Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse Kritik: Die Zauberwelt wird endlich politisch, nur die Tierwesen gehen dabei verloren
Selten sieht man einen Film, in dem der Bösewicht so zurückhaltend auftritt und gerade dadurch bedrohlicher wirkt als jedes Effektfeuerwerk. Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse ist der erwachsenste und politischste Teil der Reihe, und Mads Mikkelsen und Jude Law bilden ein Duo, für das sich der Kinobesuch schon allein lohnt. Schade nur, dass das Drehbuch unterwegs vergisst, um wen es laut Titel eigentlich gehen sollte.
Starke Darsteller, prachtvolle Bilder und ein spannender Grundkonflikt, den eine zerfahrene, überfrachtete Handlung davon abhält, wirklich im Gedächtnis zu bleiben.
Filmdaten
| Original | Fantastic Beasts: The Secrets of Dumbledore |
|---|---|
| Kinostart in Deutschland | 7.4.2022 |
| Regie | David Yates |
| Besetzung | Eddie Redmayne, Jude Law, Mads Mikkelsen, Ezra Miller, Dan Fogler, Alison Sudol |
| Genre | Fantasyfilme, Abenteuerfilme |
| Laufzeit | 142 Min. |
| FSK | 12 |
| Land | Britische Filme, Amerikanische Filme |
Worum geht es? Ein Team, eine Mission, ein sehr geduldiger Gegenspieler
Die Ausgangslage ist ohne Spoiler schnell erzählt: Albus Dumbledore bittet seinen früheren Schüler Newt Scamander um Hilfe, denn Gellert Grindelwald schickt sich an, die Macht über die Zaubererwelt an sich zu reißen. Newt übernimmt die Führung einer ziemlich bunt gemischten Truppe: Hexen, Zauberer und das heimliche Herz der Reihe, der Muggel und Bäcker Jacob Kowalski, brechen zu einer gefährlichen Mission auf. Unterwegs begegnen sie alten und neuen Tierwesen und legen sich mit Grindelwalds stetig wachsender Anhängerschaft an.
Mehr muss man nicht wissen, und ehrlich gesagt verrät auch der Film in der ersten halben Stunde kaum mehr über sich. In den 142 Minuten Laufzeit laufen unzählige Handlungsstränge parallel, und längst nicht alle kommen dort an, wo sie hinwollten. Wer nach den Vorgängern gehofft hatte, dass sich hier endlich das große Ganze zusammenfügt, dem sage ich: teilweise ja, teilweise bleibt ein Gefühl der Leere.
Jude Law und Mads Mikkelsen: Ihretwegen sitzen wir im Kino
Fangen wir mit dem Besten an. Jude Law liefert als Dumbledore genau das, was man von einem jüngeren, noch verletzlichen Dumbledore erwartet: Weisheit, Ironie und dazu eine müde Schuld, die jeder seiner Szenen mehr Gewicht verleiht. Das ist nicht der allwissende Mentor mit weißem Bart, sondern ein Mann, den seine Vergangenheit ständig einholt.
Mads Mikkelsens Grindelwald wiederum ist kalkuliertes, eiskaltes Charisma in Reinform. Spätestens seit Hannibal und Casino Royale weiß Mikkelsen, wie man mit wenig die Leinwand beherrscht. Auch hier brüllt und posiert er nicht, er überzeugt leise, und diese Art von Bösewicht ist weit unheimlicher als jeder fauchende Dämon. Die Spannung zwischen den beiden sorgt für die besten Momente des Films, und ich gebe zu: Einen ganzen Film nur über die zwei hätte ich mir gern angesehen.
Gleichzeitig ist dieses Duo der größte Widerspruch des Films. Eigentlich dreht sich die Reihe um phantastische Tierwesen und Newt, das Drama kreist aber eindeutig um Dumbledore und Grindelwald. Immerhin ist der Titel ehrlich.
Newt, Jacob und die anderen: Die Truppe, die wir mögen, kommt zu kurz
Eddie Redmayne ist als Newt Scamander nach wie vor charmant ungelenk, die Rolle sitzt wie angegossen. Der Oscarpreisträger aus Die Entdeckung der Unendlichkeit bewegt sich hier in einem ganz anderen Register: schüchtern, Blickkontakt meidend, wirklich zu Hause nur unter seinen Tierwesen. Das ist weiterhin liebenswert, doch der Film will so vieles gleichzeitig, dass Newt in seiner eigenen Geschichte zeitweise zur Nebenfigur wird.
Dan Fogler ist als Jacob Kowalski erneut die Figur, mit der man sich am leichtesten identifiziert. Durch den Muggelbäcker wirkt Magie immer noch wie ein Wunder, und Fogler verkauft das mit Wärme, Humor und erstaunlich viel Herz. Für mich ist er der emotionale Anker des Films.
Daneben überzeugt Callum Turner als Theseus Scamander, der verlässliche, etwas steife große Bruder, und Jessica Williams bringt als Lally Hicks frischen Wind: selbstbewusst, schlagfertig, von ihr hätte man gern mehr gesehen. Alison Sudols Queenie Goldstein und Ezra Millers Credence (Aurelius Dumbledore) sind Figuren, deren Handlungsstränge eigentlich wichtig sind, die in der Praxis aber eher anwesend sind, als sich wirklich zu entfalten.
David Yates zum vierten Mal: Routine, Schauwerte und etwas Ermüdung
David Yates hat die letzten vier Harry Potter Filme inszeniert und danach sämtliche bisherigen Phantastische Tierwesen Teile. Eine erfahrenere Hand für diese Welt lässt sich kaum finden, und das sieht man: Technisch ist der Film souverän, die Zauberszenen sind elegant, Ausstattung und Kostüme opulent, und die Stimmung ist angemessen düster, wie es sich für eine Welt am Vorabend eines Krieges gehört.
Zugleich spürt man eine gewisse Routine. Yates weiß, wie man schöne Bilder macht, doch der Rhythmus holpert stellenweise, die Übergänge zwischen den Szenen sind oft abrupt, und die 142 Minuten fühlen sich mitunter länger an, als sie sind. Manchmal wird ein starker, spannungsgeladener Dialog von einer Actionszene unterbrochen, die wie Pflichtprogramm wirkt, und dann hat man den Eindruck, der Film traut seinen eigenen besten Momenten nicht genug.
Musik und Sounddesign sind ausgesprochen gelungen: Die vertrauten Melodien kehren zurück, und der Film drückt geschickt auf den Nostalgieknopf. Ganz kaschieren kann er damit allerdings nicht, wenn hinter einer Szene zu wenig Substanz steckt.
Was funktioniert, und wo reißt der Faden?
Was funktioniert:
- Die politische Ebene. Der Handlungsstrang um Grindelwald erzählt von Macht, Manipulation und davon, wie man Massen für sich gewinnt. Das ist der erwachsenste Gedanke der Reihe und wirkt erstaunlich aktuell.
- Das Ensemble. Law, Mikkelsen und Fogler tragen den Film auf ihren Schultern.
- Die Tierwesen. Wenn sich der Film endlich an seinen Titel erinnert, ist das Kreaturendesign wunderschön, und in diesen Szenen kehrt der Zauber des ersten Teils zurück.
Was weniger funktioniert:
- Die Überfrachtung. Zu viele Figuren, zu viele Nebenstränge, von denen etliche zum Ende hin verblassen.
- Die titelgebenden Wesen im Abseits. Wer die Reihe wegen des abenteuerlustigen, staunenden Newt lieben gelernt hat, bekommt hier weniger.
- Der emotionale Ertrag. Vieles wird aufgebaut, aber wenig trifft so hart, wie es sollte.
Wo steht der Film innerhalb der Reihe?
Der erste Teil, Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind, war 2016 ein leichtfüßiges, charmantes Abenteuer in den Straßen New Yorks. Der zweite, Grindelwalds Verbrechen, wurde bereits düsterer und komplizierter, vielen sogar zu verworren. Dumbledores Geheimnisse liegt irgendwo dazwischen: ernster und runder als der Vorgänger, die Leichtigkeit des ersten Films holt er aber nicht zurück.
Wichtig zu wissen: Diesen Film für sich allein zu schauen, ist keine gute Idee. Die Beziehungen zwischen den Figuren, Credences Geschichte und Queenies Entscheidungen bedeuten viel mehr, wenn man die Vorgänger kennt. Harry Potter Fans dürfen sich dagegen über einige vertraute Schauplätze und Motive freuen. Mehr verrate ich nicht, aber der Nostalgiefaktor ist hoch.
Für wen ist der Film?
- Für dich, wenn: Für alle, die die Zaubererwelt lieben und neugierig auf die Geschichte von Dumbledore und Grindelwald sind, und für jeden, der sich für Mads Mikkelsen und Jude Law so ziemlich alles ansehen würde.
- Lieber auslassen, wenn: Für alle, die sich nach dem leichten, tierwesenzentrierten Abenteuer des ersten Teils sehnen oder mit langsamer, dialoglastiger und politischer Fantasy wenig anfangen können.
Wenn er dir gefällt, schau auch: Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind (2016), Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen (2018), Harry Potter and the Deathly Hallows: Part 2 (2011), Der Goldene Kompass (2007), Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia (2005)
Häufige Fragen
Wann ist Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse erschienen?
Der Film startete am 7. April 2022 in den deutschen Kinos.
Wie lang ist Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse?
Der Film hat eine Laufzeit von 142 Minuten.
Worum geht es in Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse?
Albus Dumbledore bittet seinen früheren Schüler Newt Scamander um Hilfe, um Grindelwalds Pläne zur Machtübernahme zu durchkreuzen. Newt führt ein Team aus Hexen, Zauberern und einem Muggelbäcker auf eine gefährliche Mission.
Wer hat den Film inszeniert, und wer spielt die Hauptrollen?
Regie führte David Yates. In den Hauptrollen sind Eddie Redmayne, Jude Law, Mads Mikkelsen, Ezra Miller, Dan Fogler, Alison Sudol, Callum Turner und Jessica Williams zu sehen.
Wer spielt Grindelwald in Dumbledores Geheimnisse?
Gellert Grindelwald wird in diesem Teil von Mads Mikkelsen verkörpert.
Lohnt sich die Rückkehr in die Zaubererwelt?
Ja, aber nicht mit offenen Armen, sondern mit etwas Vorsicht. Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse ist besser als sein Vorgänger und bietet einige Szenen, vor allem die gemeinsamen Momente von Jude Law und Mads Mikkelsen, die zu den Höhepunkten der gesamten Reihe zählen. Die Bilder sind prachtvoll, der Ton ist ernst, und Dan Foglers Jacob schafft es auch diesmal, einem das Herz zu wärmen.
Trotzdem wird man das Gefühl nicht los, einer zerfahrenen Geschichte zuzusehen, die sich nicht entscheiden kann, ob sie Newts Abenteuer, Dumbledores Drama oder ein Politthriller sein will. Wer diese Welt mag, findet genug Gründe zum Schmunzeln. Wer dagegen den echten Zauber sucht, bekommt mit diesem Teil ein ordentliches, aber vergessliches Kapitel. Starkes Mittelmaß mit einigen wirklich denkwürdigen Lichtblicken.
