The Transporter Kritik: Jason Statham, ein BMW und drei Regeln, die er schnell bricht
Es gibt diesen Moment, in dem ein glatzköpfiger Brite sein Jackett sorgfältig zusammenfaltet, bevor er den halben Hafen in Schutt und Asche legt, und man spürt sofort: Dieser Film weiß ganz genau, was er will. The Transporter tut nicht so, als wäre er klüger, als er ist, aber in dem, was er sich vornimmt, ist er erstaunlich selbstsicher. Das ist der Film, mit dem Jason Statham zum Actionhelden wurde.
Dumm, stilvoll, schnell und verdammt unterhaltsam. Statham bewegt sich schon hier, als hätte er sein ganzes Leben lang auf diese Rolle hingearbeitet.
Filmdaten
| Kinostart in Deutschland | 8.5.2003 |
|---|---|
| Regie | 元奎, Louis Leterrier |
| Besetzung | Jason Statham, 舒淇, François Berléand, Matt Schulze, Ric Young, Doug Rand |
| Genre | Actionfilme, Krimis, Thriller |
| Laufzeit | 92 Min. |
| FSK | 16 |
| Land | Amerikanische Filme, Französische Filme |
Regel Nummer eins: Niemals das Paket öffnen
Frank Martin ist ein einsamer Profi. Er liefert alles, überallhin, auf die Minute pünktlich, und dann ist er weg. Er stellt keine Fragen, er macht keine Fehler, und er lebt nach seinen eigenen Regeln, von denen er keinen Millimeter abweicht. Mehr Ausgangslage gibt es nicht, und ehrlich gesagt braucht ein Film wie dieser auch nicht mehr. Der Wagen ist schnell, die Auftraggeber sind zwielichtig, und der Mann ist so kühl wie ein Eiswürfel im Whisky.
Doch dann macht er einmal eine Ausnahme. Er öffnet eines der Pakete, die man ihm anvertraut hat, und findet im Sack eine gefesselte, bildschöne Chinesin mit zugeklebtem Mund. Schweren Herzens liefert er sie trotzdem ab. Kurz darauf fliegt allerdings sein geliebtes Auto in die Luft, und Frank kehrt zum Empfänger zurück. Ab jetzt zählen die Regeln nicht mehr: Er rettet die Fracht und versucht auf ihr Drängen hin herauszufinden, wer die beiden tot sehen will und warum.
Mehr verrate ich nicht, und mehr muss man auch nicht wissen. The Transporter bleibt nicht wegen seiner Handlung im Gedächtnis, sondern wegen der Art, wie er sie serviert.
Statham: Die Geburt des glatzköpfigen Gentleman
Bis dahin kannte man Jason Statham vor allem aus den Gangsterfilmen von Guy Ritchie, aus Bube, Dame, König, grAS und Snatch, als redseligen Schnellsprecher. Hier zeigt sich, dass der Mann auch in einem ganz anderen Register funktioniert. Frank Martin redet wenig, beobachtet viel, und wenn er sich bewegt, dann hat das Gewicht.
Stathams größte Stärke: Er übertreibt nicht. Er zwinkert dem Publikum nicht zu und versucht nie, witziger zu sein als die Situation. Er macht einfach glaubhaft, dass dieser Mann seinen Job ernst nimmt und dass seine Regeln keine Pose sind, sondern Überlebenstechniken. Nebenbei fühlt er sich in den Kampfszenen sichtlich zu Hause, was bei einem Actionhelden nicht wenig ist.
Shu Qi hat als Lai die schwierigere Aufgabe: Sie muss Frank aus seiner gewohnten Ordnung bringen. Zwischen den beiden lodert es nicht, es glimmt eher, aber darauf baut der Film auch nicht wirklich. François Berléand ist als Inspektor Tarconi die Geheimwaffe des Films: ein trockener, sympathischer, leicht müder Polizist, dessen Szenen allesamt Freude machen. Matt Schulze (Wall Street) und Ric Young (Mr. Kwai) stehen auf der Seite der Bösen und verbreiten die genretypische, eher pflichtschuldige Bedrohlichkeit.
Hongkong-Choreografie unter französischer Sonne
Auf dem Regiestuhl saßen Corey Yuen und Louis Leterrier, und dieses Duo erklärt die seltsame, aber funktionierende Mischung des Films. Corey Yuens Hongkong-Actionschule spürt man in jeder Prügelei: kreativ, raumgreifend, manchmal regelrecht komisch, mit Szenen, in denen jedes Element der Kulisse zur Waffe werden kann. Wer schon einmal gesehen hat, wie jemand auf einem ölverschmierten Boden schlitternd zuschlägt, weiß, von welcher Art Kino hier die Rede ist.
Die französische Seite liefert die Atmosphäre: sonnige Küste, kurvige Straßen, elegante Fahrten und eine sehr europäische Lässigkeit. Die Laufzeit von 92 Minuten ist ein Segen. Der Film zieht sich nicht, stopft sich nicht mit überflüssigen Nebenhandlungen voll, bringt alles schnell auf den Punkt und eilt weiter zur nächsten Actionszene.
Was funktioniert und was überhaupt nicht
Fangen wir mit dem Guten an, davon gibt es nämlich mehr:
- Die erste Viertelstunde ist schlicht großartig, schnell, straff und eine perfekte Einführung in Franks Welt.
- Die Nahkämpfe sind einfallsreich und unterhaltsam, mit Abstand die stärksten Momente des Films.
- Stathams Charisma trägt auch die schwächeren Passagen.
- Das Tempo: anderthalb Stunden, und Langeweile kommt wirklich nicht auf.
Auch die Schwächen sind kein Geheimnis. Das Drehbuch ist oft nur ein Vorwand für die nächste Actionszene, die Motive der Bösewichte sind dünn, und die zweite Hälfte kippt zunehmend in grelle, comichafte Übertreibung. Die Liebesgeschichte ist Pflichtprogramm, mehr nicht. Wer Logik sucht, wird schnell enttäuscht. Wer dagegen einen guten Samstagabend mit Bier, Chips und Action will, bekommt genau das.
Was taugt der Film heute, nach all den Jahren?
Es ist seltsam, The Transporter jetzt wiederzusehen, wo Stathams Name praktisch zu einem eigenen Genre geworden ist. Actionfilme sind seitdem viel härter, düsterer und länger geworden, und im Vergleich dazu wirkt dieser Film aus dem Jahr 2002 fast erfrischend leichtfüßig. Er hat etwas von der naiven Eleganz europäischer Actionfilme der späten Neunziger und eine Prise vom Spieltrieb des Hongkong-Kinos.
Perfekt ist er nicht, stellenweise sogar ausgesprochen albern, aber er hat Stil und kennt seine Stärken. Und das Wichtigste: Hier entstand jene Statham-Figur, die wir später unzählige Male wiedersehen sollten. Wer wissen will, wo diese Karriere ihren Anfang nahm, kommt an diesem Film nicht vorbei.
Für wen ist der Film?
- Für dich, wenn: Für alle, die schnelle, spektakuläre und unkomplizierte Actionfilme mögen, und für Statham-Fans, die sehen wollen, wo alles begann.
- Lieber auslassen, wenn: Wer eine vielschichtige Geschichte, tiefe Figuren oder glaubwürdige Logik erwartet, wird sich spätestens in der zweiten Hälfte ärgern.
Wenn er dir gefällt, schau auch: Ronin (1998), 96 Hours (2008), Drive (2011), Bube, Dame, König, grAS (1998)
Häufige Fragen
Worum geht es in The Transporter?
Frank Martin ist ein professioneller Kurierfahrer, der nie Fragen stellt und nie die Pakete öffnet. Einmal tut er es doch und findet darin eine gefesselte junge Chinesin. Nachdem sein Auto in die Luft gesprengt wurde, rettet er sie und versucht herauszufinden, wer die beiden umbringen will.
Wann kam The Transporter in die deutschen Kinos?
Der Film startete am 8. Mai 2003 in den deutschen Kinos.
Wie lang ist The Transporter?
Die Laufzeit beträgt 92 Minuten.
Wer spielt die Hauptrolle in The Transporter?
Frank Martin wird von Jason Statham gespielt, an seiner Seite sind Shu Qi (Lai), François Berléand (Tarconi) und Matt Schulze (Wall Street) zu sehen.
Wer hat bei The Transporter Regie geführt?
Regie führten Corey Yuen und Louis Leterrier, es handelt sich um eine amerikanisch-französische Koproduktion.
Lohnt es sich, noch einmal neben Frank Martin auf dem Beifahrersitz Platz zu nehmen?
Ja, wenn man weiß, worauf man sich einlässt. The Transporter ist kein großer Film, aber gute Unterhaltung: schnell, stilvoll, manchmal lächerlich überdreht und mit einem Hauptdarsteller, dem man gern zusieht. Über die Geschichte muss man nicht viele Worte verlieren, über die Kämpfe und Stathams kühle Professionalität dagegen schon. Für einen entspannten Abend mit Popcorn funktioniert er auch heute noch problemlos, und als filmhistorische Kuriosität taugt er ebenfalls: Hier hat eine ganze Actionkarriere den Gang eingelegt.
