The Jungle Book Kritik: Jon Favreau erweckt Kiplings Dschungel zum Leben
Es gibt diese Momente, in denen einen ein Märchen aus Kindertagen wieder voll erwischt und man sich im Kinosessel plötzlich wie sieben fühlt. Jon Favreaus The Jungle Book aus dem Jahr 2016 ist genau so ein Film: vertraut und trotzdem überraschend düster und atemberaubend. Kiplings Klassiker ist hier kein Zeichentrickklamauk, sondern ein echter, pulsierender und gefährlicher Dschungel.
Ein bildgewaltiger, berührender und stellenweise richtig gruseliger Märchenfilm, bei dem das Ensemble der Sprecher fast mehr beiträgt als jeder digitale Baum.
Filmdaten
| Kinostart in Deutschland | 14.4.2016 |
|---|---|
| Regie | Jon Favreau |
| Besetzung | Neel Sethi, Bill Murray, Ben Kingsley, Idris Elba, Scarlett Johansson, Christopher Walken |
| Genre | Abenteuerfilme, Familienfilme, Fantasyfilme |
| Laufzeit | 106 Min. |
| FSK | 6 |
| Land | Amerikanische Filme |
Worum geht es? Ein Menschenjunge unter Wölfen
Wer jemals Kind war, weiß ungefähr, was ihn erwartet. Der Waisenjunge Mogli wächst tief im Dschungel auf, und zwar nicht bei irgendwem: Die Wölfe nehmen ihn auf, der weise schwarze Panther Baghira passt auf ihn auf, und später versucht der gemütliche Bär Balu mit seiner ganz eigenen Lebensphilosophie, ihn durchs Leben zu lotsen. Klingt nach Idylle, doch der Dschungel ist kein Spielplatz.
Der Tiger Shir Khan hat es schon lange auf das Menschenkind abgesehen, und an weiteren Gefahren mangelt es auch nicht. Da ist die Schlange Kaa, deren hypnotischer Blick eher Falle als Umarmung ist, und da ist King Louie, der Affenkönig, der vorsichtig ausgedrückt nicht gerade der beste Freund des Menschen ist. Die Grundzüge der Handlung sind also bekannt, Rudyard Kiplings Geschichte muss man kaum jemandem vorstellen. Die spannende Frage lautet nicht, was passiert, sondern wie Favreau es erzählt. Und da gibt es einiges zu loben.
Spoiler gibt es hier keine, nur so viel: Wer bloß die fröhlichen Lieder im Kopf hat, wird staunen, wie viel Spannung und wie viel auf dem Spiel steht in dieser Version.
Neel Sethi und die Stimmen, die den Dschungel beleben
Fangen wir mit der schwierigsten Aufgabe an. Neel Sethi ist als Mogli praktisch der einzige Darsteller aus Fleisch und Blut in einer digital erschaffenen Welt, und das ist für einen Kinderdarsteller eine enorme Last. Er spielt mit Partnern, die es am Set so, wie wir sie auf der Leinwand sehen, gar nicht gab. Trotzdem wirkt Sethi glaubwürdig und voller Energie, und er hat diesen wilden Charme, der zu einem Jungen passt, der bei Wölfen groß geworden ist. Manchmal merkt man ihm die fehlende Erfahrung an, aber das würde ich ihm nicht ankreiden.
Die Liste der Sprecher liest sich dagegen, als hätte jemand ein Traumteam auf eine Serviette gekritzelt:
- Bill Murray ist als Balu schlicht ein Volltreffer. Der lässige, faule Bär mit dem riesigen Herzen scheint ihm auf den Leib geschrieben, Murrays typischer, halb gelangweilter Humor ist hier Gold wert.
- Ben Kingsley gibt Baghira würdevoll, streng und dabei fürsorglich. Genau die Stimme, die eine solche Mentorfigur braucht.
- Idris Elba ist als Shir Khan eine der stärksten Waffen des Films. Tief, ruhig und markerschütternd: Bei jedem Satz des Tigers zieht sich einem der Magen zusammen.
- Scarlett Johansson hat als Kaa nur einen kurzen, aber hypnotischen Auftritt, ihre Stimme lullt einen buchstäblich ein.
- Christopher Walken ist als King Louie genau so, wie man sich eine Walken-Rolle vorstellt: schräg, unberechenbar und witzig, aber im Hintergrund lauert die Bedrohung.
Die Wolfsfamilie sprechen Lupita Nyong'o (Raksha) und Giancarlo Esposito (Akela). Sie bekommen weniger Raum, verleihen den Rudelszenen aber beide Gewicht. Vor allem Nyong'os mütterliche Wärme bleibt hängen.
Jon Favreau, der Zauberer der Bilder
Bei Jon Favreau denken viele zuerst an die ersten Iron-Man-Filme, und tatsächlich hat er schon dort bewiesen, wie gut er großes, publikumsnahes Blockbusterkino beherrscht. In The Jungle Book macht er aber etwas ganz anderes: Er baut eine Märchenwelt und strebt dabei nach beinahe dokumentarischer Glaubwürdigkeit.
Dieser Dschungel lebt. Das Licht, das durch die Lianen fällt, der Schlamm, das Wasser, das Fell und die Bewegungen der Tiere sind so detailverliebt, dass man nach wenigen Minuten vergisst, dass fast nichts davon echt ist. Das ist eine große Leistung, denn so dreht sich der Zauber nicht um die Technik, sondern um die Geschichte. Favreau protzt nicht mit seinen Bildern, er stellt sie in ihren Dienst.
Geschickt balanciert der Regisseur zwischen dem klassischen Disney-Erbe und einem ernsteren, dunkleren Ton. Fans des alten Zeichentrickfilms bekommen ein paar liebevolle Augenzwinkern, aber der Film will keine sklavische Kopie sein. Mir hat das richtig gut gefallen.
Was begeistert: ein Dschungel, den man fast riechen kann
Wenn man eine Sache hervorheben muss, dann die Optik. Es ist keine Übertreibung, diesen Film als Meilenstein für digital erschaffene Tiere zu bezeichnen. Die Gesichter der Tiere sind ausdrucksstark, aber nicht comichaft vermenschlicht, und ihre Bewegungen haben echtes Gewicht. Wenn Shir Khan auftaucht, sieht man wirklich ein Raubtier und kein sprechendes Plüschtier.
Auch die Atmosphäre stimmt. Der Film lässt seinen Szenen oft Luft zum Atmen, und gerade in diesen stillen Momenten spürt man, wie riesig und fremd diese Welt für einen kleinen Jungen ist. Der Humor kommt dabei nicht zu kurz: Die gemeinsamen Szenen von Balu und Mogli sind das Herz des Films, sie strahlen eine leichte Wärme aus, die die finsteren Passagen ausgleicht.
Musik und Sounddesign sind ebenfalls stark. Die Geräusche des Dschungels, das Knurren, das Rascheln der Blätter tragen viel zum Erlebnis bei, und auch die nostalgischen Melodien sitzen an der richtigen Stelle.
Wo es hakt: zu vertraut, manchmal zu gruselig
Perfekt ist trotzdem nicht alles. Weil der Film eine sehr bekannte Geschichte erzählt, hält er kaum echte Überraschungen bereit. Wer den klassischen Zeichentrickfilm oder Kiplings Buch kennt, weiß fast immer, wohin die Reise geht. Das ist nicht unbedingt schlimm, aber die Dramaturgie wirkt stellenweise etwas vorhersehbar.
Die zweite Frage betrifft den Ton. Shir Khan ist wirklich furchteinflößend, und einige Szenen könnten für kleinere Kinder zu intensiv sein. Wer einen leichten, singfreudigen Familienfilm erwartet, könnte überrascht werden. Ich halte das eher für eine Stärke, aber als Eltern sollte man es im Hinterkopf behalten.
Und schließlich fallen die Gesangseinlagen in dieser sonst so realistischen Welt manchmal etwas aus dem Rahmen. Nostalgisch charmant sind sie, neben dem ernsteren Grundton wirken sie aber ein bisschen seltsam.
Für wen ist der Film?
- Für dich, wenn: Für alle, die das klassische Märchen geliebt haben und sehen wollen, wie sich Spitzentechnik mit echten Gefühlen verbinden lässt. Ideal für Jugendliche und Erwachsene und ein schöner gemeinsamer Familienfilm mit etwas älteren Kindern.
- Lieber auslassen, wenn: Für sehr kleine oder schreckhafte Kinder wegen der gruseligen Szenen eher nicht geeignet. Wer etwas völlig Neues und Unberechenbares sucht, könnte von der altbekannten Geschichte enttäuscht sein.
Wenn er dir gefällt, schau auch: Das Dschungelbuch (1967), Der König der Löwen (2019), Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger (2012), Der König der Löwen (1994)
Häufige Fragen
Wann kam The Jungle Book in die deutschen Kinos?
Der Film startete am 14. April 2016 in Deutschland.
Wie lange dauert The Jungle Book?
Die Laufzeit beträgt 106 Minuten.
Wer hat The Jungle Book inszeniert?
Regie führte Jon Favreau.
Wer spielt Mogli, und wer sind die Sprecher?
Mogli wird von Neel Sethi gespielt. Im Original spricht Bill Murray Balu, Ben Kingsley Baghira, Idris Elba Shir Khan, Scarlett Johansson Kaa, Christopher Walken King Louie, Lupita Nyong'o Raksha und Giancarlo Esposito Akela.
Worum geht es in The Jungle Book?
Der Waisenjunge Mogli wächst bei Wölfen im Dschungel auf, begleitet von Baghira und Balu, während ihm der Tiger Shir Khan nach dem Leben trachtet.
Lohnt sich die Rückkehr in den Dschungel auch heute noch?
Auf jeden Fall. Auch Jahre nach dem Kinostart hält der Film locker mit, seine Bilder haben nichts von ihrem Glanz verloren, und Bill Murrays Balu und Idris Elbas Shir Khan sorgen immer noch für Gänsehaut, nur eben aus ganz unterschiedlichen Gründen. Jon Favreau hat Kiplings Geschichte nicht umgeschrieben, sondern sie respektvoll neu erzählt und dabei gezeigt, dass auch ein Klassiker ein neues Fell bekommen kann. Ein bisschen vorhersehbar, ein bisschen gruselig, aber mit ganz viel Herz gemacht. Für mich ein klarer Tipp für den Familienabend, sofern die Kinder schon groß genug dafür sind.
