Gremlins - Kleine Monster Kritik: Das niedlichste Haustier der Welt, das man nach Mitternacht nie füttern darf
Ein flauschiges kleines Wesen, drei simple Regeln, und natürlich werden alle drei gebrochen. Gremlins ist seit Jahrzehnten nicht totzukriegen, weil der Film gleichzeitig kuscheliges Familienmärchen und frecher, boshafter Horror ist. Joe Dantes Klassiker beißt heute noch so kräftig zu, als wäre er gestern gedreht worden.
Eine anarchische, witzige und überraschend fiese Monsterkomödie, die zu den liebenswertesten Kultfilmen der Achtziger zählt.
Filmdaten
| Original | Gremlins 2: The New Batch |
|---|---|
| Kinostart in Deutschland | 23.8.1990 |
| Regie | Joe Dante |
| Besetzung | Zach Galligan, Phoebe Cates, Hoyt Axton, Frances Lee McCain, Corey Feldman, Keye Luke |
| Genre | Fantasyfilme, Horrorfilme, Komödien |
| Laufzeit | 106 Min. |
| FSK | 12 |
| Land | Amerikanische Filme |
Drei Regeln, die jeder bricht
Die Grundidee von Gremlins ist so simpel, dass sie fast wie ein Märchen wirkt. Billy bekommt ein neues Haustier, den an ein Kuscheltier erinnernden Gizmo, und dazu eine kurze Gebrauchsanweisung: kein Wasser, kein grelles Licht und, ganz wichtig, egal wie sehr er bettelt, niemals nach Mitternacht füttern.
Wer schon ein paar Filme gesehen hat, weiß genau: Solche Regeln werden nur ausgesprochen, damit man sie anschließend einzeln bricht. Billy schafft alle drei, und ab da gerät alles aus den Fugen. Durch Wasser vermehrt sich Gizmo, und der Mitternachtssnack verwandelt den Nachwuchs in grinsende, hinterhältige Biester. Die ziehen los, um die Ruhe der Kleinstadt zu zerlegen, und als sie im Schwimmbad landen, kommen sie zu Tausenden wieder heraus.
Das Geniale daran: Man sieht die Katastrophe kommen und genießt trotzdem jeden Schritt dorthin. Wie beim Aufstellen einer Dominoreihe weiß man, dass sie fallen wird. Offen ist nur, wie laut es kracht.
Joe Dante, der liebenswerte Anarchist
Joe Dante versteht genau, was einen Monsterfilm zugleich gruselig und urkomisch macht. Er will sich gar nicht entscheiden, und genau darin liegt die größte Stärke des Films. Gremlins ist in einem Moment Kleinstadtidylle, im nächsten echter Horror und im dritten ein absurder Klamauk, wie man ihn aus einem Looney-Tunes-Cartoon kennt.
Man merkt, wie sehr Dante seine Monster liebt. Die Biester sind keine gesichtslosen Bestien, sondern freche, chaotische Partyrowdys, die ihre Zerstörungswut so genießen wie eine Schülerclique ein verlassenes Gebäude. Das macht sie komisch und zugleich ein bisschen unheimlich: Logik gibt es bei ihnen nicht, nur die pure Freude daran, etwas kaputt zu machen.
Auch das Tempo sitzt. Der Film stürzt sich nicht sofort ins Chaos, sondern lässt uns Zeit, Gizmo und das Kleinstadtmilieu ins Herz zu schließen. Wenn dann die Hölle losbricht, steht etwas auf dem Spiel.
Gizmo und die Besetzung
Seien wir ehrlich: Der wahre Star des Films ist Gizmo. Kaum eine Filmkreatur erobert die Herzen so schnell. Große Augen, weiches Fell, unschuldiger Blick, und wer danach nicht selbst so einen mit nach Hause nehmen will, muss aus Stein sein.
Bei den Menschen gibt Zach Galligan als Billy den klassischen sympathischen Teenager, liebenswert und ein wenig unbeholfen, genau wie es sein soll. Phoebe Cates bringt als Kate Wärme und Bodenhaftung in die Geschichte. Hoyt Axton als Rand Peltzer und Frances Lee McCain als Lynn Peltzer bilden den familiären Rahmen, wobei McCain erstaunlich viel zur härteren Seite des Films beiträgt.
Auch in den Nebenrollen tauchen bekannte Gesichter auf: Corey Feldman ist als Pete zu sehen, einer der Dauergäste im Teeniekino der Achtziger, Keye Luke verkörpert als Großvater die geheimnisvolle, weise Figur, und Dick Miller liefert als Mr. Futterman starke Charakterarbeit ab. Die Schauspielerei ist nicht das Hauptargument für den Film, aber alle tun genau das, was das Genre verlangt.
Puppen, Schleim und handfestes Chaos
Gremlins stammt aus einer Zeit, in der Monster noch physisch am Set standen. Nach Jahrzehnten voller Digitaleffekte ist das heute einer der größten Schätze des Films. Die Kreaturen sind greifbar, schleimig, runzlig, und gerade deshalb funktionieren sie. Sie haben etwas Ungelenkes, Mechanisches, das mal komisch und mal richtig unheimlich wirkt.
Die Verwandlungen und Massenszenen beeindrucken bis heute, vor allem wenn man bedenkt, wie viel Handarbeit darin steckt. Ein heutiges Publikum bemerkt vielleicht hin und wieder die Grenzen der Puppen, doch das ist eher Charme als Makel. Wie ein altes Spielzeug: abgegriffen, aber für kein Geld der Welt hergegeben.
Auch die Musik trägt viel zur Stimmung bei: verspielt und bedrohlich zugleich, genau wie der Film selbst.
Wo die Waage kippt
Nicht alles hat die Jahre unbeschadet überstanden. Der erste Teil kann sich für alle, die nur wegen der Monster eingeschaltet haben, etwas ziehen, und manche Kleinstadtfiguren sind eher Funktion als echte Charaktere. Die menschliche Handlung wirkt mitunter nur wie ein Rahmen für das Treiben der Biester.
Und noch etwas sollte man wissen: Das ist kein Kinderfilm, so niedlich das Plakat auch aussieht. Es gibt grausame, blutige und richtig gruselige Momente, die kleinere Kinder ordentlich verstören können. So manche Familie ist schon in die Falle getappt und hat wegen des Plüschhelden einen Märchenfilm erwartet.
Das sind allerdings Kleinigkeiten bei einem Film, der so selbstbewusst mit den Tonlagen spielt.
Warum er nie alt wird
Das Geheimnis von Gremlins: Der Film erzählt ein echtes Märchen. Pass auf, was du geschenkt bekommst, und halte dich an die Regeln. Diese uralte, fast volksmärchenhafte Logik trifft auf einen frechen, popkulturellen Monsterfilm, und heraus kommt etwas ganz Eigenes. Der Film zwinkert Horrorfans genauso zu wie dem Familienpublikum und allen, die einfach gern zusehen, wie eine ordentliche kleine Welt in Stücke fällt.
Kein Wunder, dass Gizmo zu einer Ikone der Achtziger wurde und der Film von Generation zu Generation weitergereicht wird. Er funktioniert auch beim Wiedersehen und macht als Erwachsener vielleicht sogar mehr Spaß, weil einem dann erst auffällt, wie viel freche, schwarze Komik darin steckt.
Für wen ist der Film?
- Für dich, wenn: Für alle, die schwarzen Humor, handgemachte Monster und Kultfilme der Achtziger lieben. Perfekter Filmabend für nostalgische Erwachsene und ältere Teenager.
- Lieber auslassen, wenn: Für Familien mit kleinen Kindern, die wegen des niedlichen Plakats einen Märchenfilm erwarten. Und für alle, die moderne, digital polierte Schauwerte suchen.
Wenn er dir gefällt, schau auch: Ghostbusters (1984), Die Goonies (1985), E.T. the Extra-Terrestrial (1982), Gremlins 2 - Die Rückkehr der kleinen Monster (1990)
Häufige Fragen
Worum geht es in Gremlins?
Billy bekommt mit Gizmo ein kuscheliges Haustier samt drei strengen Regeln. Als er sie bricht, vermehrt sich Gizmo, und der Nachwuchs verwandelt sich in boshafte Monster, die die Kleinstadt verwüsten.
Welche Regeln gelten für Gizmo?
Er darf nicht nass werden, muss von grellem Licht ferngehalten werden und darf niemals nach Mitternacht gefüttert werden.
Wie lang ist Gremlins?
Der Film dauert 106 Minuten.
Kann man Gremlins mit Kindern schauen?
Nur mit älteren. Trotz des niedlichen Helden gibt es gruselige und gewalttätige Szenen, die für kleine Kinder nicht geeignet sind.
Wer hat Gremlins inszeniert?
Regie führte Joe Dante.
Füttern wir ihn nach Mitternacht noch ein letztes Mal?
Unbedingt. Gremlins gehört zu den seltenen Filmen, die nicht altern, sondern reifen. Niedlich und fies, witzig und gruselig, und das alles mit einer handwerklichen Sorgfalt, die man heute kaum noch findet. Wer ihn noch nicht kennt, sollte das nachholen, und wer ihn kennt, darf ihn ruhig wieder hervorholen. Nur ein Tipp: Die Snacks wegräumen, bevor es Mitternacht schlägt.
Kinoster-Wertung: 8,5/10
