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Kritik · Kinostart: 17.1.2008

Der Nebel Kritik: Die Monster lauern draußen, der wahre Albtraum zwischen den Supermarktregalen

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Es gibt Horrorfilme, nach denen man das Licht anschaltet. Und es gibt Der Nebel, nach dem man lieber nicht mehr zum Supermarkt um die Ecke geht. Frank Darabonts Film von 2007 ist auf dem Papier ein Sci-Fi-Horror mit Monstern. In Wahrheit ist er eine erschreckend präzise Studie darüber, wie wenig Zeit es braucht, bis aus netten Nachbarn ein blutrünstiger Mob wird. Kleiner Spoiler: nicht viel.

8,5/10
Wertung
Der Nebel gehört zu den beklemmendsten und klügsten amerikanischen Horrorfilmen der letzten Jahrzehnte. Sein furchterregendstes Wesen lauert nicht im Nebel, es predigt hinter der Kasse.
Story
9
Schauspiel
9
Regie
9
Optik
6
Musik und Ton
8
Emotionen
10

Die Gesamtwertung ist der Durchschnitt der sechs Kriterien.

Filmdaten

OriginalThe Mist
Kinostart in Deutschland17.1.2008
RegieFrank Darabont
BesetzungThomas Jane, Laurie Holden, Toby Jones, Marcia Gay Harden, Andre Braugher, William Sadler
GenreHorrorfilme, Science Fiction Filme, Thriller
Laufzeit126 Min.
FSK16
LandAmerikanische Filme

Einkaufen am Rand der Apokalypse: Worum geht es in Der Nebel?

Die Ausgangslage ist simpel, und genau deshalb funktioniert sie so gut. Über eine amerikanische Kleinstadt legt sich ein seltsamer, unheimlicher Nebel. David Drayton und sein kleiner Sohn Billy sind gerade im örtlichen Supermarkt, als die weiße Wand die Straße verschluckt. Plötzlich sitzen sie mit Dutzenden anderen Einwohnern fest. David bemerkt als Erster, dass sich draußen etwas bewegt: tödliche, eindeutig nicht von dieser Welt stammende Kreaturen.

Ab da kämpft der Film an zwei Fronten. Draußen warten die Wesen, drinnen breiten sich Panik, Misstrauen und Angst aus und zersetzen die Gemeinschaft langsam, aber sicher. Nachbarn, Freunde und Bekannte werden selbst zu Monstern. Die eigentliche Frage des Films lautet deshalb nicht, was im Nebel steckt, sondern vor wem man sich mehr fürchten sollte.

Mehr will ich zur Handlung gar nicht verraten. Das ist einer dieser Filme, die man mit so wenig Vorwissen wie möglich anschauen sollte.

Darabont und die Kunst des Kammerspiel-Horrors

Den Namen Frank Darabont kennen die meisten von Die Verurteilten und The Green Mile, also von Filmen, in denen Menschen auf engem Raum eingesperrt sind und versuchen, irgendwie menschlich zu bleiben. Der Nebel ist das finstere, verzerrte Spiegelbild dieses Themas. Wieder sehen wir eine eingeschlossene Gemeinschaft, nur steht hier nicht die Hoffnung im Mittelpunkt, sondern die Frage, wie schnell sie sich verflüchtigt.

Die Regie ist im besten Sinne nüchtern. Darabont verzichtet auf Taschenspielertricks und überlädt den Film nicht mit Jump Scares. Er lässt lieber die Situation selbst die Kehle zuschnüren. Die Regale, die Kühltruhen, die Tür zum Lager: Alles wird zum Schauplatz, und alles scheint mit jeder Minute enger zu werden. Trotz 126 Minuten Laufzeit hängt der Film keinen Moment durch, weil die Spannung nicht aus den Monstern entsteht, sondern aus dem Miteinander der Figuren.

Die Kamera klebt oft fast dokumentarisch nah am Geschehen, was einem die Tür noch fester ins Kreuz drückt. Irgendwann ertappt man sich dabei, wie man selbst hinter der Kasse kauert und abwägt, auf wessen Seite man sich schlagen soll.

Mrs. Carmody, eine der nervtötendsten Schurkinnen der Filmgeschichte

Wenn es eine Leistung gibt, die Der Nebel einen Platz unter den Großen des Genres sichert, dann ist es Marcia Gay Harden als Mrs. Carmody. Sie spielt eine Figur, auf die man vom ersten Moment an instinktiv wütend ist, und diese Wut wächst sich bis zum Ende fast zu körperlichem Schmerz aus. Am beängstigendsten ist, wie glaubwürdig sie ist. Jeder von uns kennt mindestens einen Menschen, der in einer Krise als Erster am lautesten schreit und dem die Menge früher oder später zuhört.

Thomas Jane ist als David der moralische Kompass des Films, und es ist eine kluge Entscheidung, keinen unfehlbaren Actionhelden aus ihm zu machen. Er ist ein Vater, der vor allem seinen Sohn beschützen will und genauso viel Angst hat wie alle anderen. Jane, den viele aus The Punisher kennen dürften, spielt hier deutlich menschlicher und verletzlicher, und das steht ihm hervorragend.

Die Nebenbesetzung ist schlicht außergewöhnlich. Toby Jones ist als Ollie Weeks die leise Überraschung des Films: einer dieser unscheinbaren Typen, die anfangs niemand ernst nimmt und auf die man sich am Ende am meisten verlassen kann. Laurie Holden ist als Amanda Dunfrey eine der letzten Bastionen der Vernunft, und Andre Braugher liefert mit Brent Norton einen starken Gegenpol, den rationalen Skeptiker, der sich schlicht weigert zu glauben, was passiert. Auch William Sadler, Jeffrey DeMunn und Frances Sternhagen zeichnen präzise, einprägsame Figuren. In diesem Ensemble gibt es kein einziges schwaches Glied.

Was perfekt funktioniert

Die größte Stärke von Der Nebel liegt darin, dass er den Rahmen des Monsterfilms für ein gnadenloses Sozialexperiment nutzt. Die Kreaturen im Nebel sind nur Katalysatoren, das eigentliche Drama liefert die menschliche Natur.

Wo man merkt, dass er 2007 entstanden ist

Seien wir ehrlich: Bei den Effekten ist Der Nebel am stärksten gealtert. Ein Teil der digital erzeugten Kreaturen wirkt heute etwas nach Plastik, und manchmal denkt man eher ans Rendering als ans Fürchten. Zum Glück stört das weniger als befürchtet, denn der Film lebt ohnehin nicht von seinen Monstern. Je weniger man von ihnen sieht, desto besser, und das weiß Darabont meistens sehr genau.

Wer unter Horror vor allem Schockeffekte und Blut versteht, könnte den Mittelteil stellenweise langatmig finden, wenn sich der Film stärker auf Gespräche und den Spannungsaufbau konzentriert. Für mich ist genau das seine stärkste Phase, aber ich verstehe, wenn nicht jeder so etwas von einem Monsterfilm erwartet.

Eine wichtige Warnung: Der Nebel ist seelisch eine echte Belastungsprobe. Das ist kein Horror, den man mit einer Schüssel Popcorn und ein paar Lachern wegsteckt. Er bleibt einem im Kopf und lässt einen tagelang nicht los.

Warum ist er heute aktueller als bei seinem Start?

Der Film kam am 21. November 2007 in die Kinos, und es ist verblüffend, wie frisch er bis heute wirkt. Die Krisen der vergangenen Jahre, die Hamsterkäufe, die Panikmache, die sich in sozialen Netzwerken binnen Minuten verselbstständigt: All das hat gezeigt, dass Darabont nicht übertrieben hat. Der Nebel erzählt davon, was passiert, wenn fehlende Information auf Angst trifft, und ein universelleres Thema ist kaum vorstellbar.

Mrs. Carmody wirkt heute vielleicht noch beängstigender als damals, weil wir inzwischen alle gesehen haben, wie die lauteste Stimme Anhänger um sich scharen kann. Genau das macht Der Nebel zu mehr als einem gut gemachten Monsterfilm: Er ist ein Spiegel, in den man nicht besonders gern hineinschaut.

Für wen ist der Film?

Wenn er dir gefällt, schau auch: Das Ding aus einer anderen Welt (1982), Alien (1979), Dawn of the Dead (2004), A Quiet Place (2018)

Häufige Fragen

Worum geht es in Der Nebel?

Über eine amerikanische Kleinstadt legt sich ein unheimlicher Nebel, in dem sich tödliche, nicht von dieser Welt stammende Kreaturen bewegen. David Drayton und sein kleiner Sohn Billy sitzen mit anderen Einwohnern im örtlichen Supermarkt fest, wo Angst und Panik nach und nach auch die Gemeinschaft zerfressen.

Wie lang ist Der Nebel?

Der Film hat eine Laufzeit von 126 Minuten.

Wann lief Der Nebel in Deutschland an?

Der Nebel startete am 17. Januar 2008 in den deutschen Kinos.

Kann man Der Nebel mit Kindern schauen?

Nein. Der Film ist beängstigend, gewalttätig und seelisch sehr belastend und damit klar nichts für Kinder.

Wer hat Der Nebel inszeniert?

Regie führte Frank Darabont, in den Hauptrollen sind Thomas Jane, Marcia Gay Harden, Laurie Holden und Toby Jones zu sehen.

Wann ist Der Nebel ursprünglich erschienen?

Der Film kam am 21. November 2007 in die Kinos, in Deutschland folgte der Start am 17. Januar 2008.

Traust du dich danach noch zum Einkaufen?

Der Nebel ist kein angenehmer Film, und er will auch keiner sein. Er ist ein gnadenloser, kluger, schmerzhaft menschlicher Horrorfilm, der die Kulissen des Monsterkinos nutzt, um die unbequemste aller Fragen zu stellen: Was wird aus uns, wenn die Sicherheit um uns herum verschwindet? Die Effekte sind stellenweise Kinder ihrer Zeit, doch die Schauspieler, allen voran Marcia Gay Harden, und Darabonts knallharte Regie machen das mehr als wett. Wer ihn noch nicht gesehen hat, sollte das nachholen, aber nicht an einem müden Werktagabend und möglichst nicht allein. Und wer ihn schon kennt, spürt ihn vermutlich gerade wieder in der Magengrube. Starke 9 von 10 Punkten und eines der besten Beispiele dafür, dass das gruseligste Wesen manchmal wir selbst sind.

Wertung: 8,5/10 · Story 9 · Schauspiel 9 · Regie 9 · Optik 6 · Musik und Ton 8 · Emotionen 10