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Kritik · Kinostart: 8.2.2007

Rocky Balboa Kritik: Der alte Löwe steigt noch einmal in den Ring

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Irgendwann kommt für jede Legende der Moment, in dem sie entweder würdevoll abtritt oder noch einmal zeigt, warum sie überhaupt zur Legende wurde. Sylvester Stallone hat sich 2006 für den zweiten Weg entschieden. Herausgekommen ist Rocky Balboa, ein stiller, melancholischer Film, bei dem man am Ende trotzdem mit geballter Faust mitfiebert. Wer damals gelacht hat, als es hieß, Stallone ziehe mit fast sechzig noch einmal die Handschuhe an, hat diesen Film vermutlich nie gesehen.

7,7/10
Wertung
Rocky Balboa ist ein würdiger, herzlicher Abschied von einer Kultfigur und viel mehr ein Drama über Einsamkeit und das Älterwerden als ein Boxfilm.
Story
7
Schauspiel
8
Regie
7
Optik
7
Musik und Ton
8
Emotionen
9

Die Gesamtwertung ist der Durchschnitt der sechs Kriterien.

Filmdaten

Kinostart in Deutschland8.2.2007
RegieSylvester Stallone
BesetzungSylvester Stallone, Burt Young, Antonio Tarver, Geraldine Hughes, Milo Ventimiglia, Tony Burton
GenreDramen, Actionfilme
Laufzeit102 Min.
FSK12
LandAmerikanische Filme

Worum geht es in Rocky Balboa ohne Spoiler?

Rocky Balboa ist längst nicht mehr der junge, hungrige Boxer, den einst ganz Philadelphia beim Vornamen kannte. Heute führt er ein kleines Restaurant, in dem er den Gästen gern von alten Kämpfen erzählt, während er selbst kaum noch an den Ruhm denkt. Er lebt allein, seine Frau hat er vor Jahren beerdigt, und mit seinem Sohn läuft es alles andere als gut. Ein Mann, der eher von Erinnerungen lebt als von Plänen.

Dann bietet sich eine Gelegenheit. Rocky, über fünfzig, einsam und ohne viel Geld, tritt noch einmal ins Rampenlicht und fordert den amtierenden Schwergewichtsweltmeister Mason "The Line" Dixon heraus. Hat er eine Chance? Der Film spricht es selbst aus: natürlich nicht. Und natürlich versucht Rocky es trotzdem, mit der Hilfe seines Sohnes. Mehr Ausgangslage gibt es nicht, und ehrlich gesagt braucht es auch nicht mehr. Die Rocky-Filme waren nie für raffinierte Handlungen berühmt, sondern dafür, eine schlichte menschliche Geschichte so zu erzählen, dass man selbst auf dem Sofa die Faust hebt.

Stallone spielt endlich wieder sich selbst

Sylvester Stallone ist hier gleich mehrfach am Werk: Er hat die Figur geschrieben, er führt Regie und er spielt Rocky. Solche Kontrolle in einer Hand kippt oft ins Eitle, doch hier passiert etwas ganz anderes. Stallone versteht sichtlich genau, wer dieser Mann ist, und will ihn nicht als Helden inszenieren. Rocky ist unbeholfen, ein bisschen schüchtern, sentimental und trägt eine Traurigkeit in sich, die ihn unwiderstehlich sympathisch macht.

Stallones Spiel ist zurückgenommen, fast zerbrechlich. Statt des Actionstars aus Rambo und den Achtzigern sehen wir einen alternden Mann, der weiß, dass die Zeit an ihm vorbeigerauscht ist, und nicht so recht weiß, was er mit dem Rest anfangen soll. Diesen Stallone bekommt man selten zu sehen, und dass es ihn gibt, hat viele Kritiker überrascht. Mich auch.

Alte und neue Gesichter in der Ecke

Unter den Nebenfiguren ragt Burt Young als Paulie Pennino heraus, wieder ganz der mürrische, liebenswerte und ein wenig erbärmliche Schwager, ohne den das Rocky-Universum nicht denkbar wäre. Die Beziehung der beiden gehört zu den menschlichsten Ebenen des Films: zwei alternde Männer, die derselbe Verlust verbindet.

Milo Ventimiglia spielt Rockys Sohn Robert Balboa Jr., und der Konflikt zwischen Vater und Sohn bildet das emotionale Rückgrat des Films. Ventimiglia trifft den jungen Mann, der im Schatten eines legendären Vaters ein eigenes Leben aufbauen will, sehr gut, und diese Spannung fühlt sich echt an statt wie ein bloßes Drehbuchrequisit. Geraldine Hughes ist als Marie eine stille, warme Präsenz, und Tony Burton bringt als Tony 'Duke' Evers jene Trainerhärte mit, die den Vorbereitungsszenen ihre Wucht gibt.

Den Gegner Mason "The Line" Dixon spielt Antonio Tarver, der im Ring absolut glaubwürdig wirkt. Die vielschichtigste Figur ist er nicht, aber das ist in einem Rocky-Film fast schon Genregesetz: Der Gegner verkörpert eher die Herausforderung, als dass er ein eigenes Drama trägt.

Was wirklich funktioniert: die Stille vor dem Kampf

Die größte Überraschung von Rocky Balboa ist, dass der Film großteils gar nicht im Ring spielt. Stallone lässt seiner Figur Zeit, durch die Straßen von Philadelphia zu gehen, zu reden, sich zu erinnern, zu trauern. Diese Szenen sind langsam, manchmal auch eine Spur zu sentimental, aber gerade deshalb hat der Kampf am Ende so viel Kraft. Man drückt nicht einem Boxer die Daumen, sondern einem Menschen, den man bis dahin kennengelernt hat.

Und Bill Contis legendäres Rocky-Thema sitzt einfach da im Film, und wenn es erklingt, gibt es keinen noch so zynischen Zuschauer, der nichts dabei fühlt.

Wo es ein bisschen wehtut: Klischees lassen sich nicht k.o. schlagen

Machen wir uns nichts vor: Rocky Balboa ist ein sehr vorhersehbarer Film. Wer schon einmal ein Sportdrama gesehen hat, weiß genau, welche Höhen und Tiefen kommen, und der Film versucht gar nicht erst, daran etwas zu ändern. Die Dialoge sprechen manchmal aus, was die Bilder längst erzählt haben, und einige Szenen wirken eher wie Motivationsreden als wie Drama.

Auch der Mittelteil zerfasert etwas, in der ersten Stunde verweilt der Film gelegentlich einfach nur, und wer Action erwartet, könnte ungeduldig werden. Aber mal ehrlich: Wer sich einen Rocky-Film ansieht, tut das nicht wegen der Überraschungen. Sondern wegen dieses Gefühls, das der Film am Ende voll und ganz einlöst.

Für wen ist der Film?

Wenn er dir gefällt, schau auch: Rocky (1976), Creed: Rocky's Legacy (2015), The Wrestler (2008), Million Dollar Baby (2004), Warrior (2011)

Häufige Fragen

Worum geht es in Rocky Balboa?

Der über fünfzigjährige, einsame Rocky Balboa betreibt ein Restaurant in Philadelphia. Als sich eine Gelegenheit bietet, steigt er noch einmal in den Ring und fordert den Schwergewichtsweltmeister Mason "The Line" Dixon heraus.

Wie lang ist Rocky Balboa?

Der Film dauert 102 Minuten.

Wann kam Rocky Balboa in die deutschen Kinos?

Der Film startete am 8. Februar 2007 in Deutschland.

Wer hat bei Rocky Balboa Regie geführt?

Regie führte Sylvester Stallone, der auch die Hauptrolle des Rocky Balboa spielt.

Wer spielt Rockys Sohn?

Robert Balboa Jr. wird von Milo Ventimiglia gespielt.

Lohnt es sich, mit Rocky noch einmal die Handschuhe anzuziehen?

Ja, und zwar nicht nur aus Nostalgie. Rocky Balboa ist nicht der beste Film der Reihe, der erste Teil bleibt unantastbar, aber er ist ihr reifster und ehrlichster. Stallone will hier nicht den alten Ruhm neu verkaufen, sondern zeigt, was von einem Menschen bleibt, wenn der Applaus verklungen ist. Ein vorhersehbarer, manchmal etwas kitschiger, aber von Herzen kommender Film, der am Ende genau dort trifft, wo er treffen soll. Wer an einem verregneten Abend etwas sucht, das einen ein kleines bisschen mehr an sich selbst glauben lässt, wird kaum eine bessere Wahl finden.

Wertung: 7,7/10 · Story 7 · Schauspiel 8 · Regie 7 · Optik 7 · Musik und Ton 8 · Emotionen 9