Planet der Affen Kritik: Tim Burtons verkehrte Welt, in der der Mensch zur Beute wird
Kaum ein Remake wird so oft verrissen und gleichzeitig so oft wieder angeschaut. Tim Burton nahm sich 2001 mit Planet der Affen eine legendäre Science-Fiction-Vorlage vor und machte daraus einen seltsamen, prachtvollen, manchmal ungelenken, aber nie langweiligen Film. Auch ein Vierteljahrhundert später bleibt die Frage dieselbe: grandioses Scheitern oder unterschätzter Abenteuerfilm?
Bildgewaltig und bei den Affen schlicht beeindruckend, auf menschlicher Seite leider hölzernes Abenteuerkino, das Tim Roths Bösewicht bis heute rettet.
Planet der Affen: Trailer
Filmdaten
| Original | Planet of the Apes |
|---|---|
| Kinostart in Deutschland | 30.8.2001 |
| Regie | Tim Burton |
| Besetzung | Mark Wahlberg, Tim Roth, Helena Bonham Carter, Michael Clarke Duncan, Paul Giamatti, Estella Warren |
| Genre | Thriller, Science-Fiction-Filme, Actionfilme, Abenteuerfilme |
| Laufzeit | 119 Min. |
| FSK | 12 |
| Land | Amerikanische Filme |
Eine Welt, in der der Mensch das gejagte Tier ist
Die Ausgangslage ist simpel und wirkt bis heute. Astronaut Captain Leo Davidson muss auf einem unbekannten Planeten notlanden und findet sich fast sofort inmitten flüchtender Menschen wieder. Schnell wird klar, dass hier die gewohnte Ordnung auf den Kopf gestellt ist: Der Mensch gilt als minderwertige Spezies, die Macht liegt bei starken, herrschenden Affen, die regelrechte Treibjagden auf unsereins veranstalten.
Leos Ankunft bleibt nicht ohne Folgen. Sie stellt den Status quo infrage und könnte der erste Schritt zu einem revolutionären Umbruch sein. Mehr sollte man vorab gar nicht wissen, denn die Stärke des Films liegt gerade darin, wie er diese umgekrempelte Gesellschaft Stück für Stück vor uns zusammensetzt. Wer den Klassiker von 1968 kennt, weiß natürlich, dass in dieser Welt immer eine Frage über allem schwebt: Was ist das eigentlich für ein Ort? Auch Burton setzt auf diese Neugier, nur eben in seinem eigenen, grotesk märchenhaften Stil.
Tim Burton im Dschungel: Traumpaar oder Missverständnis?
Der Name Tim Burton stand 2001 für Exzentrik pur. Der Regisseur von Batman, Edward mit den Scherenhänden und Mars Attacks! war schon immer ein Meister der schrägen Figuren, der Außenseiter und stilisierten Welten. Auf dem Papier wirkte es also wie ein Volltreffer, ihm den Planeten der Affen anzuvertrauen. Und in mancher Hinsicht war es das auch.
Die Darstellung der Affengesellschaft steckt voller typischer Burton-Details: Hierarchie, Zeremoniell, aristokratischer Dünkel und eine Portion schwarzer Humor, der oft überraschend gut sitzt. Gleichzeitig spürt man, dass hier eine riesige Studioproduktion am Werk ist, in der sich der Regisseur nicht so gehen lassen durfte wie in seinen kleineren, persönlicheren Filmen. Das Ergebnis ist ein etwas zwiegespaltener Film: Die eine Hälfte ist Autorenfantasie, die andere Sommer-Actionkino, und die beiden reden nicht immer miteinander.
Meiner Meinung nach ist Burton dort am besten, wo er sich um die Affen kümmern darf. Sobald der Fokus auf die Menschen wandert, wird der Film plötzlich grauer und beliebiger, als hätte ein anderer Regisseur die Kamera übernommen.
Affen im Rampenlicht: die Besetzung
Gäbe es nur einen einzigen Grund, diesen Film zu sehen, wäre es Tim Roth als Thade. Dass Roth unberechenbare Figuren beherrscht, wissen wir spätestens seit Reservoir Dogs und Pulp Fiction. Hier formt er einen waschechten, bedrohlichen, fast animalischen Schurken. Jede Bewegung ist angespannt, jede Szene gefährlich. Unter der Maske spielt er mehr als viele Kollegen mit unverhülltem Gesicht.
Helena Bonham Carter ist als Ari das emotionale Zentrum des Films. Nach Fight Club bekam sie erneut eine ungewöhnliche Rolle und legt erstaunlich viel Wärme, Neugier und Intelligenz in eine Figur, die auf den ersten Blick nur eine Äffin zu sein scheint. Michael Clarke Duncan, der sanfte Riese aus The Green Mile, zeigt als Attar genau das Gegenteil: Autorität und soldatische Härte. Und Paul Giamatti liefert mit Limbo die unterhaltsamste Nebenfigur, einen moralisch zweifelhaften Typen, dessen Sätze allesamt ein Geschenk sind.
Ergänzt wird das Ensemble von Cary-Hiroyuki Tagawa (Krull) und David Warner (Sandar), zwei Veteranen, die auch mit wenig Leinwandzeit ihren Szenen Gewicht verleihen.
Und dann kommt die Schwachstelle. Mark Wahlberg ist als Captain Leo Davidson solide, aber mehr auch nicht. Seit Boogie Nights wissen wir, dass er Talent hat, doch das Drehbuch gibt ihm hier einen ziemlich eindimensionalen Actionhelden, der kaum Gelegenheit bekommt, Tiefe zu zeigen. Estella Warren als Daena bekommt noch weniger: Sie ist da, sie ist schön, aber die Geschichte weiß praktisch nichts mit ihr anzufangen. Eine kuriose Lage: Die menschlichen Figuren dieses Films sind deutlich weniger menschlich als die Affen.
Was bis heute beeindruckt: Masken, Kulissen, Atmosphäre
Auch nach 25 Jahren ist es verblüffend, wie gut dieser Film aussieht. Die Affen entstanden mit praktischen Masken und aufwendigem Make-up, und diese greifbare, physische Präsenz hat etwas, das digitale Lösungen bis heute nicht immer schaffen. Das Mienenspiel der Darsteller dringt durch die Maske, die Körpersprache ist unglaublich ausgefeilt. Die Affen springen, knurren und wirken dabei vollkommen glaubwürdig als Herrscher dieser Welt.
Kulissen, Kostüme und die düstere, schwüle Stimmung der Affenstadt, zugleich archaisch und seltsam zivilisiert, sind hervorragend. Hier ist Burton in seinem Element: Jedes Bild steckt voller Details und Texturen. Musik und Sounddesign treffen mit Trommeln und Stammesrhythmen genau die Wildheit, die zu den Jagdszenen passt. In einem Genre zwischen Thriller, Science-Fiction, Action und Abenteuer zählt dieser sinnliche Reichtum eine Menge.
Wo er stolpert: Drehbuch und Tempo
119 Minuten Laufzeit klingen nicht nach viel, trotzdem holpert der Film stellenweise. Die erste Hälfte, in der Leo und wir Zuschauer diese Welt gemeinsam entdecken, ist richtig spannend. Später verschiebt sich die Handlung aber immer stärker hin zu spektakulären Gefechten, und die philosophische Tiefe, die das Original von 1968 zum Klassiker gemacht hat, ist oft nur noch Dekoration.
Das Versprechen eines revolutionären Umbruchs, eigentlich der Motor der Geschichte, entfaltet sich nicht mit der Wucht, die ich mir erhofft hatte. Es bleibt wenig Zeit, um zu begreifen, was es in dieser Welt bedeutet, Mensch oder Affe zu sein. Ein Teil der Dialoge ist schlicht hölzern geraten. Dieser Film ist eher Erlebnis als Gedanke, und wer den gesellschaftskritischen Biss des Originals sucht, wird enttäuscht.
Über das Ende verrate ich nichts, nur so viel: Ein Großteil der Diskussionen über den Film dreht sich bis heute darum. Manche lieben es für seine Kühnheit, andere stehen ratlos davor. Schau es dir an und entscheide selbst.
Im Schatten des Originals
Jedes Remake muss sich Vergleiche gefallen lassen, und Burtons Film kam dabei nicht gut weg. Planet der Affen von 1968 ist ein Grundpfeiler der Science-Fiction-Geschichte, mit Charlton Hestons legendärem Auftritt und einem Schluss, den jeder kennt. Burton versuchte gar nicht erst, eine sklavische Kopie abzuliefern: Er dachte die Figuren neu, brachte eigene Charaktere ein und legte den Schwerpunkt auf Schauwerte und Abenteuer.
Rückblickend ist dieser Film ein merkwürdiges Zwischenstück in der Geschichte der Reihe. Die 2011 gestartete neue Trilogie schlug eine völlig andere Richtung ein, mit viel ernsterem, dramatischerem Ton. Burtons Version steht dadurch allein da: weder Fortsetzung noch Anfang, eher ein schräger, bunter Abstecher, den man gerade deshalb für sich betrachten sollte.
Für wen ist der Film?
- Für dich, wenn: Für alle, die Tim Burtons groteske Bildwelten, handgemachte Maskeneffekte und altmodisch abenteuerliche Science-Fiction lieben. Für Fans von Tim Roth ist er Pflicht.
- Lieber auslassen, wenn: Wer die tiefgründige Gesellschaftskritik des Klassikers von 1968 erwartet oder ausgearbeitete menschliche Figuren sucht, wird enttäuscht sein.
Wenn er dir gefällt, schau auch: Planet der Affen (1968), Planet der Affen: Prevolution (2011), Planet der Affen: Revolution (2014), Mars Attacks! (1996), Pitch Black: Planet der Finsternis (2000)
Häufige Fragen
Worum geht es in Planet der Affen (2001)?
Astronaut Captain Leo Davidson muss auf einem Planeten notlanden, auf dem Affen herrschen und Menschen als minderwertige Spezies vor Treibjagden fliehen. Leos Ankunft könnte der erste Schritt zu einem revolutionären Umbruch sein.
Wann kam Planet der Affen in die deutschen Kinos?
Der Film startete am 30. August 2001 in den deutschen Kinos.
Wie lang ist Planet der Affen?
Der Film hat eine Laufzeit von 119 Minuten.
Wer hat Planet der Affen von 2001 inszeniert?
Regie führte Tim Burton.
Wer spielt Thade in Planet der Affen?
Thade wird von Tim Roth gespielt, daneben sind Mark Wahlberg, Helena Bonham Carter, Michael Clarke Duncan und Paul Giamatti zu sehen.
Lohnt sich heute noch eine Landung auf dem Planet der Affen?
Ja, aber man sollte wissen, worauf man sich einlässt. Das hier ist keiner der großen Klassiker der Science-Fiction, sondern ein bildgewaltiger, schräger, etwas unausgewogener Sommer-Abenteuerfilm, dessen Affen lebendiger sind als seine Menschen. Wegen Tim Roth, Helena Bonham Carter und Paul Giamatti sowie wegen der bis heute atemberaubenden Masken und Kulissen ist er einen Filmabend wert. Und wer ihn noch nie gesehen hat, schaut ihn sich am besten an einem Wochenende zusammen mit dem Original von 1968 an. Ich garantiere, danach gibt es reichlich Stoff zum Streiten. Von mir gibt es 6 von 10 Punkten, und einer davon geht allein auf das Konto von Thades Wutausbrüchen.
