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Kritik · Kinostart: 16.9.2009

Oben Kritik: Pixars Ballonwunder, das dir in zehn Minuten das Herz bricht

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Es gibt diesen Moment am Anfang von Oben, in dem erwachsene Menschen bei einem Zeichentrickfilm nach Taschentüchern kramen und sich nicht einmal dafür schämen. Pete Docters Film erzählt von einem 78-jährigen, einsamen Witwer, der buchstäblich sein Haus in die Luft hebt und damit davonfliegt. Die Prämisse ist so verrückt, dass nur Pixar es wagen konnte, sie so ernst zu nehmen. Genau deshalb ist der Film unvergesslich geworden.

9,5/10
Wertung
Oben gehört zu den Glanzleistungen von Pixar: lustig, abenteuerlich und so aufrichtig in seinem Blick auf Trauer und verpasste Träume, wie es nur wenige Realfilme schaffen.
Story
9
Schauspiel
9
Regie
10
Optik
9
Musik und Ton
10
Emotionen
10

Die Gesamtwertung ist der Durchschnitt der sechs Kriterien.

Filmdaten

OriginalUp
Kinostart in Deutschland16.9.2009
RegiePete Docter
BesetzungEd Asner, Christopher Plummer, Jordan Nagai, Bob Peterson, Delroy Lindo, Jerome Ranft
GenreAnimationsfilme, Komödien, Familienfilme, Abenteuerfilme
Laufzeit96 Min.
FSK0
LandAmerikanische Filme

Ein Haus, unzählige Ballons und ein vergessener Traum

Carl Fredricksen ist 78 Jahre alt und lebt seit dem Tod seiner Frau zurückgezogen und allein. Rund um sein altes Haus hat eine Firma längst alle Grundstücke aufgekauft, und natürlich hat sie auch seines im Visier. Doch Carl kann sich nicht davon trennen. Die Wände sind voller Erinnerungen, darunter ein Foto, über dem er und seine Frau davon träumten, eines Tages zum größten Wasserfall der Welt zu reisen. Aus der Reise wurde nie etwas.

Dann kommt die Wendung, die auch das Filmplakat ziert: Carl nutzt seine Erfahrung als ehemaliger Ballonverkäufer, bestückt sein Haus in einer einzigen Nacht mit Luftballons und steigt am Morgen, kurz bevor man ihn ins Altersheim bringen will, einfach in den Himmel auf. Ziel: Südamerika. Der Haken an der Sache ist ein blinder Passagier, ein kleiner Junge, der zur falschen Zeit am falschen Ort war. Oder zur richtigen Zeit am richtigen Ort, je nachdem, wie man es sieht.

Mehr verrate ich nicht, denn eine der großen Freuden von Oben ist, dass der Film einen ständig überrascht. Fest steht: Was als Flucht eines grantigen Opas beginnt, wird zu einem echten Abenteuerfilm, und zwar zu einem, der Kinder und Erwachsene auf ganz unterschiedliche Weise trifft.

Die ersten zehn Minuten, über die alle reden

Ich nehme keine Details vorweg, aber eines muss gesagt werden: Der Anfang dieses Films ist einer der mutigsten Schachzüge des modernen Animationskinos. Pixar eröffnet eine Familienkomödie mit einer Ouvertüre, die eher in ein Drama für Erwachsene passen würde. Fast ohne Worte, nur mit Bildern und Musik, erzählt der Film etwas, das viele andere in zwei Stunden nicht so klar auf den Punkt bringen.

Diesem Mut ist es zu verdanken, dass Carl keine lustige Altherrenfigur ist, über die wir lachen, sondern ein Mensch, den wir verstehen. Hinter jedem Grummeln, hinter jeder sturen Geste steckt etwas, das wir selbst mit uns herumtragen. Von da an ist das fliegende Haus kein Gag mehr, sondern Trauer, Trotz und Hoffnung zugleich. Selten bedeutet ein Bündel Luftballons in einem Animationsfilm so viel.

Stimmen, die den Figuren Leben einhauchen

Ed Asner ist als Carl Fredricksen ein Volltreffer. Seine Stimme klingt kratzig und mürrisch, doch irgendwo tief darin steckt Wärme, und genau die braucht es, damit Carl nicht unsympathisch wirkt. Man spürt die ganze Zeit, dass dieser knurrige alte Herr einmal sehr innig lieben konnte.

Jordan Nagai ist als Russell das perfekte Gegenstück: begeistert, quasselig und ein bisschen nervig, wie ein echtes Kind eben. Die Dynamik zwischen dem mürrischen Alten und dem grenzenlos optimistischen Jungen ist der Motor des Films. Christopher Plummer, den viele aus Meine Lieder, meine Träume kennen, verleiht der Geschichte als Stimme von Charles Muntz besonderes Gewicht. Über ihn schweige ich aber lieber, um nichts zu spoilern.

Ein Extralob verdient Bob Peterson, der sowohl Dug als auch Alpha spricht und aus beiden unvergessliche Figuren macht. Delroy Lindo als Beta und Jerome Ranft als Gamma bereichern die Truppe ebenfalls, und John Ratzenberger, der Glücksbringer vieler Pixar-Filme, schaut auch diesmal in einer kleinen Rolle als Bauleiter Tom vorbei.

Pete Docter, der Regisseur fürs Herz

Pete Docter hat schon mit Die Monster AG bewiesen, dass er Geschichten für Kinder so erzählen kann, dass auch Erwachsene gerührt sind. Oben treibt diese Fähigkeit auf die Spitze. Docter scheut keine langsamen, stillen Momente, und was noch wichtiger ist: Er vertraut seinem Publikum. Er erklärt nichts zu Tode, drückt uns nicht jedes Gefühl aufs Auge, sondern lässt einfach die Bilder arbeiten.

Auch der Rhythmus ist meisterhaft. Der Film dauert 96 Minuten, und darin finden Drama, Slapstick, Abenteuerspannung und jede Menge absurder Humor Platz. Trotzdem wirkt nichts überladen, denn jede Pointe und jede Actionszene hängt irgendwie mit Carls emotionaler Reise zusammen. Genau das lernen schwächere Animationsfilme nie: Spektakel ist nur dann etwas wert, wenn man dabei um jemanden bangt.

Farben, Ballons und eine Melodie, die einen nicht loslässt

Optisch ist Oben ein verspieltes Bilderbuch. Die eckigen und runden Formen der Figuren sind beinahe schon Charakterbeschreibungen: Carls kantiger Kopf sagt alles über seine Sturheit. Das Haus, das unter einer bunten Ballonwolke schwebt, gehört zu den ikonischsten Bildern, die uns ein Animationsfilm je geschenkt hat, und auch die südamerikanische Landschaft sieht prachtvoll aus.

Die Musik hätte eigentlich ein eigenes Kapitel verdient. Das Hauptthema ist eine schlichte Walzermelodie, die zunächst charmant klingt und dann, je öfter sie wiederkehrt, immer schmerzhafter und immer schöner wird. Die Montage am Anfang steht und fällt zu einem großen Teil mit dieser Musik, und sie steht. Wenn du sie eine Woche später noch summst, wundere dich nicht.

Wo gerät der Ballon ins Wanken?

Wenn ich meckern will, und ein bisschen will ich das, dann würde ich sagen, dass die zweite Hälfte stellenweise eher ein klassischer Abenteuerfilm ist, als man es nach der Ouvertüre erwarten würde. Die geniale emotionale Tiefe, mit der Oben beginnt, weicht manchmal der Verfolgungsjagd und dem Slapstick. Für Kinder ist das perfekt, erwachsene Zuschauer vermissen aber vielleicht hier und da den stillen Zauber, mit dem der Film sie gepackt hat.

Doch das ist wirklich nur eine Kleinigkeit. Auch in seinen turbulenteren Passagen weiß Oben genau, wohin er will, und sein Herz bleibt bis zum Schluss am rechten Fleck.

Für wen ist der Film?

Wenn er dir gefällt, schau auch: Die Monster AG (2001), WALL·E (2008), Toy Story 3 (2010), Alles steht Kopf (2015), Coco (2017)

Häufige Fragen

Worum geht es in Oben?

Der 78-jährige Witwer Carl Fredricksen lässt sein Haus in einer einzigen Nacht mit Luftballons abheben und macht sich auf den Weg nach Südamerika, um den gemeinsamen Traum mit seiner Frau vom größten Wasserfall der Welt wahr zu machen. Begleitet wird er dabei von einem kleinen Jungen, der als blinder Passagier mitfliegt.

Wann kam Oben in die deutschen Kinos?

Der Film startete am 16. September 2009 in Deutschland.

Wie lang ist Oben?

Oben hat eine Laufzeit von 96 Minuten.

Wer hat bei Oben Regie geführt?

Regie führte Pete Docter.

Wer spricht die Figuren in der Originalfassung von Oben?

Carl Fredricksen wird von Ed Asner gesprochen, Charles Muntz von Christopher Plummer, Russell von Jordan Nagai, und Bob Peterson leiht Dug und Alpha seine Stimme.

Wie lautet der Originaltitel von Oben?

Der Originaltitel lautet Up. Es handelt sich um eine US-amerikanische Animationskomödie und einen Familienabenteuerfilm.

Steigst du noch einmal in Carls Haus?

Wer den Film schon gesehen hat, kennt die Antwort: Ja, und du wirst wieder gerührt sein. Und falls er dir irgendwie entgangen ist, schieb ihn nicht länger auf. Oben ist einer dieser seltenen Animationsfilme, der Kindern ein wunderbares Abenteuer schenkt und Erwachsenen eine leise, schmerzlich schöne Erinnerung daran, dass man Träume nicht im Regal verstauben lassen sollte. Leg die Taschentücher bereit und lass dich von den Ballons davontragen.

Wertung: 9,5/10 · Story 9 · Schauspiel 9 · Regie 10 · Optik 9 · Musik und Ton 10 · Emotionen 10