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Kritik · Kinostart: 25.3.2009

Die Herzogin Kritik: Keira Knightley im goldenen Käfig, Ralph Fiennes mit eiskaltem Blick

Italienische FilmeBritische FilmeFranzösische FilmeDramenHistorienfilmeRomantische FilmeKostümfilmeNach einer wahren Geschichte

Es gibt Kostümdramen, in denen das Korsett kein Schmuckstück ist, sondern ein Gefängnis. Die Herzogin ist genau so ein Film: Hinter glanzvollen Bällen, federgeschmückten Hüten und politischen Salons kämpft eine Frau darum, wenigstens über ihr eigenes Herz bestimmen zu dürfen. Und dank der gemeinsamen Szenen von Keira Knightley und Ralph Fiennes trifft dieser Film heute härter, als man zunächst erwarten würde.

7,8/10
Wertung
Ein wunderschönes, beklemmendes und überraschend zeitgemäßes Kostümdrama, getragen von Ralph Fiennes' frostigem Spiel und Keira Knightleys leidenschaftlicher Darstellung.
Story
7
Schauspiel
9
Regie
7
Optik
9
Musik und Ton
7
Emotionen
8

Die Gesamtwertung ist der Durchschnitt der sechs Kriterien.

Filmdaten

OriginalThe Duchess
Kinostart in Deutschland25.3.2009
RegieSaul Dibb
BesetzungKeira Knightley, Ralph Fiennes, Charlotte Rampling, Dominic Cooper, Hayley Atwell, Simon McBurney
GenreDramen, Historienfilme, Romantische Filme
Laufzeit110 Min.
FSK12
LandItalienische Filme, Britische Filme, Französische Filme

Wo kann man Die Herzogin streamen?

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Streaming-Daten: JustWatch · Stand: 13.10.2026

Worum geht es in Die Herzogin, ohne Spoiler?

Wir befinden uns im späten 18. Jahrhundert. Im Mittelpunkt steht Georgiana Spencer, eine der schillerndsten Persönlichkeiten ihrer Zeit. Sehr jung heiratet sie den deutlich älteren Duke of Devonshire, einen Fixpunkt der feinen Gesellschaft, und schenkt ihm Kinder. Georgiana wird schnell zur Stilikone ihrer Epoche, zur hingebungsvollen Mutter und zu einer klugen Akteurin im politischen Leben. Das einfache Volk liegt ihr regelrecht zu Füßen.

Doch hinter dem Glanz verbirgt sich das, was die Geschichte wirklich spannend macht: der verzweifelte Kampf um die Liebe. Georgiana verstrickt sich in eine leidenschaftliche und unglückselige Affäre mit Charles Grey, während sich gleichzeitig eine angespannte, höchst eigenartige Dreiecksbeziehung zwischen ihrem Ehemann und ihrer besten Freundin Lady Bess Foster entwickelt. Mehr verrate ich nicht, denn die Stärke des Films liegt gerade darin, wie sich diese Fäden langsam ineinander verheddern und sich immer enger um Georgianas Hals legen.

Ihr extravaganter Geschmack, ihre Spielleidenschaft und ihre Liebesaffären machten diese Frau gleichzeitig berühmt und berüchtigt. Der Film will sie weder heiligsprechen noch über sie urteilen. Er zeigt vielmehr, wie es ist, wenn ein ganzes Land dich verehrt, zu Hause aber niemand fragt, was du eigentlich willst.

Keira Knightley, diesmal endlich mehr als nur schön

Um 2008 war Keira Knightley längst die ungekrönte Königin des Kostümfilms, man denke nur an Stolz und Vorurteil oder Abbitte. Es wäre leicht gewesen, wieder dieselbe trotzige, freche Figur zu spielen, und in der ersten halben Stunde hat man tatsächlich manchmal das Gefühl, sie bewege sich auf vertrautem Terrain. Doch je enger Georgianas Welt wird, desto leiser und schmerzhafter wird Knightleys Spiel.

Am meisten hat mir gefallen, wie sie den Unterschied zwischen der öffentlichen und der privaten Georgiana herausarbeitet. Im Salon strahlt sie, macht Witze, die Politiker hängen an ihren Lippen. Sobald sich aber die Tür hinter ihr schließt, erlischt das Lächeln, und zurück bleibt eine junge Frau, die begriffen hat, dass ihr Leben Teil eines Handels ist. Diese Doppelbödigkeit ist das Herz des Films, und Knightley macht sie glaubwürdig.

Fehlerlos ist die Leistung nicht: Ab und zu reißen einen übertrieben einstudierte Gesten und das bekannte Vorschieben des Kiefers aus der Szene. Aber in den schwersten Momenten ist sie voll da, und darauf kommt es an.

Ralph Fiennes, der eiskalte Duke

Wenn man mich fragt, ist Ralph Fiennes die eigentliche Geheimwaffe des Films. Als Duke of Devonshire erschafft er eine Figur, die man gleichzeitig hasst und bemitleidet. Er ist kein lauter Bösewicht, er schreit nicht, er tobt nicht. Er versteht schlicht nicht, was seiner Frau fehlt. Für ihn ist die Sache klar: Die Ehe ist ein Vertrag, und die Aufgabe der Ehefrau ist eindeutig.

Fiennes sagt mit einem winzigen Zucken im Gesicht, einem abgebrochenen Satz oder einer Szene mit seinen Hunden mehr als andere mit einem ganzen Monolog. Wer seit Schindlers Liste weiß, wie beängstigend kalt er auf der Leinwand wirken kann, bekommt hier eine deutlich zurückhaltendere, aber mindestens ebenso verstörende Variante. Erst seine Präsenz macht den Film zu mehr als einer hübschen Kostümromanze.

Die Nebenfiguren: Mutter, Freundin, Geliebter

Auch in den Nebenrollen sieht man, dass hier nicht gespart wurde. Charlotte Rampling ist als Lady Spencer, also Georgianas Mutter, schon in wenigen Szenen eine gewichtige Erscheinung. Sie verkörpert das System: Sie liebt ihre Tochter, kennt aber die Regeln ganz genau und weiß auch, dass diese Regeln nicht von Frauen geschrieben werden.

Hayley Atwell hat als Bess Foster vielleicht die heikelste Rolle bekommen. Die Freundin, die zugleich Zuflucht und Verrat ist, spielt Atwell nicht als simple Intrigantin. Auch ihre Figur steht unter Zwängen, und gerade dadurch wird die Dreiecksbeziehung wirklich schmerzhaft statt seifenopernhaft.

Dominic Cooper verkörpert als Charles Grey das Versprechen von Leidenschaft und Freiheit. Ehrlich gesagt habe ich bei ihm am wenigsten Tiefe gespürt: eher Funktion als Mensch, die Verkörperung romantischer Sehnsucht. Im politischen Hintergrund tauchen außerdem Simon McBurney als Charles Fox, Aidan McArdle als Richard Brinsley Sheridan und John Shrapnel als General Grey auf. Sie erwecken jene Salonwelt zum Leben, in der Georgiana der hellste Stern ist.

Saul Dibbs Regie: schöne Bilder, enger Rahmen

Saul Dibb ist kein kühner Formbrecher, und dieser Film will das auch gar nicht sein. Die Inszenierung ist klassisch, elegant, stellenweise vielleicht zu vorsichtig. Die Ausstattung dagegen ist wirklich überwältigend: Kostüme, Frisuren und Schlosssäle verstärken allesamt das Gefühl, dass Georgiana in einer wunderschönen, aber verschlossenen Schatulle lebt. Das ist eine bewusste Entscheidung, und sie funktioniert.

Schwächer fand ich das Tempo. 110 Minuten sind nicht lang, und doch gibt es einen Mittelteil, in dem der Film eher bebildert als erzählt. Der politische Strang, der Georgiana zu einer so außergewöhnlichen Figur machte, bleibt oft nur Hintergrundrauschen. Dabei hätte ich gern mehr davon gesehen, wie sich diese Frau in der Welt der Männer bewegte. Der Schwerpunkt liegt klar auf dem privaten Drama, was verständlich ist, das Porträt aber etwas verengt.

Warum wirkt der Film heute noch so aktuell?

Georgianas Geschichte ist eine sehr heutige Erzählung über Ruhm, Glanz und die Sehnsucht nach wahrer Liebe. Eine Frau, die von der Öffentlichkeit vergöttert wird, deren Kleider alle nachgeschneidert werden, über die jeder spricht, während ihr Privatleben vollständig in fremden Händen liegt. Dieses Muster kommt einem bekannt vor, und der Film ist klug genug, uns die Parallele nicht unter die Nase zu reiben. Er lässt uns selbst darauf kommen.

Genau das macht Die Herzogin zu mehr als einem weiteren Kostümfilm im Regal. Spannend ist nicht die ferne Vergangenheit, sondern wie sehr die Gitterstäbe des Käfigs den heutigen ähneln. Nur schnürt heute statt des Korsetts eben etwas anderes ein.

Für wen ist der Film?

Wenn er dir gefällt, schau auch: Stolz und Vorurteil (2005), Anna Karenina (2012), Marie Antoinette (2006), The Favourite (2018), Elizabeth (1998)

Häufige Fragen

Worum geht es im Film Die Herzogin?

Um das Leben von Georgiana Spencer, Herzogin von Devonshire, im späten 18. Jahrhundert: ihre Ehe mit dem deutlich älteren Duke, ihre Rolle in Mode und Politik, ihre Affäre mit Charles Grey sowie die Dreiecksbeziehung um ihren Ehemann und ihre beste Freundin Bess Foster.

Wie lang ist Die Herzogin?

Der Film dauert 110 Minuten.

Wann kam Die Herzogin in die deutschen Kinos?

Der Film startete am 25. März 2009 in Deutschland.

Wer hat Die Herzogin inszeniert?

Regie führte Saul Dibb.

Wer spielt in Die Herzogin mit?

Keira Knightley (Georgiana), Ralph Fiennes (Duke of Devonshire), Charlotte Rampling (Lady Spencer), Dominic Cooper (Charles Grey), Hayley Atwell (Bess Foster) sowie Simon McBurney, Aidan McArdle und John Shrapnel.

Wie lautet der Originaltitel von Die Herzogin?

Der Originaltitel lautet The Duchess. Der Film ist eine italienisch-britisch-französische Koproduktion.

Lohnt es sich heute noch, für einen Abend mit Georgiana ins Korsett zu schlüpfen?

Ich finde: ja. Die Herzogin ist kein revolutionärer Film, und im Mittelteil holpert es spürbar, aber die schauspielerische Arbeit macht das mehr als wett. Knightley zeigt eine verletzliche, lebendige Georgiana, Fiennes einen Ehemann, der einem noch tagelang nachgeht. Wer an einem verregneten Abend etwas Schönes, Trauriges und überraschend Zeitgemäßes sucht, wird von diesem Film genau dort getroffen, wo es wehtut.

Wertung: 7,8/10 · Story 7 · Schauspiel 9 · Regie 7 · Optik 9 · Musik und Ton 7 · Emotionen 8