Die Schöne und das Biest Kritik: Reicht der Zauber für ein Realfilm-Remake?
Es gibt diese Art von Nostalgie, bei der man gleichzeitig lächelt und misstrauisch wird. Genau dieses Gefühl löst Bill Condons Film von 2017 aus. Die Realverfilmung von Die Schöne und das Biest rückt mit einem gewaltigen Budget, einem funkelnden Schloss und Emma Watson an, um ein Märchen neu zu erzählen, das wir alle auswendig kennen. Bleibt nur die Frage: Brauchen wir dasselbe noch einmal, nur teurer?
Eine prunkvolle, liebenswerte und stellenweise allzu vorsichtige Neuerzählung, die das meiste ihrer Besetzung und ihren Schauwerten verdankt.
Filmdaten
| Original | Beauty and the Beast |
|---|---|
| Kinostart in Deutschland | 16.3.2017 |
| Regie | Bill Condon |
| Besetzung | Emma Watson, Dan Stevens, Luke Evans, Josh Gad, Kevin Kline, Hattie Morahan |
| Genre | Familienfilme, Fantasyfilme, Romantische Filme |
| Laufzeit | 129 Min. |
| FSK | 6 |
| Land | Amerikanische Filme |
Das gleiche Märchen im neuen Gewand
Die Geschichte muss man eigentlich niemandem mehr erklären, aber trotzdem kurz: Belle, eine kluge, schöne und für ihre Umgebung auffallend eigenständige junge Frau, landet im Schloss eines Ungeheuers und muss dort als Gefangene leben. Nach und nach überwindet sie ihre Angst, freundet sich mit den verzauberten Bediensteten des Schlosses an und lernt mit der Zeit, hinter der furchteinflößenden Fassade den sanften, fühlenden Prinzen zu erkennen.
Das ist das Gerüst, und ehrlich gesagt muss man auch nicht mehr wissen. Die Kraft dieses Märchens liegt gerade darin, dass es so vertraut ist: Man setzt sich nicht ins Kino, um überrascht zu werden, sondern um es noch einmal zu erleben. Das weiß auch der Film ganz genau und will deshalb gar keine Revolution anzetteln. Er restauriert lieber sorgfältig und respektvoll, wie ein Museumskurator, der ein altes Gemälde in einen neuen Rahmen setzt.
Das ist zugleich seine größte Stärke und seine größte Schwäche. Wer genau das bekommen möchte, was er aus der Erinnerung an die Leinwand erwartet, wird glücklich. Wer auf eine mutigere Neuinterpretation gehofft hat, dem kommen diese 129 Minuten stellenweise eher wie eine Wiederholung vor als wie eine Wiedergeburt.
Emma Watson und die Prinzessin mit dem Buch in der Hand
Emma Watson als Belle zu besetzen, lag fast schon zu nahe. Wer könnte nach Hermine aus den Harry-Potter-Filmen glaubwürdiger ein Mädchen spielen, das lieber liest, als sich vom schönsten Burschen im Dorf umwerben zu lassen? Watson trifft die Intelligenz und den Dickkopf der Figur, in ihrem Blick liegen Neugier und Trotz.
Etwas unsicherer wirkt sie beim Gesang. Schlecht ist er nicht, aber man merkt deutlich, dass sie keine Musicaldarstellerin ist, und in den großen Nummern klingt sie manchmal eher angenehm als unvergesslich. Trotzdem ist ihre Präsenz solide, und als emotionales Zentrum des Films funktioniert sie. Eine ikonische Rolle wird daraus nicht, aber eine würdige Belle allemal.
Dan Stevens hat es als Biest schwerer: Die Figur ist größtenteils digital, also muss er mit Stimme und Augen arbeiten. Das gelingt ihm überraschend gut. Hinter der Griesgrämigkeit des Biests spürt man die Verletzlichkeit, und die langsam auftauende Beziehung der beiden hat Gewicht. Dennoch schiebt sich das digitale Gesicht manchmal zwischen ihn und uns, und es gibt Momente, in denen man eine echte, greifbare Präsenz vermisst.
Gaston und LeFou, die Geheimwaffen des Films
Wenn jemandem dieser Film wie auf den Leib geschneidert ist, dann Luke Evans. Sein Gaston ist aufgeblasen, narzisstisch, lächerlich und bedrohlich zugleich, genau so, wie er sein muss. Evans genießt sichtlich jede Sekunde, und die Aggression, die hinter seiner Eitelkeit aufblitzt, verleiht dem Film echte Spannung. Das ist keine Karikatur, sondern ein sehr wiedererkennbarer Menschentyp: der Dorfheld, den alle feiern und der kein Nein akzeptieren kann.
An seiner Seite sorgt Josh Gad als LeFou für einen Großteil des Humors. Sein komisches Talent ist bekannt, als Olaf in Die Eiskönigin hat er es längst bewiesen, und auch hier hat er ein feines Gespür für Timing. Die gemeinsamen Szenen von Gaston und LeFou gehören zu den vergnüglichsten des Films, voller Energie und Spaß.
Eine besondere Freude ist Kevin Kline als Maurice, Belles Vater. Kline spielt zurückhaltend und warmherzig und holt selbst aus seinen wenigen Szenen jene stille Zuneigung heraus, die die Beziehung zwischen Belle und ihrem Vater wirklich glaubhaft macht. Unter den Nebenfiguren hat auch Hattie Morahan eine wichtige Doppelrolle: Sie spielt sowohl Agathe als auch die Zauberin.
Bill Condons Schloss: Pracht in jeder Ecke
Bill Condon ist im Musikfilm kein Unbekannter. Als Regisseur von Dreamgirls hat er bereits gezeigt, dass er große Gesangsnummern inszenieren kann. Diese Routine sieht man: Choreografien, Kulissen und Kameraführung wirken souverän, und die großen Szenen sind tatsächlich prachtvoll.
Die Optik ist eine der größten Stärken des Films. Das Schloss ist opulent, düster und dabei doch warm, das Dorf bunt und lebendig, die Kostüme sind wunderschön. Die in Gegenstände verwandelten Bediensteten sind technisch beeindruckend, werfen aber auch eine Frage auf: Statt der ausdrucksstarken, runden Figuren aus dem Zeichentrickfilm sind die realistischer gestalteten Kerzenleuchter und Uhren manchmal weniger liebenswert. Das ist Geschmackssache, aber für mich ging an dieser Stelle ein Teil des Zaubers verloren.
Der größte Fehler der Regie ist ihre Vorsicht. Condon wollte offensichtlich nicht an dem rühren, was funktioniert, und so folgt der Film dem Original sehr oft fast Szene für Szene. Das ist sicher, aber selten überraschend.
Musik, die immer noch zündet
Die Songs bilden das Rückgrat des Films, und zum Glück klingen sie heute genauso gut wie damals. Die klassischen Melodien bekommen neue Arrangements, und die großen Ensemblenummern sind echtes Kinoerlebnis. In den besten Momenten vergisst man tatsächlich, dass man ein Remake sieht, und lässt sich einfach mitreißen.
Der Klang ist satt, die Orchesterbegleitung groß angelegt, und am stärksten ist der Film immer dann, wenn die Musik ihn antreibt. Die ruhigeren Passagen ohne Gesang ziehen sich dagegen bisweilen, und die Laufzeit von 129 Minuten fühlt sich spürbar länger an, als die Geschichte es verlangt.
Wo verfliegt der Zauber?
Das größte Problem des Films ist, dass er kaum echtes Risiko eingeht. Alles ist schön, alles sorgfältig, alles am richtigen Platz, aber selten spürt man, dass die Macher dem Märchen etwas Eigenes hinzuzufügen hätten. Ein Remake ergibt dann wirklich Sinn, wenn es etwas beiträgt. Diese Fassung poliert das Original dagegen eher nur auf.
Die zweite Schwachstelle ist die Reibung zwischen digitalen Figuren und Schauspielern aus Fleisch und Blut. Das Biest und die Schlossbewohner sind technisch einwandfrei, können aber nicht immer dieselbe Wärme vermitteln wie ihre gezeichneten Vorgänger. Dadurch wirkt der Film emotional eine Spur distanzierter, als er sein sollte.
Ein schlechter Film ist er deshalb natürlich nicht. Es heißt nur, dass hier ein guter Film vorliegt, der großartig hätte werden können, wenn er sich ein bisschen mehr getraut hätte.
Für wen ist der Film?
- Für dich, wenn: Für alle, die klassische Märchen, opulente Musikfilme und eine ordentliche Portion Nostalgie lieben. Auch für einen Familienabend mit etwas älteren Kindern eine ideale Wahl.
- Lieber auslassen, wenn: Wer von einer bekannten Geschichte eine mutige, frische Interpretation erwartet oder mit Musicals schlicht nichts anfangen kann, findet hier wenig Neues.
Wenn er dir gefällt, schau auch: Cinderella (2015), Der König der Löwen (2019), Aladdin (2019), Arielle, die Meerjungfrau (2023), Maleficent (2014)
Häufige Fragen
Wann kam die Realverfilmung von Die Schöne und das Biest in die deutschen Kinos?
Der Film startete am 16. März 2017 in Deutschland.
Wie lang ist Die Schöne und das Biest?
Der Film hat eine Laufzeit von 129 Minuten.
Wer hat Die Schöne und das Biest inszeniert?
Regie führte Bill Condon.
Wer spielt die Hauptrollen?
Emma Watson spielt Belle, Dan Stevens das Biest. Luke Evans ist als Gaston zu sehen, Josh Gad als LeFou und Kevin Kline als Maurice.
Worum geht es in Die Schöne und das Biest?
Die kluge und unabhängige Belle wird von einem Ungeheuer in seinem Schloss gefangen gehalten. Sie freundet sich mit den verzauberten Bediensteten an und erkennt schließlich hinter der furchteinflößenden Gestalt des Biests den sanften Prinzen.
Lohnt sich die Rückkehr ins Schloss des Biests?
Ja, aber Wunder sollte man keine erwarten. Die Fassung von Die Schöne und das Biest aus dem Jahr 2017 ist ein wunderschöner, angenehmer und handwerklich starker Familienfilm, dessen größte Pluspunkte die Optik, die Songs und einige hervorragende Nebendarsteller sind, allen voran Luke Evans mit seinem umwerfenden Gaston. Emma Watson und Dan Stevens tragen die Liebesgeschichte ordentlich, und Bill Condon dirigiert die großen Szenen mit sicherer Hand.
Was fehlt, ist Mut. Dieser Film ist eher eine Verbeugung als eine Neudeutung. Wer sich einmal in das Märchen verliebt hat, wird auch hier nicht enttäuscht, den Zeichentrickfilm wird er darüber aber wohl kaum vergessen. Für einen verregneten Sonntagnachmittag mit einer großen Tasse Tee und der Familie findet man allerdings nur schwer etwas Besseres.
