Legend of Tarzan Kritik: Wenn der Herr des Dschungels Anzug trägt und unbedingt wieder raus will
Tarzan beginnt nicht im Baum, sondern in einem Londoner Salon, mit Krawatte um den Hals, und genau das ist die beste Idee des Films. David Yates wollte nicht die hundertste Ursprungsgeschichte erzählen, sondern zeigen, was passiert, wenn aus dem Wilden längst ein Gentleman geworden ist und ihn die eigene Vergangenheit wieder einholt. Wie viel davon aufgeht, darüber gibt es einiges zu sagen.
Ein schöner, ernsthaft gemeinter und stellenweise beeindruckender Abenteuerfilm, der mit besseren Ideen startet, als er am Ende ins Ziel bringt. Für einen verregneten Abend reicht es aber allemal.
Filmdaten
| Original | The Legend of Tarzan |
|---|---|
| Kinostart in Deutschland | 28.7.2016 |
| Regie | David Yates |
| Besetzung | Alexander Skarsgård, Christoph Waltz, Samuel L. Jackson, Margot Robbie, Djimon Hounsou, Jim Broadbent |
| Genre | Fantasyfilme, Actionfilme, Abenteuerfilme |
| Laufzeit | 110 Min. |
| FSK | 12 |
| Land | Kanadische Filme, Britische Filme, Amerikanische Filme |
Worum geht es? Unter dem Frack steckt immer noch die Wildnis
John Clayton ist ein gut gekleideter, wohlerzogener Bürger im viktorianischen England. Zumindest wirkt es seit zehn Jahren so. Alle glauben, der Wilde in ihm sei endgültig verschwunden, bis ihn eine Nachricht erreicht: In seiner alten Heimat im Kongo geschehen finstere Dinge. Ein Bergbauunternehmen frisst sich rücksichtslos in neues Land und bedroht inzwischen auch seine früheren Freunde.
Clayton reist zurück und nimmt den Kampf gegen die zerstörerische Kraft der Zivilisation auf. Dabei wird er Schicht für Schicht wieder zu dem, als der er geboren wurde. Während die Kleidung von ihm abfällt, wird er erneut zu Tarzan, dem Herrn des Dschungels und Verbündeten der Wildnis. Das ist die Ausgangslage, und mehr muss man vorher auch nicht wissen.
Die Grundidee mag ich ausgesprochen gern. Den Tarzan-Mythos kennt jeder: das Schwingen an den Lianen, der Schrei, Jane, die Affen. All das hat das Kino im vergangenen Jahrhundert gründlich abgenutzt. Hier bekommen wir stattdessen einen Helden, der seine Legende schon hinter sich hat und gezwungen ist, sie noch einmal anzunehmen, ob er will oder nicht. Dieser erwachsenere, melancholischere Ansatz sorgt für die interessantesten Momente des Films.
Skarsgård, der stille Muskelberg
Alexander Skarsgård ist als John Clayton alias Tarzan körperlich die perfekte Wahl, daran gibt es nichts zu rütteln. Groß, sehnig, mit einer fast tierischen Geduld in den Bewegungen. Wichtiger noch: Man nimmt ihm ab, dass dieser Mann in seiner zivilisierten Haut leidet. Er spielt mit wenigen Worten und verlässt sich viel auf seinen Blick.
Das Problem ist eher, dass ihm das Drehbuch oft zu wenig Material liefert. Ein in sich gekehrter, zurückhaltender Tarzan klingt als Konzept gut, doch manchmal ist die Figur so schweigsam, dass man als Zuschauer selbst erraten muss, was in ihr vorgeht. Trotzdem ist er nicht die Schwachstelle. In den großen körperlichen Szenen wirkt er sogar ausgesprochen glaubwürdig.
Jane, Williams und der böse Captain
Margot Robbie bringt als Jane Porter deutlich mehr Feuer mit, als die Rolle auf dem Papier verlangt. Sie ist nicht die kreischende Dame in Not, die man aus alten Filmen kennt, sondern hat Humor und Rückgrat. Umso bedauerlicher, dass die Geschichte sie trotzdem immer wieder in die klassische Rolle der Frau in Gefahr zurückdrängt, denn Robbie hätte sichtlich mehr gekonnt.
Samuel L. Jackson ist als George Washington Williams zugleich Herz und Humorquelle des Films. Er reagiert als Außenstehender auf den Wahnsinn des Dschungels, und kaum jemand löst eine angespannte Szene so gut mit einem perfekt getimten Spruch auf wie er. Das Zusammenspiel mit Skarsgård funktioniert überraschend gut und bringt fast schon Buddy-Movie-Stimmung ins Abenteuer.
Christoph Waltz liefert als Captain Leon Rom genau das, was man von ihm erwartet: einen höflichen, gemessenen, beängstigend ruhigen Schurken. Und genau da liegt das Problem. Seit Inglourious Basterds spielt Waltz diese Figur in wechselnden Kostümen immer wieder, und auch hier fügt er nichts Überraschendes hinzu. Professionell, unterhaltsam, aber schnell vergessen. Djimon Hounsou hat als Häuptling Mbonga eine starke Präsenz, und Jim Broadbent sorgt als Premierminister für einen netten, kurzen Farbtupfer.
David Yates und die Last der Ernsthaftigkeit
Die meisten kennen David Yates von den letzten vier Harry-Potter-Filmen, und seine Handschrift ist auch hier spürbar: kühlere Farben, ernster Ton, groß angelegte, aber kontrollierte Bilder. Yates ist kein Mann für fröhliche Abenteuerfilme, sondern eher für die dunkleren Schattierungen, und so ist auch Legend of Tarzan geraten.
Das ist Stärke und Schwäche zugleich. Eine Stärke, weil der Film kein alberner Nostalgiestreifen sein will und sich traut, ernste Themen wie die Ausbeutung durch den Kolonialismus im Hintergrund mitzuerzählen. Eine Schwäche, weil die Leichtigkeit, der Schwung und die befreite Freude, die ein Abenteuerfilm braucht, oft fehlen. Manchmal wirkt der Film, als wolle er unbedingt bedeutend sein, und vergisst dabei, zu unterhalten.
Auch die Struktur ist etwas holprig. Die Rückblenden, in denen Bilder aus Tarzans Vergangenheit aufblitzen, sind schön, bremsen aber hin und wieder die Handlung in der Gegenwart aus, und die 110 Minuten Laufzeit fühlen sich stellenweise länger an.
Optik: ein atemberaubender Dschungel, gummiartige Tiere
Visuell hinterlässt der Film gemischte Gefühle. Die Landschaften, die nebelverhangenen Wälder, die Flüsse und die großen Massenszenen sind spektakulär und haben echte Größe. Wenn Tarzan endlich frei durch die Bäume jagt, fängt das Kino tatsächlich dieses ursprüngliche Freiheitsgefühl ein, für das wir diese Figur lieben.
Die Tiere aus dem Computer überzeugen dagegen nicht immer. Die Gorillas und anderen Wildtiere sind mal beeindruckend, mal sieht man ihnen deutlich an, dass sie aus Pixeln bestehen. In einem Film, in dem die Verbindung zur Natur der Kern ist, tut das mehr weh als in einem Superheldenfilm. Musik und Klangkulisse sind hingegen stark: Dschungelgeräusche, Trommeln und die orchestrale Untermalung bauen die Spannung gekonnt auf.
Was funktioniert und was nicht
- Funktioniert: der erwachsenere Ansatz, der die Ursprungsgeschichte umgeht.
- Funktioniert: die Energie von Samuel L. Jackson und Margot Robbie.
- Funktioniert: die großen, befreiten Actionszenen in den Baumwipfeln.
- Funktioniert nicht: Christoph Waltz' Schurke aus der Routine.
- Funktioniert nicht: das stellenweise zu düstere, schwerfällige Tempo.
- Funktioniert nicht: die schwankende Qualität der CGI-Tiere.
Am Ende neigt sich die Waage zur positiven Seite, wenn auch nur leicht. Ein solider, ambitionierter Abenteuerfilm, in dem auch das Zeug zu einem richtig großen Kinoerlebnis steckte.
Für wen ist der Film?
- Für dich, wenn: Für alle, die klassische Abenteuerfilme mögen, sich aber eine ernstere, dunklere Interpretation wünschen, und für Fans von Alexander Skarsgård oder Margot Robbie.
- Lieber auslassen, wenn: Wer einen leichten, fröhlichen Familien-Tarzan erwartet, wird enttäuscht. Der Film ist ernst und düster im Ton und eignet sich kaum für kleine Kinder.
Wenn er dir gefällt, schau auch: Tarzan (1999), Greystoke: The Legend of Tarzan, Lord of the Apes (1984), The Jungle Book (2016), Die versunkene Stadt Z (2016), Die Mumie (1999)
Häufige Fragen
Wann kam Legend of Tarzan in die deutschen Kinos?
Der Film startete am 28. Juli 2016 in Deutschland.
Wie lang ist Legend of Tarzan?
Der Film hat eine Laufzeit von 110 Minuten.
Wer hat Legend of Tarzan inszeniert?
Regie führte David Yates.
Wer spielt Tarzan und Jane?
Alexander Skarsgård spielt John Clayton alias Tarzan, Margot Robbie ist als Jane Porter zu sehen. Den Bösewicht Captain Leon Rom verkörpert Christoph Waltz.
Worum geht es in Legend of Tarzan?
John Clayton führt ein zivilisiertes Leben in England, bis er erfährt, dass sich in seiner alten Heimat im Kongo ein rücksichtsloses Bergbauunternehmen ausbreitet und seine Freunde bedroht. Er kehrt zurück und wird wieder zu Tarzan.
Lohnt es sich heute noch, sich an den Lianen zu diesem Tarzan zurückzuschwingen?
Ja, aber mit gedämpften Erwartungen. Legend of Tarzan ist nicht der moderne Klassiker geworden, den man sich bei dieser Besetzung und dieser Ausgangsidee erhoffen durfte. Er ist aber auch längst nicht der Flop, als den ihn manche abgestempelt haben. Skarsgård ist glaubwürdig, Robbie und Jackson füllen die Leinwand mit Leben, und einige Szenen fangen den Zauber des Dschungelkönigs wirklich ein. Wer an einem faulen Abend Lust auf ein ernsteres, bildgewaltiges Abenteuer hat, wird hier anständig bedient. Nur sollte man nicht erwarten, dass er einen so lange begleitet wie die großen Abenteuerfilme. Von mir gibt es eine wohlwollende, aber klare 7 von 10.
