernstere, bodenständigere Seite des Films, während Richard E. Grant, Joaquim de Almeida und Kirsty Mitchell das Nebenensemble verstärken. Grant eignet sich besonders gut für Figuren, über die man herzhaft lachen darf, und genau das nutzt der Film auch.
Patrick Hughes' Action: viel Krawall, überraschend guter Rhythmus
Regie führt Patrick Hughes, der zuvor auch The Expendables 3 inszeniert hat. Er kennt also die Sorte Actionfilm, bei der die Menge an Schießpulver wichtiger ist als die Feinheiten der Handlung. Hier arbeitet er allerdings mit sichererer Hand als dort: Die Actionszenen sind abwechslungsreich, die Verfolgungsjagden haben ordentlich Schwung, und Langeweile lässt der Film kaum aufkommen.
Besonders gefallen hat mir, wie der Film mit seinem Tonfall umgeht. Vor Blut schreckt er nicht zurück, stellenweise wird es richtig brutal, und trotzdem ist er durchgehend komisch. Diese Mischung hätte leicht auseinanderfallen können, aber Hughes hält sie gut zusammen, und die europäischen Schauplätze liefern eine schöne, lebendige Kulisse für das Chaos.
Die 118 Minuten Laufzeit spürt man allerdings. Eine gute Viertelstunde kürzer wäre der Film straffer geworden, vor allem im Mittelteil, wo er sich gelegentlich wiederholt.
Wo er ins Schleudern gerät: Vorhersehbarkeit und zu viele Ehrenrunden
Ich will nicht so tun, als wäre das ein makelloser Film, denn das ist er nicht. Das Handlungsgerüst ist komplett vorhersehbar, und wer schon ein paar Buddy-Actionkomödien gesehen hat, ahnt ziemlich genau, wohin die Reise geht. Der Bösewicht bleibt, wie oben erwähnt, unterentwickelt, und der ernstere, politische Erzählstrang ist eher ein Vorwand für die nächste Schießerei.
Auch der Humor schwankt: Die besten Gags stecken in den gemeinsamen Szenen der beiden Hauptfiguren. Sobald der Film sie trennt, sackt das Tempo spürbar ab. Einige Witze setzen zudem zu sehr aufs Fluchen. Aus Jacksons Mund funktioniert das zwar immer, aber irgendwann nutzt sich der Reiz ab.
Trotz allem sind das eher Schönheitsfehler. Der Film weiß genau, was er sein will, und hält sich auch daran.
Für wen ist der Film?
- Für dich, wenn: Für alle, die wortgewaltige Buddy-Filme mit reichlich Geballer mögen, und für Fans von Ryan Reynolds oder Samuel L. Jackson. Ideal für einen Freitagabend mit Freunden.
- Lieber auslassen, wenn: Wer einen tiefgründigen, wendungsreichen Krimi oder glaubwürdige Action sucht, wird enttäuscht. Auch wer sich an viel Blut und Dauerfluchen stört, sollte lieber verzichten.
Wenn er dir gefällt, schau auch: Lethal Weapon (1987), Midnight Run (1988), Rush Hour (1998), The Nice Guys (2016), Mr. & Mrs. Smith (2005)
Häufige Fragen
Worum geht es in Killer's Bodyguard?
Der Profi-Bodyguard Michael Bryce muss ausgerechnet seinen Todfeind, den Auftragskiller Darius Kincaid, lebend zum Gerichtshof nach Den Haag bringen, während die halbe Unterwelt und ein osteuropäischer Diktator ihnen auf den Fersen sind.
Wann ist Killer's Bodyguard in Deutschland gestartet?
Der Film lief am 31. August 2017 in den deutschen Kinos an.
Wie lang ist Killer's Bodyguard?
Der Film hat eine Laufzeit von 118 Minuten.
Wer spielt in Killer's Bodyguard mit?
Die Hauptrollen spielen Ryan Reynolds und Samuel L. Jackson, daneben sind Gary Oldman, Salma Hayek Pinault, Élodie Yung, Richard E. Grant, Joaquim de Almeida und Kirsty Mitchell zu sehen.
Wer hat bei Killer's Bodyguard Regie geführt?
Regie führte Patrick Hughes.
Wie lautet der Originaltitel von Killer's Bodyguard?
Der Originaltitel lautet The Hitman's Bodyguard.
Steigst du zu Bryce und Kincaid ein für diese blutige Europatour?
Ich finde: auf jeden Fall. Killer's Bodyguard wird es nicht in die Filmgeschichtsbücher schaffen, und die Story ist so berechenbar wie ein Fahrplan. Aber ein so gut harmonierendes Hauptdarstellerduo sieht man selten. Ryan Reynolds' nervöse Pedanterie und Samuel L. Jacksons lässiges Chaos ergeben eine Dynamik, die locker zwei Stunden trägt, und Salma Hayek fegt durch jede ihrer Szenen und stiehlt allen die Show. Wer Lust auf eine laute, witzige und stellenweise überraschend brutale Actionkomödie hat, die nicht mehr sein will, als sie ist, ist hier genau richtig. Kopf aus, Popcorn bereitstellen und den Ausflug nach Den Haag genießen.
