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Kritik · Kinostart: 24.9.2015

Man lernt nie aus Kritik: Robert De Niro als Praktikant, und das funktioniert besser als gedacht

Amerikanische FilmeKomödien

Robert De Niro im Anzug, mit Aktentasche, mitten im offenen Großraumbüro eines Hipster-Start-ups: Allein dieses Bild reicht schon für ein Lächeln. Man lernt nie aus kam im Herbst 2015 in die Kinos und hat sich seitdem ganz leise zu einem der Wohlfühlfilme gemausert, die man immer wieder anschaut. Nancy Meyers will nicht die Welt retten. Sie will, dass man sich gut fühlt, und das gelingt ihr erstaunlich oft.

6,8/10
Wertung
Lauwarm, liebenswert, manchmal zu glatt, aber so wohltuend wie eine Tasse Tee am Ende einer langen Woche.
Story
6
Schauspiel
8
Regie
7
Optik
7
Musik und Ton
6
Emotionen
7

Die Gesamtwertung ist der Durchschnitt der sechs Kriterien.

Filmdaten

OriginalThe Intern
Kinostart in Deutschland24.9.2015
RegieNancy Meyers
BesetzungRobert De Niro, Anne Hathaway, Rene Russo, Anders Holm, JoJo Kushner, Andrew Rannells
GenreKomödien
Laufzeit121 Min.
FSK0
LandAmerikanische Filme

Bürostuhl statt Ruhestand: Worum geht es in Man lernt nie aus?

Ben Whittaker ist siebzig, verwitwet und merkt, dass das Rentnerleben einfach nichts für ihn ist. Reisen kann man, Hobbys sammeln auch, aber etwas fehlt: der morgendliche Aufbruch, eine Aufgabe, das Gefühl, gebraucht zu werden. Als sich die Gelegenheit bietet, kehrt er also ins Arbeitsleben zurück, und zwar an einem ziemlich unerwarteten Ort. Er wird Praktikant bei Jules Ostins Online-Modemagazin.

Das ist die ganze Ausgangslage, und ehrlich gesagt braucht es auch nicht mehr. Der Film lebt nicht von Wendungen, sondern von der Wärme, die entsteht, wenn zwei Generationen, zwei Arbeitskulturen und zwei völlig verschiedene Lebensrhythmen aneinander reiben. Wer auf große Twists hofft, ist hier falsch. Wer aber gern zusieht, wie Menschen einander nach und nach ins Herz schließen, wird sich sofort zu Hause fühlen.

De Niro, wie man ihn selten gesehen hat

Bei Robert De Niro denkt man an Taxi Driver, Wie ein wilder Stier oder GoodFellas. Hier dagegen spielt er eine Figur, die nichts Bedrohliches und nichts Explosives an sich hat. Ben ist höflich und aufmerksam, hat immer ein Stofftaschentuch dabei und weiß genau, wann er etwas sagen und wann er lieber schweigen sollte. Diese Zurückhaltung ist die stärkste Waffe des Films.

Offen gesagt war De Niro in den letzten Jahren bei seinen Komödien nicht immer wählerisch, und mehr als einmal hatte ich das Gefühl, er sei nur wegen des Schecks am Set. Hier nicht. Man sieht ihm an, dass er diese stille, altmodische Gentleman-Rolle genießt, und er strahlt eine Ruhe aus, die sich auf das Publikum überträgt. Er muss nicht gestikulieren: Ein kleines Lächeln sagt bei ihm mehr als die Nebenfiguren in einer ganzen Szene.

Anne Hathaway auf dem Chefsessel

Anne Hathaway ist als Jules Ostin der Gegenpol: rastlos, überlastet, eine Gründerin, die alles im Blick behalten will, ihre eigene Firma aufbaut und nebenbei versucht, ihr Leben zusammenzuhalten. Die Ironie ist kaum zu übersehen. Jahre zuvor fing Hathaway in Der Teufel trägt Prada ganz unten in der Modewelt an, hier sitzt sie selbst an der Spitze und ist diejenige, mit der man erst einmal umgehen lernen muss.

Hathaway trifft den Ton. Jules nervt manchmal, ist manchmal hinreißend, und das passt, denn der Film will keine Heilige aus ihr machen, sondern einen Menschen aus Fleisch und Blut, der überall bestehen will. Die Chemie zwischen ihr und De Niro ist das Herz des Films: nicht romantisch, auch nicht ganz Vater und Tochter, sondern eine Freundschaft irgendwo dazwischen, wie sie in amerikanischen Komödien selten so sehr im Mittelpunkt steht.

Die Nebenrollen: Rene Russo und die junge Truppe

Auch das bunte Umfeld trägt viel bei. Rene Russo ist als Fiona Farwell elegant und witzig, und es tut gut, eine Figur zu sehen, die Bens Generation näher ist. Anders Holm als Matt Ostin und JoJo Kushner als Paige Ostin stehen für die Familienseite und geben Jules als Figur mehr Kontur.

Die jungen Kollegen im Büro, Adam Devine (Jason), Zack Pearlman (Davis) und Andrew Rannells (Cameron), liefern die Start-up-Atmosphäre: lässiger Stil, etwas wackeliges Erwachsenwerden, die Pointen. Manchmal sind diese Figuren ein bisschen schablonenhaft, aber sie erfüllen ihren Zweck. Neben ihnen wird sichtbar, wie viel ein älterer Mensch Jüngeren geben kann, und umgekehrt.

Die Welt von Nancy Meyers: weiches Licht, schöne Küchen

Nancy Meyers' Filme haben einen unverwechselbaren Stil. Man denke an Was das Herz begehrt oder Liebe braucht keine Ferien: Jede Wohnung ist wunderschön, jedes Licht warm, jede Küche eine, in die man sofort einziehen möchte. Man lernt nie aus ist da keine Ausnahme. Das Büro ist hell und offen, die Wohnungen sind geschmackvoll, und der ganze Film wirkt wie ein sorgfältig arrangiertes Einrichtungsmagazin.

Viele werfen ihr genau das vor: zu unrealistisch, zu steril. Teilweise zu Recht. Aber Meyers will die Wirklichkeit gar nicht ungeschönt zeigen. Sie zeigt eine etwas bessere, etwas freundlichere Welt, in der sich Konflikte lösen lassen und die Menschen es im Grunde gut meinen. Wer sich darauf einlässt, für den funktioniert der Film. Wer nicht, wird zwei Stunden lang mit den Augen rollen.

Wo hakt der Film?

121 Minuten sind für eine Komödie großzügig bemessen, und das merkt man. Einige Szenen ziehen sich spürbar, und ein, zwei Nebenhandlungen hätte man ruhig kürzen können. Der Humor ist sanft, selten bringt er einen laut zum Lachen, meistens zaubert er eher ein Lächeln ins Gesicht.

Das zweite Problem ist die übertriebene Glätte. Der Film weicht scharfen Konflikten manchmal so konsequent aus, dass nicht mehr viel auf dem Spiel steht. Man weiß, dass am Ende alles gut wird, und so beruhigend das ist, hätte mir ab und zu ein wenig echte Spannung gefehlt.

Für wen ist der Film?

Wenn er dir gefällt, schau auch: Der Teufel trägt Prada (2006), Was das Herz begehrt (2003), Liebe braucht keine Ferien (2006), Wenn Liebe so einfach wäre (2009), Her (2013)

Häufige Fragen

Worum geht es in Man lernt nie aus?

Um Ben Whittaker, einen 70-jährigen Witwer, der den Ruhestand satt hat und als Praktikant bei Jules Ostins Online-Modemagazin anfängt.

Wann kam Man lernt nie aus in die deutschen Kinos?

Der Film startete am 24. September 2015 in Deutschland.

Wie lang ist Man lernt nie aus?

Der Film dauert 121 Minuten.

Wer hat bei Man lernt nie aus Regie geführt?

Regie führte Nancy Meyers.

Wer spielt die Hauptrollen in Man lernt nie aus?

Robert De Niro (Ben Whittaker) und Anne Hathaway (Jules Ostin), daneben sind unter anderem Rene Russo, Anders Holm, Adam Devine und Andrew Rannells zu sehen.

Lohnt sich ein Abend für einen siebzigjährigen Praktikanten?

Ja, wenn man weiß, worauf man sich einlässt. Man lernt nie aus ist kein großer Film, nicht revolutionär und will es auch gar nicht sein. Er baut auf eine gut getroffene Ausgangslage, zwei großartige Darsteller und die weiche, warme Welt von Nancy Meyers, und daraus holt er ehrlich alles heraus. Manchmal zu lang, manchmal zu süß, aber selten tut ein Film so gut. Von mir gibt es 7 von 10 Punkten, und ich gebe zu: Ich habe ihn schon mehrmals wieder angeschaut.

Wertung: 6,8/10 · Story 6 · Schauspiel 8 · Regie 7 · Optik 7 · Musik und Ton 6 · Emotionen 7