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Kritik · Kinostart: 4.10.2013

Turbo - Kleine Schnecke, großer Traum Kritik: Eine Schnecke will zum Indy 500, und fast glauben wir es ihr

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Manche Filmideen klingen in einem Satz so absurd, dass man sofort lachen muss, und trotzdem fiebert man anderthalb Stunden mit dem Helden mit. Turbo ist genau so ein Fall: Eine Schnecke will beim Indianapolis 500 an den Start gehen. Das ist schräg, laut und manchmal vorhersehbar, aber der Film gibt mit so viel Begeisterung Gas, dass man ihm kaum böse sein kann.

7,0/10
Wertung
Turbo krempelt das Animationskino nicht um, ist aber ein sympathischer, temporeicher Familienfilm mit einem Helden, dessen Begeisterung ansteckt.
Story
6
Schauspiel
8
Regie
7
Optik
8
Musik und Ton
7
Emotionen
6

Die Gesamtwertung ist der Durchschnitt der sechs Kriterien.

Filmdaten

OriginalTurbo
Kinostart in Deutschland4.10.2013
RegieDavid Soren
BesetzungRyan Reynolds, Paul Giamatti, Michael Peña, Samuel L. Jackson, Luis Guzmán, Bill Hader
GenreAnimationsfilme, Familienfilme
Laufzeit96 Min.
FSK0
LandAmerikanische Filme

Eine Schnecke, die nicht in ihr eigenes Haus passt

Die Grundidee von Turbo ist so simpel, dass sie fast schon genial wirkt. Unser Held ist eine Schnecke, besessen von Geschwindigkeit, verliebt ins Rasen und felsenfest davon überzeugt, dass sie auf die Rennstrecke gehört. Nur sind Schnecken nicht gerade dafür bekannt, irgendwen zu überholen, und die gemächliche, zurückhaltende Schneckengemeinschaft schaut verständnislos auf den Hitzkopf, der ständig woanders sein will.

Dann passiert ein seltsamer Unfall, der Turbo noch schneller macht, und ab da gibt es kein Halten mehr: Das Ziel ist nichts Geringeres als das Indianapolis 500, eines der berühmtesten Autorennen der Welt. Das wirkt aussichtslos, und doch erzählt der Film, wie die Schnecke Richtung Sieg rast und dabei zum Star wird. Mehr muss man vorher gar nicht wissen, denn der Reiz liegt ohnehin im Weg, oder in diesem Fall: in der Raserei.

Die Botschaft ist glasklar und wird vom ersten Moment an ausgesprochen: Jeder Traum kann wahr werden, wenn du nur schnell genug bist. Das ist natürlich das klassische Mantra amerikanischer Familienfilme, aber der visuelle Witz, die Rebellion gegen die Langsamkeit als Grundzustand, verleiht ihm hier eine eigene Note.

Stimmen, auf die man achten sollte

Wenn Turbo in einer Sache wirklich glänzt, dann bei der Besetzung. Ryan Reynolds spricht Turbo und liefert genau diese lässige, etwas großmäulige, im Kern aber gutherzige Energie, die man von ihm erwartet. Er gehört zu den Schauspielern, bei denen immer ein Augenzwinkern in der Stimme mitschwingt, und das passt hervorragend zu einer Figur, die ihre eigenen Grenzen einfach nicht akzeptieren will.

Daneben ist Paul Giamatti als Chet die bodenständigere, besorgtere Stimme. Giamatti ist ein Meister der grantigen, sorgenvollen Typen, also funktioniert dieses Duo wie von selbst. Michael Peña leiht Tito seine Stimme und versprüht den warmen, begeisterten Charme eines echten Charakterdarstellers.

Dazu kommt eine Nebenbesetzung, die für einen Animationsfilm fast schon verschwenderisch ist: Samuel L. Jackson als Whiplash, Snoop Dogg als Smoove Move, Maya Rudolph als Burn, Luis Guzmán als Angelo und Bill Hader als Guy Gagné. Die Stimme von Samuel L. Jackson ist ein Genre für sich, und allein die Tatsache, sie in einem Schneckenfilm zu hören, ist ein Schmunzeln wert. Diese Truppe sorgt für einen Großteil des Schwungs: Ein Teil der Gags lebt vom Drehbuch, ein anderer von den Stimmen.

David Soren und die Langsamkeit als Schauwert

Regie führte David Soren, und was ihm richtig gut gelingt, ist das Gefühl von Geschwindigkeit aus der Sicht eines Wesens, das die Welt normalerweise vom Fuß eines Grashalms aus betrachtet. Eines der größten Geschenke des Animationsfilms ist das Spiel mit der Perspektive, und Turbo nutzt das: Der Kontrast zwischen dem winzigen Tier und der riesigen, dröhnenden Rennwelt ist die beste visuelle Idee des Films.

Die Optik ist bunt, sonnig und laut, also genau richtig für einen Rennfilm. Auch das Tempo stimmt: Die 96 Minuten ziehen sich nicht, der Film weiß, dass sein Zielpublikum bei langen, ruhigen Szenen nicht geduldig sitzen bleibt. Es ist schon ironisch, dass ausgerechnet ein Film über eine Schnecke vor allem durch seinen Drive überzeugt, aber genau darum geht es ja.

Allerdings geht Soren kaum ein Risiko ein. Die Dramaturgie folgt dem bewährten Muster: verträumter Held, den niemand versteht, ein Wendepunkt, der Aufstieg, das große Rennen. Wer schon ein paar Familienanimationen gesehen hat, ahnt den großen Bogen ziemlich genau. Das ist nicht schlimm, nur eben auch keine Überraschung.

Was funktioniert: Humor, Tempo, Herz

Die größte Stärke von Turbo ist, dass der Film seine absurde Prämisse ernst nimmt. Er zwinkert nicht ständig, wie albern das alles doch sei, sondern lässt uns einfach mit der Schnecke mitfiebern. Genau deshalb werden Kinder ihn lieben: Sie sehen darin keine Parodie, sondern einen kleinen Helden mit großen Plänen.

Sympathisch ist auch, wie der Film die Langsamkeit der Schneckengemeinschaft zeigt: Sie ist nicht böse, sie lebt einfach in einem anderen Rhythmus. Turbo rebelliert nicht, weil er seine Artgenossen verachtet, sondern weil er nicht in die Rolle passt, die man ihm zugedacht hat. Für einen Kinderfilm ist das ein erstaunlich starker Gedanke, und viele junge Zuschauer werden sich darin wiedererkennen.

Wo der Sprit ausgeht

Jetzt kommt der Haken. Turbo ist ein guter Familienfilm, aber kein großer Film. Es ist nicht die Art Animation, bei der man als Erwachsener weint oder über die man noch Jahre später spricht. Die emotionalen Höhepunkte sitzen, sind aber vorhersehbar, und der Film setzt mehr auf Stimmung und Schwung als auf vielschichtige Figuren.

Außerdem ist das Feld der Rennanimationen ziemlich voll, sprechende, temporauschige Helden sind nichts Neues, und dieser Film fährt zwangsläufig im Windschatten großer Vorbilder. In seinen müderen Momenten merkt man das auch: Mancher Gag lebt eher von den Starstimmen als vom Einfallsreichtum des Drehbuchs.

Als Erwachsener hatte ich manchmal den Eindruck, dass der Film genau weiß, was er zu tun hat, und das fleißig abarbeitet, ohne seine Komfortzone zu verlassen. Paradoxerweise spielt die Schnecke, die um jeden Preis über ihre Grenzen hinauswill, in einem Film, der genau das nicht so recht wagt.

Für wen ist der Film?

Wenn er dir gefällt, schau auch: Cars (2006), Ratatouille (2007), Kung Fu Panda (2008), Flutsch und weg (2006)

Häufige Fragen

Wann ist Turbo - Kleine Schnecke, großer Traum in Deutschland gestartet?

Der Film kam am 4. Oktober 2013 in die deutschen Kinos.

Worum geht es in Turbo - Kleine Schnecke, großer Traum?

Um eine geschwindigkeitsbesessene Schnecke, die nach einem seltsamen Unfall noch schneller wird und beschließt, beim Autorennen Indianapolis 500 anzutreten.

Wie lang ist Turbo - Kleine Schnecke, großer Traum?

Der Film läuft 96 Minuten.

Wer spricht die Figuren in der Originalfassung?

Turbo wird von Ryan Reynolds gesprochen, dazu sind Paul Giamatti (Chet), Michael Peña (Tito), Samuel L. Jackson (Whiplash), Luis Guzmán (Angelo), Bill Hader (Guy Gagné), Snoop Dogg (Smoove Move) und Maya Rudolph (Burn) zu hören.

Wer hat Turbo - Kleine Schnecke, großer Traum inszeniert?

Regie führte David Soren.

Darf die Schnecke an die Startlinie des Familienfilmabends?

Ja, ganz entspannt. Turbo landet nicht in der ewigen Bestenliste des Animationsfilms, liefert für einen Sonntagnachmittag mit der Familie aber genau das Richtige: Schwung, Humor, einen liebenswerten kleinen Helden und eine Botschaft, die auch Kinder verstehen. Als Erwachsener spürt man ab und zu, dass man diese Strecke schon anderswo gefahren ist, doch die Starstimmen und die Schneckenperspektive reichen locker, damit keine Langeweile aufkommt. Für mich eine starke Sechs, mit Kinderaugen betrachtet eher eine Acht.

Wertung: 7,0/10 · Story 6 · Schauspiel 8 · Regie 7 · Optik 8 · Musik und Ton 7 · Emotionen 6