Léon - Der Profi Kritik: Der Auftragskiller, das Mädchen und einer der irrsten Bösewichte der Filmgeschichte
Manche Filme altern, andere weigern sich schlicht. Léon - Der Profi gehört seit seinem deutschen Kinostart im Januar 1995 eindeutig zur zweiten Sorte: ein harter, düsterer und trotzdem seltsam zärtlicher Film darüber, wie ein Mensch, der nichts hat, plötzlich etwas findet, für das es sich zu leben lohnt. Luc Bessons Film trifft heute noch so präzise wie ein gut gezielter Schuss.
Ein hartes, melancholisches und wunderschön inszeniertes Krimidrama, dessen drei Hauptfiguren man allesamt nicht mehr vergisst.
Filmdaten
| Original | Léon |
|---|---|
| Kinostart in Deutschland | 19.1.1995 |
| Regie | Luc Besson |
| Besetzung | Jean Reno, Natalie Portman, Gary Oldman, Danny Aiello, Peter Appel, Michael Badalucco |
| Genre | Krimis, Dramen, Actionfilme |
| Laufzeit | 110 Min. |
| FSK | 16 |
| Land | Französische Filme |
Ein einsamer Killer und das Mädchen von nebenan
Die Ausgangslage ist simpel, fast märchenhaft. Léon lebt allein und zurückgezogen in New York und verdient sein Geld damit, Menschen gegen Bezahlung umzubringen. Um ihn herum gibt es nichts, was zu einem normalen Leben gehört, und er scheint es auch nicht zu vermissen. Dann löscht Detective Stansfield, ein Polizist, der grausamer ist als jeder Gangster, die Familie nebenan aus. Einzige Überlebende ist die zwölfjährige Mathilda, die bei Léon an die Tür klopft und um Zuflucht bittet.
Ab da zieht der Film in zwei Richtungen gleichzeitig. Einerseits ist er ein angespannter Krimi, in dem Stansfields Schatten immer näher rückt und klar ist, dass man die kleine Zeugin nicht in Ruhe lassen wird. Andererseits ist er ein überraschend stilles, beinahe kammerspielartiges Stück darüber, wie der gefühllose Killer sich langsam um das Mädchen kümmert, als wäre es sein eigenes Kind. Mehr sollte man vorab gar nicht wissen. Die Kraft des Films liegt darin, wie diese beiden Stränge ineinandergreifen und wie der Einsatz mit jeder Szene steigt.
Jean Reno sagt mit wenigen Worten alles
Jean Renos Léon ist eines der besten Beispiele dafür, wie viel eine Figur erzählen kann, obwohl sie kaum spricht. Reno spielt ihn als massigen, fast regungslosen Mann, dem man sofort anmerkt, wie gefährlich er ist, und der zugleich bei allem, was nicht zu seinem Job gehört, beinahe kindlich unbeholfen wirkt. Genau diese Doppelnatur ist das Herz des Films.
Das eigentliche Kunststück: Reno versucht nie, Léon sympathisch zu machen. Kein Augenzwinkern, keine Entschuldigung. Er lässt das Publikum selbst herausfinden, was in diesem ausgehöhlten Menschen steckt. Und wenn man merkt, dass man sich Sorgen um ihn macht, ist es längst zu spät. Der Film hat einen gepackt.
Natalie Portman: ein Debüt, das man nicht vergisst
Natalie Portman war damals noch ein Kind und liefert als Mathilda Lando eine Leistung ab, um die sie die meisten erwachsenen Kollegen beneiden dürften. Mathilda ist nicht das typische Filmkind, das nur weint und auf Rettung wartet. Sie ist wütend, klug, verletzt, manchmal unberechenbar und weiß genau, was sie will: Rache. Portman macht all das glaubhaft, und was noch wichtiger ist, man spürt dahinter immer das kleine Mädchen, dem an einem einzigen Nachmittag das Leben genommen wurde.
Die Beziehung zwischen Léon und Mathilda ist zugleich der heikelste Punkt des Films. Besson begibt sich stellenweise auf ein Terrain, bei dem heutigen Zuschauern unwohl werden dürfte, und das zu verschweigen wäre unredlich. Im Kern geht es aber um Fürsorge, um zwei verlorene Menschen, die sich aneinander festhalten, und das Feingefühl der beiden Darsteller trägt den Film über die wackeligen Momente hinweg.
Gary Oldman, der Bösewicht, der allen die Show stiehlt
Wer sich Léon nur aus einem einzigen Grund ansieht, dann wegen Gary Oldman. Norman Stansfield gehört zu den denkwürdigsten Schurken der Filmgeschichte, und zwar nicht, weil er laut ist, sondern weil er völlig unberechenbar bleibt. In einem Moment lächelt Oldman fast schläfrig und gemütlich, im nächsten kippt er in eine Gewalt, die einen im Sessel zurückweichen lässt. Ein Polizist, für den die Dienstmarke kein Schutz ist, sondern ein Freibrief.
Aus heutiger Sicht mag Oldmans Spiel übertrieben wirken, aber genau das braucht es hier. Léon ist leise und zurückhaltend, Stansfield laut und entfesselt, und dieser Kontrast bildet das Rückgrat der Spannung. Wenn der Detective schließlich mit einem großen SWAT-Einsatz Léons Wohnung stürmen lässt, ist klar: Hier prallen zwei völlig verschiedene Arten von Profis aufeinander.
Unter den Nebenrollen verdient Danny Aiello als Old Tony eine Erwähnung. In wenigen Szenen zeigt er genau die Welt, in der Léon arbeitet und in der Vertrauen immer einen Preis hat.
Luc Bessons New York: europäischer Blick, amerikanische Straßen
Luc Besson hat als französischer Regisseur eine New Yorker Gangstergeschichte gedreht, und dieser Blick von außen ist eine der Geheimwaffen des Films. Léon sieht nicht aus wie ein durchschnittlicher amerikanischer Actionfilm. Er ist langsamer, beobachtender, lässt seinen Figuren viel mehr Raum und explodiert nur dann, wenn es wirklich sein muss. Dann aber gewaltig.
Die Actionszenen sind präzise und klar, Léons Arbeit wirkt beinahe wie eine Choreografie. Besson versteht, dass Professionalität an sich schon spektakulär ist, man muss nicht alles in die Luft jagen. Über allem liegt dabei eine tiefe Melancholie: heruntergekommene Wohnungen, enge Flure, ein Gefühl von Einsamkeit, das alles durchdringt. Das ist kein heroischer Actionfilm, sondern ein trauriges Märchen, in dem eben auch Waffen vorkommen.
Wo der Film ins Straucheln gerät
Es wäre unfair, so zu tun, als sei Léon makellos. Das Drehbuch folgt stellenweise deutlich den Genreklischees, das Handlungsgerüst ist vorhersehbar, und wer schon ein paar Killerfilme gesehen hat, ahnt ungefähr, wohin die Reise geht. Der Film lebt aber auch nicht von Überraschungen, sondern von Gefühlen.
Der zweite Punkt sind einige Momente in der Beziehung zwischen Léon und Mathilda, über die ich oben schon geschrieben habe. Sie ruinieren den Film nicht, aber heute kommt man schwerer kommentarlos an ihnen vorbei, und viele empfinden das Werk gerade deshalb als zwiespältig. Für mich bleibt der Film trotzdem stark, doch es ist völlig legitim, wenn das jemandem das Erlebnis trübt.
- Was funktioniert: die drei Hauptdarsteller, die Atmosphäre, die Spannung, die emotionale Fallhöhe.
- Was weniger: das vorhersehbare Handlungsgerüst und einige heikle Szenen.
Für wen ist der Film?
- Für dich, wenn: Für alle, die figurengetriebene, düstere Krimis mögen, bei denen hinter der Action echte Gefühle stecken, und die drei Schauspieler in Höchstform erleben wollen.
- Lieber auslassen, wenn: Für alle, die rohe Gewalt stört oder denen die heiklere Darstellung der Beziehung zwischen einem Erwachsenen und einem Kind ausdrücklich unangenehm ist. Und natürlich auch nicht für alle, die einen flotten, leichten Actionfilm suchen.
Wenn er dir gefällt, schau auch: Nikita (1990), Taxi Driver (1976), Gloria (1980), Drive (2011), Logan (2017)
Häufige Fragen
Worum geht es in Léon - Der Profi?
Um den einsamen New Yorker Auftragskiller Léon, zu dem die zwölfjährige Mathilda von nebenan flieht, nachdem Detective Stansfield ihre Familie ermordet hat. Léon beginnt, sich um das Mädchen zu kümmern, während Stansfield der kleinen Zeugin auf den Fersen ist.
Wie lang ist Léon - Der Profi?
Der Film dauert 110 Minuten.
Kann man den Film mit Kindern ansehen?
Eher nicht. Der Film enthält harte Gewaltszenen und erwachsene Themen und ist nichts für ein junges Publikum.
Wann kam Léon - Der Profi in die deutschen Kinos?
Der Film startete am 19. Januar 1995 in den deutschen Kinos.
Wer hat Léon - Der Profi gedreht und wer spielt mit?
Regie führte Luc Besson, die Hauptrollen spielen Jean Reno (Léon Montana), Natalie Portman (Mathilda Lando) und Gary Oldman (Norman Stansfield).
Lohnt es sich heute noch, Léon und Mathilda wiederzusehen?
Ja, und wer den Film noch nicht kennt, sollte ihn erst recht sehen. Léon - Der Profi hat all die Jahrzehnte nicht wegen einer raffinierten Handlung überlebt, sondern weil er drei Figuren erschafft, die man nicht mehr aus dem Kopf bekommt: den stillen Killer, der nie gelernt hat zu leben, das Mädchen, das viel zu früh erwachsen werden musste, und den Polizisten, der die unberechenbare Zerstörung schlechthin ist. Besson fügt das alles mit so viel Gespür zusammen, dass man sich am Ende nicht an die Action erinnert, sondern daran, was man gefühlt hat. Es gibt strittige Momente, aber nur wenige Krimis schmerzen so sehr und bleiben so lange hängen. Pflichtprogramm für alle, die das Genre lieben.
