Drei Schritte zu Dir Kritik: Eine Liebe, deren größte Geste darin besteht, sich nicht zu berühren
Es gibt Filme, bei denen man schon am Plakat erkennt, dass man ohne Taschentücher gar nicht erst anfangen sollte, und Drei Schritte zu Dir ist genau so einer. Justin Baldonis romantisches Drama erzählt von zwei Teenagern mit Mukoviszidose, die wegen ihrer Krankheit Abstand voneinander halten müssen. Das Rezept kennt man, manche Zutaten sind etwas zu süß geraten, aber Haley Lu Richardson steckt so viel Herz in ihre Rolle, dass man kaum widerstehen kann.
Ein vorhersehbares, stellenweise aufdringlich gefühlvolles Teenie-Drama, das Haley Lu Richardson mit ihrer ehrlichen, strahlenden Darstellung weit über den Genredurchschnitt hebt.
Filmdaten
| Original | Five Feet Apart |
|---|---|
| Kinostart in Deutschland | 20.6.2019 |
| Regie | Justin Baldoni |
| Besetzung | Haley Lu Richardson, Cole Sprouse, Moisés Arias, Kimberly Hébert Gregory, Parminder Nagra, Claire Forlani |
| Genre | Romantische Filme, Dramen |
| Laufzeit | 116 Min. |
| FSK | 6 |
| Land | Amerikanische Filme |
Worum geht es in Drei Schritte zu Dir, ganz ohne Spoiler?
Stella Grant ist siebzehn und in vielerlei Hinsicht ein ganz normaler Teenager: Sie hängt ständig am Laptop und liebt ihre besten Freunde über alles. Nur verbringt sie einen Großteil ihrer Zeit im Krankenhaus, denn sie hat Mukoviszidose. Ihr Leben folgt Listen, Regeln und eiserner Selbstdisziplin, jedes Medikament und jede Behandlung hat ihren festen Platz und ihre feste Uhrzeit.
Diese sorgfältig aufgebaute Ordnung gerät ins Wanken, als Will Newman auftaucht, ein unverschämt gutaussehender Mitpatient, der ebenfalls mit Mukoviszidose lebt. Zwischen den beiden funkt es fast sofort, doch die Regeln sind unmissverständlich: Sie müssen immer einen Sicherheitsabstand einhalten. Je enger ihre Verbindung wird, desto größer wird die Versuchung, die Vorschriften einfach zu ignorieren. Erschwerend kommt hinzu, dass Will gegen seine eigene Behandlung rebelliert, während Stella versucht, ihn dazu zu bringen, sein Leben wirklich zu leben. Und die große Frage lautet: Wie rettet man jemanden, den man nicht einmal berühren darf?
Mehr muss man vorab gar nicht wissen. Die Stärke des Films liegt ohnehin darin, wie er diese einfache, aber grausame Ausgangslage entfaltet.
Eine Prämisse, die schon von allein wehtut
Ehrlich gesagt steckt die beste Idee des Films bereits im Ausgangspunkt. Liebesfilme setzen seit Jahrzehnten auf den Kuss, die Umarmung, das Händchenhalten. Genau das ist hier verboten. Jeder Moment, in dem sich zwei Figuren näherkommen könnten, ist gleichzeitig romantisch und beängstigend, weil das Publikum genau weiß, was auf dem Spiel steht.
Das ist eine äußerst dankbare dramaturgische Falle, und der Film nutzt sie klug. Am stärksten sind die Szenen, in denen sich die Liebe über die Distanz hinweg zeigt: in einem Blick, in einer kleinen, einfallsreichen Geste, in einem gemeinsamen Moment, der eben doch nie ganz gemeinsam sein kann. Dann erzählt Drei Schritte zu Dir tatsächlich mehr über Sehnsucht und Verzicht als die üblichen Vertreter des Genres.
Kleine Randnotiz: Der deutsche Titel spricht von drei Schritten, das Original von fünf Fuß. Gemeint ist dasselbe, nämlich eine messbare, gnadenlose Lücke zwischen zwei Menschen, die kein emotionaler, sondern ein medizinischer Zwang ist.
Haley Lu Richardson trägt den ganzen Film
Müsste ich einen einzigen Grund nennen, diesen Film zu sehen, dann wäre es Haley Lu Richardson. Wer sie in Columbus gesehen hat, weiß, wie fein sie spielen kann. Hier beweist sie in einem deutlich massentauglicheren Umfeld, dass auch ein kontrollsüchtiges Mädchen, das sich an Listen festklammert, eine lebendige, liebenswerte Figur sein kann. Ihre Stella ist kein leidender Engel, sondern witzig, nervig, stur und durch und durch lebendig. Wenn sie weint, weint nicht das Drehbuch für sie, sondern sie selbst.
Cole Sprouse bekommt als Will die klassische Rolle des unerreichbaren Bad Boys: zynisch, rebellisch, regelverachtend und innerlich natürlich viel verletzlicher. Seit Riverdale weiß Sprouse, wie man düster in die Kamera blickt, und genau das liefert er auch hier. Das funktioniert, aber die Figur ist deutlich schablonenhafter als Stella, und darüber kommt auch er nicht ganz hinweg.
Unter den Nebenfiguren bringt Moisés Arias als Poe echte Wärme und Humor mit, er ist eine der angenehmsten Überraschungen des Films. Kimberly Hébert Gregory füllt als Barb die Rolle der strengen, aber liebevollen Krankenschwester glaubwürdig aus: Sie verkörpert die Regeln, und trotzdem kann man ihr nicht böse sein. Parminder Nagra als Dr. Hamid und Claire Forlani als Meredith runden das Ensemble mit kleineren, aber soliden Auftritten ab.
Justin Baldoni und das Drücken auf die Tränendrüse
Regie führt Justin Baldoni, den viele eher als Schauspieler kennen dürften, und man merkt, wie sehr er es will: Er will, dass man weint. Das ist Stärke und Schwäche des Films zugleich. Das Krankenhausumfeld mit den kleinen Zimmern, den Fluren, den Schläuchen und Geräten fängt die Welt, in der diese jungen Leute leben, glaubwürdig ein. Und zum Glück ist die Krankheit nicht bloß Kulisse, sie prägt den Alltag der Figuren wirklich.
Allerdings vertraut Baldoni seinem eigenen Material oft nicht genug. Wenn eine Szene längst von selbst wirkt, kommt noch ein gefühlvoller Song, ein Zeitlupenmoment, ein etwas zu dick aufgetragener Satz obendrauf. Mit seinen 116 Minuten zieht sich der Film spürbar, im Mittelteil gibt es Leerlauf, den ein strafferer Schnitt problemlos hätte beseitigen können.
Visuell ist das ordentliche, klare Arbeit, die nichts Großes behaupten will und es auch nicht muss. Die Bilder sind warm, die Farben weich, alles dient dazu, den Blick auf den Gesichtern der beiden Hauptfiguren zu halten.
Wo gerät der Film ins Straucheln?
Das größte Problem ist die Vorhersehbarkeit. Wer schon ein paar Teenie-Romanzen mit Krankheitsdrama gesehen hat, ahnt ziemlich genau, auf welche Gefühlsachterbahn er sich hier einlässt. Der Film will nicht überraschen, sondern folgt dem bewährten Bogen des Genres, nur eben mit einem neuen, cleveren Dreh.
- Wills Figur folgt zu sehr der Genreschablone, seine Rebellion wirkt oft eher wie eine Pose als wie ein echter innerer Konflikt.
- Der Ton ist mitunter zu süßlich, manche Dialoge klingen, als stammten sie aus einer Zitatsammlung auf Instagram.
- Das Tempo ist ungleichmäßig, auf gute Szenen folgt manchmal reines Füllmaterial.
Trotzdem ist der Film nicht zynisch. Man sieht ihm an, dass er sein Thema und seine Figuren ernst nimmt, und das zählt viel. Bei so einer Geschichte wäre es leicht, die Krankheit nur als Tränenlieferant auszuschlachten, doch Drei Schritte zu Dir versucht zumindest zu zeigen, was es bedeutet, mit ihr zu leben.
Für wen ist der Film?
- Für dich, wenn: Für alle, die große, gefühlvolle Teenie-Romanzen lieben und nichts dagegen haben, ein wenig manipuliert zu werden, solange sie am Ende befreit weinen dürfen. Für Fans von Haley Lu Richardson ein Pflichttermin.
- Lieber auslassen, wenn: Wer allergisch auf Kitsch und vorhersehbare Geschichten reagiert oder einen leichten, fröhlichen Film fürs Date sucht, sollte lieber einen großen Bogen darum machen.
Wenn er dir gefällt, schau auch: Das Schicksal ist ein mieser Verräter (2014), Du neben mir (2017), Wenn ich bleibe (2014), Nur mit Dir (2002)
Häufige Fragen
Worum geht es in Drei Schritte zu Dir?
Um zwei Teenager mit Mukoviszidose, Stella und Will, die sich im Krankenhaus ineinander verlieben, wegen ihrer Krankheit aber Abstand halten müssen und sich nicht einmal berühren dürfen.
Wann ist Drei Schritte zu Dir in Deutschland erschienen?
Der Film kam am 20. Juni 2019 in die deutschen Kinos.
Wie lang ist Drei Schritte zu Dir?
Der Film dauert 116 Minuten.
Wer hat Drei Schritte zu Dir gedreht und wer spielt die Hauptrollen?
Regie bei dem US-amerikanischen Film führte Justin Baldoni. Die Hauptrollen spielen Haley Lu Richardson (Stella) und Cole Sprouse (Will), daneben sind Moisés Arias, Kimberly Hébert Gregory und Parminder Nagra zu sehen.
Wie lautet der Originaltitel von Drei Schritte zu Dir?
Der Originaltitel lautet Five Feet Apart.
Lohnt sich der Taschentuchverbrauch?
Drei Schritte zu Dir wird die Regeln des romantischen Dramas nicht neu schreiben, und das will er auch gar nicht. Er ist vorhersehbar, stellenweise zu süß, und Justin Baldonis Regie drückt manchmal energischer auf die Tränendrüse als nötig. Trotzdem steckt etwas sehr Menschliches darin: eine starke Grundidee, die aus der verbotenen Berührung Spannung gewinnt, und eine Haley Lu Richardson, die jede Szene glaubwürdig macht, in der sie zu sehen ist.
Wer an einem verregneten Abend genau Lust auf einen guten Film zum Weinen hat, kann deutlich schlechter wählen. Einfach Taschentücher bereitlegen und keine Überraschungen erwarten. Die Gefühle holen einen trotzdem ein, so sehr man auch mit ihnen rechnet.
