Bumblebee Kritik: Der gelbe Käfer, der Transformers endlich ein Herz gibt
Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet ein rostiger gelber VW Käfer schafft, woran fünf laute, mit Explosionen vollgestopfte Transformers-Filme gescheitert sind: echte Gefühle. Bumblebee ist kleiner, ruhiger und deutlich sympathischer als seine Vorgänger, und genau deshalb ist er besser. Travis Knight schickt uns zurück ins Jahr 1987 und erzählt von der Freundschaft zwischen einem Mädchen und einem Roboter, nicht vom Weltuntergang in maximaler Lautstärke.
Bumblebee ist der liebenswerteste Teil der Transformers-Reihe: ein Abenteuer mit Herz, Humor und echtem 80er-Jahre-Charme, das auch Leuten Spaß macht, die mit dem Franchise sonst wenig anfangen können.
Filmdaten
| Kinostart in Deutschland | 20.12.2018 |
|---|---|
| Regie | Travis Knight |
| Besetzung | Dylan O'Brien, Hailee Steinfeld, John Cena, Jorge Lendeborg Jr., John Ortiz, Stephen Schneider |
| Genre | Actionfilme, Abenteuerfilme, Science Fiction Filme |
| Laufzeit | 114 Min. |
| FSK | 12 |
| Land | Chinesische Filme, Amerikanische Filme |
Schrottplatz, Käfer, 1987: Worum geht es in Bumblebee?
Die Geschichte spielt 1987 in einer kalifornischen Kleinstadt am Meer. Bumblebee, der Roboter, der sich in ein Auto verwandeln kann, versteckt sich auf einem Schrottplatz, getarnt als verbeulter, heruntergekommener VW Käfer. Dort entdeckt ihn Charlie, die gerade 18 wird und noch nicht so recht weiß, wo ihr Platz in der Welt ist. Als sie den Wagen wieder zum Laufen bringt, merkt sie schnell: Dieser Käfer ist alles andere als ein gewöhnliches Auto.
Mehr muss man zur Ausgangslage nicht wissen, und mehr verrate ich auch nicht, denn die größte Stärke des Films liegt darin, wie sich diese Beziehung entwickelt. Das hier ist nicht Michael Bays Transformers, wo im Minutentakt ein Wolkenkratzer einstürzt. Hier treffen ein einsames Mädchen und ein ebenso einsamer, verlorener Roboter aufeinander, und der Film nimmt diese Begegnung ernst. Das Rezept kennt man aus den großen Familienabenteuern der Achtziger, und es steht dem Franchise erstaunlich gut.
Hailee Steinfeld trägt den ganzen Film
Wenn in einem Film, dessen halbe Hauptrolle ein CGI-Roboter ist, trotzdem die Schauspielerin aus Fleisch und Blut die Show stiehlt, dann ist etwas richtig gut gelaufen. Hailee Steinfeld ist als Charlie Watson ein Volltreffer. Sie spielt nicht den üblichen coolen Teenager von der Stange, sondern ein etwas abseitiges, etwas sturköpfiges, verletztes Mädchen, dem man wirklich die Daumen drückt. Dass sie einen Großteil ihrer Szenen mit einem Partner bestreitet, der praktisch nicht spricht und nur mit Geräuschen und Gesten reagiert, verdient besondere Anerkennung.
Daneben liefert John Cena als Jack Burns genau den kernigen, halb ernst zu nehmenden Soldaten, den man von ihm erwartet, und balanciert geschickt zwischen Bedrohung und Selbstironie. Jorge Lendeborg Jr. ist als Memo Gutierrez, der etwas tollpatschige Nachbarsjunge, einfach sympathisch, und John Ortiz übernimmt als Dr. Powell die obligatorische Wissenschaftlerrolle. Charlies Familie bilden Pamela Adlon (Sally Watson), Stephen Schneider (Ron) und Jason Ian Drucker (Otis Watson). Große Entwicklungsbögen bekommen sie nicht, aber die Familienszenen sind glaubwürdig unbeholfen, ganz so, wie ein Teenager das eigene Zuhause eben wahrnimmt.
Die Stimme des Roboters stammt von Dylan O'Brien, der B-127 alias Bumblebee spricht. Wer die Figur kennt, weiß, dass die Stimme hier nicht immer wörtlich zu nehmen ist, aber O'Brien ist genau dort präsent, wo es darauf ankommt.
Travis Knight, der Handwerker
Regie führte Travis Knight, der zuvor beim Laika-Studio das Stop-Motion-Wunder Kubo and the Two Strings inszeniert hat. Und dieser Hintergrund ist deutlich zu spüren. Knight denkt in Figuren und Gesten, nicht in der Größe von Explosionen. Bumblebee ist hier kein Stahlmonster, sondern ein ausdrucksstarkes, fast hundeartig treues Wesen, in dessen Bewegungen immer ein bisschen Schüchternheit und eine große Portion Herz steckt.
Knights Inszenierung ist zurückhaltend, aber selbstbewusst. Die Kampfszenen sind nachvollziehbar, man sieht endlich, wer wen schlägt und welcher Roboter welcher ist. Nach den bisherigen Transformers-Filmen ist das fast eine Erholung: Man muss nicht mehr mit zusammengekniffenen Augen erraten, was im Blechchaos gerade passiert. Auch das Tempo ist menschlicher, der Film lässt Raum für stille Momente, und genau die geben ihm seine Seele.
Was wirklich funktioniert: der Zauber der Achtziger
Das Jahr 1987 ist nicht bloß Kulisse. Die ganze Stimmung des Films baut auf jener Art von Jugendabenteuer auf, die man aus E.T. the Extra-Terrestrial oder Der Gigant aus dem All kennt: ein junger Mensch, ein geheimnisvolles Wesen, das vor der Welt der Erwachsenen versteckt werden muss, und eine Freundschaft, die beide verändert. Das Rezept hat sich bewährt, und es funktioniert auch hier.
Was mir am besten gefallen hat:
- Der Humor. Bumblebees Ungeschicklichkeiten und die ersten Minuten des Entdeckens sind wirklich witzig, und zwar nicht auf dem Niveau peinlicher Kinderwitzchen.
- Die Größe. Der Film traut sich, kleiner zu denken, und dadurch fühlt sich alles bedeutsamer an.
- Das Design. Die Roboter sehen den klassischen Zeichentrickfiguren deutlich ähnlicher, ein echtes Schmankerl für alte Fans.
- Das Zeitgefühl. Musik, Klamotten, Autos: Der Film liebt die Achtziger, und das spürt man.
Wo der gelbe Käfer ins Stottern gerät
Perfekt ist er trotzdem nicht. Die Geschichte bewegt sich auf sehr vertrauten Bahnen, und wer schon ein paar Filme über einsame Kinder mit geheimen Freunden gesehen hat, ahnt ziemlich genau, wohin die Reise geht. Die Überraschungen kommen nicht aus der Handlung, sondern daraus, wie gut das Ganze gespielt und inszeniert ist.
Auch die Gegenseite ist nicht die spannendste: Die Bedrohung ist eher Funktion als echte Figur, und der Militärstrang gerät manchmal etwas comichaft. Die Nebenfiguren, vor allem Charlies Familie, hätten mehr verdient. Das sind allerdings Kleinigkeiten, die man einem so herzlichen Film gern verzeiht. Lieber ein bisschen vorhersehbar und mit Gefühl als originell und seelenlos.
Für wen ist der Film?
- Für dich, wenn: Für alle, die mit den alten Transformers-Zeichentrickserien aufgewachsen sind oder herzerwärmende Jugendabenteuer im Stil von E.T. mögen. Auch für einen Kinoabend mit der Familie und etwas älteren Kindern eine prima Wahl.
- Lieber auslassen, wenn: Wer auf Michael Bays Explosionen im Dauerfeuer und gigantische Schlachten wartet, könnte den Rummel zu bescheiden finden. Und wer gegen vorhersehbare Geschichten allergisch ist, wird vielleicht die Nase rümpfen.
Wenn er dir gefällt, schau auch: E.T. the Extra-Terrestrial (1982), Der Gigant aus dem All (1999), Transformers (2007), Kubo and the Two Strings (2016), Super 8 (2011)
Häufige Fragen
Worum geht es in Bumblebee?
1987 versteckt sich Bumblebee als VW Käfer auf einem Schrottplatz in einer kalifornischen Kleinstadt am Meer. Die 18-jährige Charlie findet ihn, und als sie ihn wieder zum Laufen bringt, merkt sie, dass er kein gewöhnliches Auto ist.
Wann ist Bumblebee in Deutschland erschienen?
Der Film startete am 20. Dezember 2018 in den deutschen Kinos.
Wie lang ist Bumblebee?
Der Film läuft 114 Minuten.
Wer hat bei Bumblebee Regie geführt?
Regie führte Travis Knight.
Wer spielt die Hauptrolle in Bumblebee?
Hailee Steinfeld spielt Charlie Watson, Dylan O'Brien spricht Bumblebee. Außerdem sind John Cena, Jorge Lendeborg Jr. und John Ortiz dabei.
Würdest du für einen Abend in einen gelben Käfer steigen?
Ich jederzeit. Bumblebee ist einer dieser seltenen Franchise-Filme, die nicht größer, sondern besser sein wollten als ihre Vorgänger, und das ist ihm gelungen. Hailee Steinfeld ist großartig, und Travis Knight hat gezeigt, dass im Transformers-Universum Platz für Gefühle, Humor und leise Momente ist. Revolutionär ist das nicht, will es aber auch gar nicht sein. Es ist ein warmes, nostalgisches Abenteuer, das man sich gern an einem Dezemberabend noch einmal anschaut. Falls du ihn bisher gemieden hast, weil dir das Robotergetöse zu viel wurde, gib ihm jetzt eine Chance: Dieser Käfer rollt mit erstaunlich viel Herz vor.
