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Kritik · Kinostart: 17.5.2007

Das perfekte Verbrechen Kritik: Anthony Hopkins und Ryan Gosling im Schachduell vor Gericht, bei dem der Mörder zuletzt lächelt?

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Es gibt Thriller, bei denen man schon nach wenigen Minuten weiß, wer der Mörder ist, und gerade das macht sie so nervenaufreibend. Das perfekte Verbrechen gehört genau in diese Kategorie: Die Frage lautet nicht, wer abgedrückt hat, sondern wie um alles in der Welt sich das beweisen lässt. Das Kräftemessen zwischen Anthony Hopkins und Ryan Gosling ist ein solches Vergnügen, dass sich der Film von 2007 auch heute noch lohnt.

7,3/10
Wertung
Ein kluger, eleganter und ausgesprochen unterhaltsamer Justizthriller, dessen stärkste Waffe das Katz-und-Maus-Spiel seiner beiden Hauptdarsteller ist.
Story
8
Schauspiel
9
Regie
7
Optik
7
Musik und Ton
6
Emotionen
7

Die Gesamtwertung ist der Durchschnitt der sechs Kriterien.

Filmdaten

OriginalFracture
Kinostart in Deutschland17.5.2007
RegieGregory Hoblit
BesetzungAnthony Hopkins, Ryan Gosling, David Strathairn, Rosamund Pike, Embeth Davidtz, Billy Burke
GenreThriller
Laufzeit113 Min.
FSK12
LandDeutsche Filme, Amerikanische Filme

Ein Mord, der zu einfach wirkt

Die Ausgangslage ist fast schon provozierend eindeutig. Ted Crawford findet heraus, dass seine junge Frau Jennifer ihn betrügt, und schmiedet einen perfekten Mordplan. Als die Polizei sein Haus stürmt, steht er mit der Pistole in der Hand da und denkt gar nicht daran zu leugnen, dass er seine Frau erschossen hat. Damit die Sache noch heikler wird, erkennt Detective Rob Nunally in dem Opfer fassungslos seine eigene Geliebte.

Crawford wird festgenommen, legt ein Geständnis ab und landet hinter Gittern. Auf dem Papier ist das ein Fall, den ein Staatsanwalt mit geschlossenen Augen gewinnt. Genau so sieht es auch der ehrgeizige stellvertretende Bezirksstaatsanwalt Willy Beachum, für den das nach einem schnellen, bequemen Sieg aussieht. Doch je tiefer er gräbt, desto mehr verheddert er sich in den Fäden, ohne zu merken, dass in Wahrheit Crawford die Regie führt.

Mehr muss man über die Handlung gar nicht wissen. Die Stärke von Das perfekte Verbrechen liegt darin, dass der Film auch das Publikum in dieselbe trügerische Sicherheit wiegt wie Beachum, um ihm dann langsam und methodisch den Boden unter den Füßen wegzuziehen.

Hopkins, das lächelnde Raubtier

Kaum jemand kann so gefährlich wirken wie Anthony Hopkins, während er praktisch nichts tut. Als Ted Crawford spielt er einen kühlen, präzisen, grenzenlos selbstsicheren Mann, der mit jedem Satz einen Schritt weiter ist als alle anderen. Man denkt unweigerlich an Hannibal Lecter, und der Film weiß das natürlich auch. Crawford ist allerdings ein anderes Kaliber von Monster: Seine Waffe ist nicht die rohe Bedrohung, sondern die intellektuelle Überlegenheit.

Hopkins hat hier sichtlich Spaß, und diese Spiellaune springt aufs Publikum über. Jede seiner Szenen ist eine kleine Vorstellung, in der Spott, eine fast väterliche Herablassung und eiskalte Berechnung gleichzeitig mitschwingen. Das ließe sich leicht überziehen, aber Hopkins spürt genau, wie weit er gehen darf. Heraus kommt ein Bösewicht, dem man, ein wenig beschämt, sogar die Daumen drückt.

Gosling, der überhebliche junge Staatsanwalt

Ryan Gosling war damals noch der junge Schauspieler, bei dem alle ahnten, dass ihm Großes bevorsteht, und dieser Film zeigt gut, warum. Willy Beachum ist kein makelloser Held: arrogant, karrierefixiert, ein bisschen zu sehr von sich überzeugt, und genau das macht ihn interessant. Hier steht kein strahlender Ritter dem Bösen gegenüber, sondern ein ehrgeiziger junger Mann, für den dieser Fall vielleicht die erste echte Ohrfeige seines Lebens ist.

Goslings lässige, selbstbewusste Art passt hervorragend zur Figur, und vor allem geht er neben Hopkins nicht unter. Das will etwas heißen, denn neben einem Schauspieler dieses Formats gerät man schnell in den Hintergrund. Ihre gemeinsamen Szenen sind die besten Momente des Films, wie eine Schachpartie, bei der der eine Spieler schon zehn Züge vorausdenkt, während der andere gerade erst die Regeln lernt.

Auch die Nebenrollen sind stark besetzt. David Strathairn verleiht Joe Lobruto eine verlässliche, respekteinflößende Präsenz, Rosamund Pike bringt als Nikki Gardner Farbe in Beachums Leben, und Billy Burke ist als Detective Nunally eine der tragischsten Figuren des Films. Fiona Shaw als Richterin und Cliff Curtis als Ermittler Flores haben weniger Leinwandzeit, sorgen aber beide für einen glaubwürdigen Rahmen.

Gregory Hoblit, der stille Meister der Spannung

Gregory Hoblits Inszenierung drängt sich nicht in den Vordergrund, und das ist hier eine ausgesprochen kluge Entscheidung. Das perfekte Verbrechen ist kein Actionfilm, es gibt keine Verfolgungsjagden und keine spektakulären Schießereien alle zehn Minuten. Stattdessen baut sich ein Thriller langsam auf, getragen von Dialogen und Mimik, in dem die Spannung aus Gesprächen, Blicken und Duellen im Gerichtssaal entsteht.

Hoblit weiß, dass man zwei solche Darsteller am besten einfach machen lässt. Die Kamera ist unaufdringlich, die Bilder sind elegant, und die Räume, allen voran Crawfords Haus, wirken kühl und steril präzise, ganz wie ihr Besitzer. Diese visuelle Zurückhaltung spiegelt das Innenleben der Figur hervorragend wider. In den 113 Minuten gibt es kaum Leerlauf, auch wenn im Mittelteil die eine oder andere Szene das Tempo etwas drosselt.

Wo das Getriebe knirscht

Perfekt ist der Film trotzdem nicht. Einige Nebenstränge, vor allem Beachums Privatleben, sind weniger spannend als der zentrale Konflikt und wirken mitunter wie Füllmaterial. Wer schon viele Gerichts- und Justizthriller gesehen hat, dem kommen manche Kniffe bekannt vor, und er durchschaut die Wendungen womöglich früher, als es dem Film lieb ist.

Auch die Musik ist eher funktional als einprägsam: Sie erfüllt ihren Zweck und untermalt die Spannung, bleibt aber nicht im Ohr. Das logische Gerüst strapaziert die Glaubwürdigkeit stellenweise ziemlich, doch ehrlich gesagt verzeiht man so etwas bei dieser Art Film gern, solange man sich so gut unterhalten fühlt. Und genau das ist hier der Fall.

Das größte Risiko besteht eigentlich darin, dass der Film so stark auf das Duo Hopkins und Gosling setzt, dass die Spannung spürbar nachlässt, sobald keiner von beiden im Bild ist. Zum Glück kommt das selten vor.

Für wen ist der Film?

Wenn er dir gefällt, schau auch: Das Schweigen der Lämmer (1991), Im Auftrag des Teufels (1997), Zwielicht (1996), The Verdict (1982)

Häufige Fragen

Worum geht es in Das perfekte Verbrechen?

Ted Crawford entdeckt, dass seine junge Frau ihn betrügt, und ersinnt einen perfekten Mordplan. Obwohl er die Tat gesteht, verstrickt sich der ehrgeizige stellvertretende Bezirksstaatsanwalt Willy Beachum, der den Fall übernimmt, immer tiefer darin, während Crawford die Fäden zieht.

Wann kam Das perfekte Verbrechen in die deutschen Kinos?

Der Film startete am 17. Mai 2007 in Deutschland.

Wie lang ist Das perfekte Verbrechen?

Der Film hat eine Laufzeit von 113 Minuten.

Wer spielt in Das perfekte Verbrechen mit?

Die Hauptrollen spielen Anthony Hopkins (Ted Crawford) und Ryan Gosling (Willy Beachum), daneben sind David Strathairn, Rosamund Pike, Embeth Davidtz, Billy Burke, Cliff Curtis und Fiona Shaw zu sehen.

Wer hat Das perfekte Verbrechen inszeniert?

Regie führte Gregory Hoblit.

Wie lautet der Originaltitel von Das perfekte Verbrechen?

Der Originaltitel lautet Fracture. Der Film ist eine deutsch-amerikanische Koproduktion.

Lohnt sich das Duell zwischen Hopkins und Gosling auch heute noch?

Eindeutig ja. Das perfekte Verbrechen hat das Genre nicht neu erfunden, weiß aber genau, was es will, und setzt das richtig gut um. Ein straffer, eleganter, kluger Thriller, der ganz auf das Aufeinandertreffen zweier großartiger Schauspieler baut und damit den Einsatz hochtreibt. Hopkins' Lächeln verfolgt einen noch tagelang, und Gosling zeigt, warum er später zu einem der gefragtesten Schauspieler wurde.

Wer einen Abend sucht, an dem es keine Explosionen und tausend Schnitte braucht, um auf der Stuhlkante zu sitzen, liegt mit diesem Film richtig. Tee kochen, Licht aus, und dann zusehen, wie aus einem Geständnis der am schwersten zu gewinnende Fall der Welt wird.

Wertung: 7,3/10 · Story 8 · Schauspiel 9 · Regie 7 · Optik 7 · Musik und Ton 6 · Emotionen 7