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Kritik · Kinostart: 20.2.2020

Ruf der Wildnis Kritik: Harrison Ford und ein Hund, der lernt, sein eigener Herr zu sein

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Ein Hund wird von der gemütlichen Veranda in Kalifornien mitten in die Schneestürme des Yukon geworfen, und ehrlich gesagt verdankt dieser Film ihm alles. Ruf der Wildnis ist ein altmodisches Abenteuer mit Herz, das nie klüger sein will als sein Publikum, aber ganz genau weiß, an welcher Stelle es einem die Kehle zuschnüren muss. Und Harrison Ford mit Vollbart und müdem Blick wirkt wie eine warme Decke in einer eiskalten Nacht.

7,3/10
Wertung
Nicht makellos und manchmal etwas zu glatt poliert, aber selten erzählt ein Familienabenteuer so klar und liebevoll davon, was es heißt, seinen Platz in der Welt zu finden.
Story
7
Schauspiel
7
Regie
7
Optik
8
Musik und Ton
7
Emotionen
8

Die Gesamtwertung ist der Durchschnitt der sechs Kriterien.

Filmdaten

OriginalThe Call of the Wild
Kinostart in Deutschland20.2.2020
RegieChris Sanders
BesetzungHarrison Ford, Dan Stevens, Colin Woodell, Karen Gillan, Omar Sy, Raven Scott
GenreAbenteuerfilme, Familienfilme, Dramen
Laufzeit100 Min.
FSK6
LandAmerikanische Filme

Wo kann man Ruf der Wildnis streamen?

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Streaming-Daten: JustWatch · Stand: 13.10.2026

Worum geht es, ohne Spoiler: von der Veranda zum Postschlitten

Buck ist groß, liebenswert und ein bisschen verwöhnt. Sein Leben in Kalifornien ist bequem, und das größte Abenteuer besteht vermutlich darin, im Haus etwas umzuwerfen. Dann wird er unerwartet weit von seinem Zuhause verschleppt und landet zur Zeit des Goldrauschs in den 1890er Jahren in der rauen Wildnis des Yukon. Dort krault ihm niemand mehr den Kopf, nur weil er so süß ist.

Buck wird zum neuesten Mitglied eines Hundegespanns, das einen Postschlitten zieht, und später zu dessen Leithund. Im Kern ist der Film seine Entwicklungsgeschichte: wie aus dem behüteten Haustier ein Wesen wird, das auf eigenen Beinen steht und am Ende sein eigener Herr ist. Mehr muss man gar nicht verraten, denn die Stärke des Films liegt ohnehin darin, wie er diese Verwandlung Stück für Stück, Szene für Szene aufbaut.

Das Muster ist klassisch: eine fremde Welt, harte Prüfungen, gute und schlechte Menschen und ein Tier, das all das übersteht und daran wächst. Wer als Kind schon bei einem Hundefilm geheult hat, weiß genau, worauf er sich einlässt.

Harrison Ford, das grummelnde Herz

Seien wir ehrlich: Viele kaufen sich das Ticket wegen Harrison Ford. Nach Han Solo und Indiana Jones sehen wir ihn hier in einer ganz anderen Rolle. John Thornton ist ein gebrochener, stiller Mann, bei dem der Blick mehr sagt als jedes Wort. Ford ist in diesem Alter nicht mehr der Abenteuerheld, sondern der alte Mann an seiner Seite, und das steht ihm erstaunlich gut. Er bringt eine müde Wärme mit, ohne die der Film deutlich leerer wäre.

Auch der Rest der Besetzung passt. Omar Sy spielt Perreault mit genau dem entwaffnenden, sonnigen Charme, den wir seit Ziemlich beste Freunde an ihm lieben, und Cara Gee ist als Françoise eine prima Partnerin für ihn. Auf der anderen Seite stehen Dan Stevens als Hal, Karen Gillan als Mercedes und Colin Woodell als Charles. Stevens gehört zu den Schauspielern, die es lieben, eine Figur ein wenig zu überdrehen, und genau das tut er hier. Manchen wird das zu sehr nach Karikatur aussehen, in einem Familienfilm geht es für mich völlig in Ordnung.

In kleineren Rollen tauchen noch Raven Scott und Wes Brown auf, doch die eigentliche Hauptfigur ist eindeutig Buck. Jede Szene dreht sich um ihn, und der Film funktioniert dann am besten, wenn die Menschen nur den Rahmen für seinen Weg liefern.

Chris Sanders weiß, wie man von Tieren erzählt

Regie führt Chris Sanders, und das erklärt eine Menge. Auf sein Konto gehen Lilo & Stitch und Drachenzähmen leicht gemacht, er hat also einen Großteil seiner Karriere damit verbracht, von der Bindung zwischen Menschen und Nicht-Menschen zu erzählen. Diese Erfahrung spürt man: Sanders hat keine Angst vor großen, klaren Gefühlen und schämt sich nicht, wenn eine Szene einfach nur rühren will.

Das Tempo ist angenehm, die 100 Minuten Laufzeit reichen genau, um niemanden zu ermüden und trotzdem Bucks Verwandlung in Ruhe zu entfalten. Sanders' Denken aus dem Animationsfilm ist allerdings ein zweischneidiges Schwert. Manchmal wirkt der Film wie der Realfilm-Zwilling eines Zeichentrickfilms: alles ein bisschen heller, ein bisschen ausdrucksstärker, ein bisschen märchenhafter als die Wirklichkeit. Für Kinder ist das wunderbar, erwachsene Zuschauer fragen sich aber gelegentlich, ob eine härtere, rauere Fassung nicht noch mehr Wucht gehabt hätte.

Schnee, Licht und Goldrausch: die Bilder

Der Yukon ist der zweite Hauptdarsteller. Verschneite Landschaften, endloses Weiß, zugefrorene Flüsse und dagegen die überfüllte, schlammige Welt des Goldrauschs ergeben einen herrlichen Kontrast. Der Moment, in dem Buck zum ersten Mal begreift, wie gewaltig die Wildnis ist, ist echtes Kino und gehört auf eine große Leinwand.

Die Schlittenszenen haben Schwung, Tempo und spürbare Gefahr, und sie machen deutlich, welche Plackerei es war, in dieser Welt die Post ans Ziel zu bringen. Stellenweise sind die Bilder zu perfekt, fast wie auf einer Postkarte. Aber das kann man einem Film, dessen erklärtes Ziel es ist zu verzaubern, ehrlich gesagt kaum ernsthaft vorwerfen.

Wo gerät der Schlitten ins Rutschen?

Die große Frage ist, wie viel emotionale Offenheit man verträgt. Wer Geschichten mag, in denen Gut und Böse sauber getrennt sind, wird hier glücklich. Wer dagegen nach vielschichtigeren, dunkleren Figuren sucht, wird die Bösewichte zu comichaft und die Wendungen zu vorhersehbar finden.

Das zweite Risiko ist die Berechenbarkeit. Dieser Film will nicht überraschen, sondern trösten und berühren. Das ist Stärke und Schwäche zugleich. Mich hat es nicht gestört, aber ich verstehe jeden, der am Ende mit den Schultern zuckt: kennt man doch, nur mit einem anderen Hund.

Für wen ist der Film?

Wenn er dir gefällt, schau auch: Wolfsblut (1991), Balto (1995), Togo (2019), A Dog's Purpose (2017)

Häufige Fragen

Wann kam Ruf der Wildnis in die deutschen Kinos?

Der Film startete in Deutschland am 20. Februar 2020.

Worum geht es in Ruf der Wildnis?

Buck, ein Haushund aus Kalifornien, landet zur Zeit des Goldrauschs in den 1890er Jahren unerwartet in der Wildnis des Yukon. Dort wird er Teil eines Hundegespanns, das einen Postschlitten zieht, später dessen Leithund, und findet schließlich seinen Platz in der Welt.

Wie lang ist Ruf der Wildnis?

Der Film dauert 100 Minuten.

Wer spielt in Ruf der Wildnis mit?

Harrison Ford spielt John Thornton, daneben sind Omar Sy (Perreault), Cara Gee (Françoise), Dan Stevens (Hal), Karen Gillan (Mercedes) und Colin Woodell (Charles) zu sehen.

Wer hat Ruf der Wildnis inszeniert?

Regie führte Chris Sanders.

Lohnt es sich, mit Buck in den Yukon aufzubrechen?

Ja, wenn man weiß, worauf man sich einlässt. Ruf der Wildnis ist kein revolutionärer Film und will auch keine neuen Regeln aufstellen. Er erzählt aber ehrlich und liebevoll eine zeitlose Geschichte über Freiheit, Treue und darüber, dass man manchmal die Bequemlichkeit verlieren muss, um zu sich selbst zu finden. Harrison Ford ist verlässlich, Buck zum Liebhaben, der Yukon atemberaubend, und Chris Sanders spürt genau, wo er auf unser Herz drücken muss.

Für einen verregneten Sonntagnachmittag als gemeinsamer Familienfilm ist er ideal. Nur Taschentücher bereitlegen, denn Hundefilme kennen selten Gnade.

Wertung: 7,3/10 · Story 7 · Schauspiel 7 · Regie 7 · Optik 8 · Musik und Ton 7 · Emotionen 8